Tragbare Navigationsgeräte sind der Wachstumsmarkt überhaupt. Nach Angaben der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat sich der Absatz in Deutschland im vorigen Jahr gegenüber 2005 auf zwei Millionen Geräte gesteigert und damit vervierfacht. Die Nürnberger Marktforscher liefern zu diesem Befund in ihrer Pressemitteilung (PDF) allerlei weitere lesenswerte Details auch aus dem übrigen Europa. Zum Beispiel, dass in Deutschland ein Viertel der verkauften Geräte von Lebensmitteldiscountern (Alid, Lidl, Penny) unter die Leute gebracht werden, während etwa in Österreich fast 90 Prozent im Elektrofachhandel verkauft werden. Da in Deutschland insgesamt mehr als zehnmal so viele Geräte an den Mann (sind ja hauptsächlich männliche Käufer) gebracht werden, wie in Östereich (was nur logisch ist, hat ja auch ungefähr zehnmal so viele Einwohner), kann man verkürzt sagen, allein Aldi & Co verkaufen hierzulande mehr Navis, als alle Anbieter in Östereich und der Schweiz zusammen. Bemerkenswert auch der Blick auf die nachgefragten Karten: Belgier wollen möglichst detailliert gleich ganz Europa mitgeliefert bekommen, woraus man den Schluss ziehen könnte, die Käufer sind hauptsächlich Europapolitiker, -beamte und Lobbyisten in Brüssel. Aber auch Schweizer, Deutsche und Östereicher ordern jeweils zu mehr als 50 Prozent komplette europäische Straßennetze in ihren Navis. Alles drei reiselustige Völker. Anders Spanier und Briten: In diesen Ländern sind jeweil zwei Drittel der Kunden mit nationalem Kartenmaterial zufrieden, woraus man ersehen kann, dass Briten eher selten (mit dem Auto) ihre Insel verlassen und auch Spanier offenbar wenig ins Ausland fahren. In Italien und Frankreich teilt sich die Nachfrage: Jeweil rund 50 Prozent der Käufer reicht lokales Kartenmaterial, die andere Hälfte will mehr.
Auch die Handyhersteller bemächtigen sich zusehends des Navigationsthemas. Auf der jüngst beendeten 3GSM in Barcelona haben nahezu alle Anbieter neue Geräte mit integriertem GPS-Chip vorgestellt. Der Absatz dieser Geräte hat sich im vorigen Jahr weltweit auf 15 Millionen verdoppelt. Das ist angesichts von rund einer Milliarde jährlich abgesetzter Handies immer noch eine Nische, aber Marktführer Nokia setzt auf diesen Trend und will schon in diesem Jahr alleine mehrere Millionen Handys mit GPS verkaufen. Vor diesem Hintergrund ist auch schon zarte Kritik an den Netzbetreibern zu vernehmen, endlich günstige Tarife für Datenverbindungen anzubieten, “damit die Kunden die mobile Internet-Nutzung nicht mehr als etwas Teures wahrnehmen”, wie Heise Online Kai Öistämö, Nokias Chef der Handysparte, zumindest indirekt zitiert.
Fremder Senf