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    Kölner Dom und das Kataster    

    17

    August
    2006
    17 August, 2006 von in Wissen für Jauch Antworten

    Nachdem der Kölner Dom nicht nur nicht von der Liste des Weltkulturerbes gestrichen wird und seit heute das erste Mal seit zehn Jahren wieder nahezu ohne Baugerüste zu bewundern ist, war es Zeit für eine intensive Besichtigung, die ich durch einige glückliche Zufälle mit der Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner höchstpersönlich unternehmen konnte. Die resolute Dame führte mich (und eine Besuchergruppe, sooo exklusiv wars dann doch nicht) durch den Dachstuhl des Münsterns, eine eiserne Konstruktion aus dem 19. Jahrhundert, wie dabei zu erfahren war.

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    Eisenbahn genau in der Blickachse: Deutz vom Dach des Kölner Doms aus gesehen

    Angereichert mit allerlei Ankedoten und trockenen Sprüchen („Wir haben unsere eigenen Dachdecker, denn mit sieben Jahren Gewährleistung eines Handwerksbetriebs kann ich hier nichts anfangen“) erfuhr man, warum die Steine für die Erneuerung schadhafter Teile aus Böhmen und Norditalien herangeschafft werden und das der Chef der Gerüstbauertruppe des Doms als Freeclimber und Fallschirmspringer bestens für seinen Job geeignet ist.

    Schließlich gab es den Blick von oben über Köln, allerdings nicht aus einem der beiden Türme, sondern vom Mittelturm, genau dort wo sich die vier Kirchenschiffe kreuzen. Neben dem Blick auf die Eisenbahn in der exakten Längsachse des Doms findet sich dort in etwa 70 Meter Höhe auch eine Erinnerung an Johann Jacob Baeyer, der im 19. Jahrhundert das erste europäische Gadmessungssystem schuf, also ein System von Referenzpunkten und Linien zur genauen Landvermessung. Und einer dieser Punkte war genau dieser Mittelpunkt der Kirchenschiffe des Kölner Doms, woran ein bis heute erhalten gebliebenes Emailleschild aus dem 19. Jahrhundet erinnert.

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    Bescheidene Erinnerung an einen Geodäten: Trigonometrischer Referenzpunkt aus dem 19. Jahrhundert von Johann Jacob Baeyer in rund 70 Metern Höhe am Kölner Dom

    Der Dom und das Katasterwesen hängen ohnehin höchst orginell zusammen. Die Kathedrale war natürlich Referenzpunkt des Kölner Urkatasters aus den Jahren 1836/1837. Das ist nebenbei bemerkt bis heute die einzige vollständige und homogene Vermessung des Kölner Stadtgebietes (in den damaligen Grenzen). Alles weitere wurde daraus abgeleitet und heute haben Archäologen und Historiker bisweilen Probleme, die Kartenblätter aus den verschiedenen Jahrzehnten und Jahrhunderten miteinander in Deckung zu bringen. Es wirkt so, als wandere der Dom regelrecht über die Karten.

    Der Grund dafür ist, das der eigentliche Referenz-Nullpunkt natürlich nicht der Dom in seiner Gesamtheit war – das wäre selbst seinerzeit eine etwas grobe Angabe – sondern wechselnde Teile des Gebäudes. Beim Urkataster war der Bezugspunkt ein Reiterstandbild am Westgiebel des gotischen Doms, das heute gar nicht mehr existiert, um 1850 war es für kurze Zeit ein barocker Dachreiter rund 13 Meter vom Ursprungsnullpunkt entfernt und seit 1880 schließlich war es ein Dachreiter im neugotischen Teil des Doms.

    Heute gilt für das Kölner Katasteramt natürlich das gleiche Bezugssystem, wie in ganz Deutschland, ohne eigenen Referenzpunkt am Dom und das beste ist: Die Kölner halten sich sogar daran.


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