Nachdem ich ein Wochenende Zeit hatte, die Intergeo etwas sacken zu lassen, eine kurze, persönliche Bilanz der “weltweit größten Kongressmesse für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement” (Eigenwerbung). Drei Eindrücke prägen das Bild meiner inzwischen achten Intergeo:
1. Anbieter, um nicht zu sagen Billig-Anbieter, aus Asien und Indien waren stärker als je zuvor präsent. Das betrifft vor allem die Hardwarehersteller: Tachymeter und anderes professionelles Vermessungsgerät mit und ohne Satellitenverbindung, aber auch terristrische Laserscanner – vor nur drei Jahren noch die sensationelle Innovation – drängen zu Kampfpreisen auf den hiesigen Markt. Ob große Verkäufe getätigt wurden, entzieht sich meiner Kenntnis, aber es wurden wohl vor allem Kontakte zu potenziellen einheimischen Händlern gesucht. Die renommierten Hersteller wie Topcon, Leica Geosystem und Trimble werden das sicher aufmerksam beobachten (müssen).
2. Noch nie zuvor wurden so viele osteuropäische Sprachen auf der Intergeo gesprochen. Das mag am Standort München gelegen haben. Da haben es Ungarn, Tschechen, Slowaken und Kroaten nicht so weit. Aber schätzungsweise deutet sich eine Entwicklung an. Nach dem Fall des eiserenen Vorhangs war der Aufbau eines funktionierenden Katasterwesens in diesen Ländern von großer Bedeutung für den Immobilienmarkt, die Bauwirtschaft und westliche Investoren. Viel Geld wurde dafür investiert und viel ingenieurtechnisches Know-how aufgebaut. Dieses Wissen sucht nun neue Betätigungsfelder und warum nicht im Westen? Vermessungsdienstleister aus Tschechien dürften günstigere Stundensätze haben als die aus München.
3. Die Open-Source-Gemeinde zeigte erkennbar Flagge. Ein großer Gemeinschaftsstand, ein eigenes Präsentationsforum und die Nachricht einer Fusion der Unternehmen terrestris, CCGIS und KARTA.GO zum Geo-Consortium als dem künftig größen deutschen Unternehmen für Open-Source Software in der Geoinformatik (nunja, mit rund 25 Mitarbeitern) markieren auch hier eine im wahrsten Wortsinne “offene” Entwicklung. Auch da werden etablierte Softwareanbieter genau hinsehen (müssen) und die Open Source Gemeinde steht vor der Frage, ob man Unternehmen wie Esri gegenüber auf Kooperation oder Abgrenzung setzt. Esri selbst startet nach einigen Jahren eher reservierten beobachtens nicht zuletzt durch den Kauf von conterra derzeit ein paar Annäherungsversuche.
Und sonst? Intergraph war nicht auf der Intergeo, sondern bevorzugte einen eigenen Event in der Allianz-Arena und es kursierte die Nachricht, vom geplanten Verkauf Ascos. Der Satellitenpositionierungsdienst soll nicht länger unter dem Dach von Eon-Ruhrgas verweilen. Ob aber Verkauf, Management-Buy-Out oder wie auch immer, war nicht in Erfahrung zu bringen. Klar ist nur, dass offenbar die Grundsatzentscheidung der Trennung gefallen ist.
Das ist nicht überraschend. Schon auf der vorigen Intergeo habe ich mich mit einem Ruhrgas-Offiziellen darüber unterhalten, der die Einschätzung abgab, es sei nur eine Frage der Zeit, bis sich der Konzern von Ascos als “nicht zum Kerngeschäft gehörend” trennen werde. Eigentlich eine Gelegenheit für Topcon. Der Messeauftritt war – wie bereits im vorigen Jahr – einer der größten und wie mir der Europa-Marketingchef verriet, will man mit Macht weiter expandieren und zum Konkurrenten Leica aufschließen. Da wäre ein eigener Positionierungsdienst fürs Produktportfolio wahrscheinlich nicht hinderlich, insbesondere dann nicht, wenn die Geräte der Konkurrenz auch auf die Referenzstationen angewiesen sind…
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