In diesem Jahr ist mir und der Frau an meiner Seite wieder die Flucht vor jenem Brauchtum geglückt, dessen alljährliche Zelebrierung in der Kölner Altstadt den Rot-Kreuz Helfern wieder mal alles abverlangt. Hier, im holländischen Delft (und es ist wirklich Holland!) sind davon nur schwache Echos in Form überflüssiger Clownsmasken in einer zu vernachlässigenden Anzahl von Schaufenstern zu bemerken. Dafür ist das Meer nicht weit und die Frau an meiner Seite musste natürlich hübsche Muscheln suchen, die dann auf einem Tisch-Arragement zu Hause die Muscheln aus dem vorigen Jahr ablösen an die Tage hier erinnern.
Auf den Spuren von Rosamunde Pilcher: Die Muschelsucherin
Ich fürchte allerdings, noch viel stärker wird uns der jüngste Restaurantbesuch in Erinnerung bleiben. Unter positivsten Vorzeichen und mit viel Kredit wegen des urbanen Ambientes und der interessanten Speisekarte enterten wir eine modern-trendig gestaltete Lokalität im euro-asiatischen Mix. Statt großer Hauptgerichte serviert man dort kleine Portionen für fünf bis zehn Euro, von denen man drei bis vier bestellen muss, um satt zu werden. Also unterm Strich ein für den Gast nicht wirklich presiwertes Konzept, aber dafür recht vielseitig.
Das ganze ging sich auch gut an: Kürbis mit Basilikum, Gorgonzola und einer schwarzen Olive war neu und spannend, geräucherte Pfeffer-Makrele mit Ketjap-Manis, Rucola und Koriandersauce erweiterte in dieser Kombination ebenfalls den Geschmackshorizont. Das konnte man von der danach servierten Muschelsuppe nicht mehr sagen, die ich postwendend zurück gehen ließ. Eine bittere Brühe, angesiedelt irgendwo zwischen Abwaschwasser und abgestandenem, lauwarmen Schützenfestbier aus der Leckwanne, von der die Küche jedoch steif und fest behauptete, das sei allen Ernstes so gemeint. Die Frau an meiner Seite ließ kurz danach das Lamm in Minze zurückgehen, weil es entgegen der Bestellung “rare” statt “well done” war und leider auch lauwarm. Die Entenbrust war dann wieder okay, anders als das vegetarische Risotto, auf der Karte angekündigt mit Kräutern und Tomate. Letztere waren aber lediglich kalt an das etwas matschig geratene Reisgericht geworfen worden. Die Muscheln in Curry und Kokosmilch waren sowieso nicht mein Ding, von der Frau an meiner Seite wurden sie indes als “köstlich aber überbezahlt” bewertet.
Alles in allem ein etwas durchwachsenes Angebot. Das war viel (Geld-)Schein und wenig Sein. Und dann hat man nicht mal versucht, uns bei der Rechnung entgegenzukommen. Dazu bedurfte es schon einer dieser kleinen unschönen Diskussion mit der Geschäftsführung. Wie ich das hasse…

Hallo Johannes,
wie schön, dass Du wieder kommentieren kannst. Das ist der neuen Blog-Software geschuldet. Wenn ich hier die Sache mit den Bildergallerien endlich mal in den Griff bekommen habe (ich schraub da jetzt seit Tagen dran rum!), wirst Du allerdings feststellen, dass auch wir noch gruselige Karnevals-Begegnungen in Holland hatten..
Mein lieber Timo, das ‘Erlebnis’ im Restaurant ist zwar schade, aber immerhin, ihr seit entkommen. Ich hatte am Wochenende eine seltsame, zum Glück aber nur kurze Begegnung mit einem Karnevalsumzug in Erfurt. Seit froh!
Johannes
Grüße an die Frau an deiner Seite.