Am Samstagmorgen auf dem Weg zur Sauna zum wiederholten Mal die zahlreichen Plakate für Ü-30 Partys angeguckt und feststellen müssen, dass man sogar da langsam aus der Zielgruppe fällt.
Heute dann im Schaufenster einer Buchhandlung Plakate für eine Lesung gesehen, die einen schätzungsweise 60-jährigen Autor zeigen, der über erstaunlich weißes, wuscheliges Haar verfügt. Warum sehen Autoren auf Lesungsplakaten immer so positiv verknittert-gelebt gut aus? Sie sehen nach langen Nächten an der Schreibmaschine aus, die glücklich enden, mit einen dampfenden Kaffee in der Hand, einem fertigen Manuskript unterm Arm und niedlichen Lachfältchen über struppigem Bart beim Blick über den See, der selbstverständlich hinter ihrem Haus liegt.
Ich weiß jetzt schon, dass es bei mir zu keinem Haus reicht, geschweige denn zu einem See dahinter, sondern nur zu gemeinen, altmachenden Hausfrauenfalten in einer Mietwohnung.
Gut, damit geht es mir wahrscheinlich besser als der Hauptfigur im jüngsten John Irving Roman, von der es an einer Stelle heißt, sie sehe aus “wie eine zur Nutte gewordene, ehemalige Hockeyspielerin, die in einem frühen Stadium der Schwangerschaft vom Blitz getroffen worden war.” Da wird sich der Übersetzer amüsiert haben.
Die Figur ist übrigens männlich, aber mehr weiß ich nicht darüber, die Stelle wurde mir vorgelesen, denn ich lese keine Irving-Romane. Der sieht auf seinen Lesungsplakaten auch immer gut aus.
Ich habe jetzt (endlich) mit Sven Regeners Roman “Herr Lehmann” begonnen. Sven Regener sieht dankenswerter Weise nicht so gut aus.
Fremder Senf