Über all dem Galileo- und Navigationskrempel können andere Projekte leicht aus dem Blickfeld geraten. Dabei hat die EU im Dezember vorigen Jahres mit GMES ein mindestens ebenso teures und weltumspannend angelegtes Infrastruktur-Projekt beschlossen, das mit Hilfe von Satelliten aktuelle Umweltinformationen liefern soll.
Das Kürzel GMES steht für Global Monitoring for Environment and Security. Das Projekt ist weniger darauf angelegt, einen Haufen neuer Satelliten zur Erdbeobachtung ins All zu schicken (das nebenbei auch: siehe CryoSat-2), als vielmehr die vorhandenen Kapazitäten besser und optimaler zu nutzen. Laut Selbstbeschreibung ist GMES “eine gemeinsame Anstrengung, Daten- und Informationsanbieter mit Nutzern in Kontakt zu bringen.” Man will also vor allem die Infrastruktur verbessern, Daten leichter zugänglich machen, Standards definieren und Satellitendaten unterschiedlicher Quellen in vorhandene Geodateninfrastrukturen integrieren bzw. sich am Aufbau von GDIs beteiligen und diese so mitgestalten, dass (aktuelle) Satellitendaten z.B. bei Überschwemmungen unmittelbar den Hilfskräften zur Verfügung stehen.
GMES ist also eher die gemeinsame Überschrift für eine Reihe von Einzelprojekten. In Deutschland ist das etwa DeCover, jeweils zur Hälfte finanziert von der EU und privaten Partnern. Ziel dieses Projekts: Ein standardisiertes Verfahren um Landbedeckungsdaten für öffentliche Aufgaben flächendeckend aktuell zu halten. Zehn Unternehmen sind daran beteiligt, praktisch alle Experten für Satellitendaten, die in Deutschland sitzen. Andere Projekte in anderen Ländern kümmern sich z.B. um Umweltschutz in Seehäfen (PEARL = Port EnvironmentAl infoRmation colLector) oder konzentrieren sich auf die europaweite Datenharmonisierung (RISE = Reference Information Specifications for Europe).
Man darf gespannt sein.
Fremder Senf