Eine ungeplante kurze Nacht liegt hinter mir. Heute morgen um sieben Uhr das Auto zur Werkstatt gebracht (aus gegebenem Anlass: Reparatur der Klimaanlage) und trotzdem zuvor bis 1:30 vor der Glotze Wurzeln geschlagen. Ein letztes gelangweiltes Zapping um kurz nach halb zwölf war Schuld. Da stieß ich im dritten Programm des WDR auf “WAAhnsinn – der Wackersdorf Film”. Eine Dokumentation über das exakt vor 20 Jahren gefeierte Rockfestival in Burglengenfeld im Rahmen der Proteste gegen die seinerzeit geplante Wiederaufbereitungsanlage (WAA) in Wackersdorf. Das war tatsächlich eine TV-Premiere.
Ha, was für ein Spaß. All die Polit-Rocker (Maahn, Niedecken, Reiser) von denen man damals schon dachte, dass einige ihre besten Jahre hinter sich hatten (Lindenberg). Da wußte man ja nicht, was noch kommt. Und ein langhaariger Herbert Grönemeyer, der vollkommen dummes Zeug über politisches Engagement quasselt. Herrlich, die 80er Jahre pur. Von dem Festival gibt es eine Platte, die ich sogar besitze und schon immer fand ich es besonders gelungen, wie Rio Reiser am Ende mit heiserer Stimme “Somewhere over the Rainbow” zertrümmert. Jetzt habe ich ihn auch noch dabei gesehen. Nicht auf dem Film (aber auf der Platte) ist auch ein wunderbarer Krautrock-Titel namens “Heute nacht haben sie die Engel umgebracht” von Uli Hundt un der Wahnsinn. Und dannn natürlich so schräge Vögel wie Haindling, Biermösl Blosn oder das Theatre de Pain…(verklärtes grinsen).
Das WAA-Festival fand zwei Monate nach dem Super-GAU in Tschernobyl statt und Wolf Maahn stimmte mit 120.000 Besuchern den hastig zusammengestoppelte Tschernobyl-Song an (“Das letzte Signal vor dem Overkill, hey, hey, stopt die AKWs” – damals noch mit einem “p”.) und ich will nicht verschweigen, dass ich das ziemlich klasse fand. Obwohl mein Tschernobyl-Song damals in der evangelischen Jugendgruppe (so, jetzt ist es raus) anders ging:
Ich hab Uran im Urin
das ist der Blasenruin
und auch die Nieren sind hin
sein Tschernobyl
piss ich nur Sondermüll
Der bayerische Rundfunk (tatsächlich) hat die Geschichte rund um Wackerdorf recht ausführlich dokumentiert. Und auch der Landkreis Schwandorf klammert die Ereignisse nicht aus.
Fremder Senf