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    e.on Ruhrgas will Ascos verkaufen    

    28

    März
    2007

    Die Nachricht ist nicht neu: e.on Ruhrgas will seinen Satellitenpositionierungsdienst Ascos verkaufen. Aber die Angelegenheit spitzt sich zu. Vom Hörensagen weiß ich Wie es aus gewöhnlich gut unterrichteten Quellen heißt, wird ein neuer Besitzer in den nächsten vier bis sechs Wochen bekannt sein. Derzeit laufen noch die Verhandlungen. Aber mit wem? Angeblich soll es kein Finanzinvestor sein, sondern jemand der ein strategisch-unternehmerisches Interesse an dem Dienst hat. Das schränkt die Kandidatenauswahl ein.

    Zur Erinnerung: Ascos betreibt ein Netz von exakt eingemessenen Referenzstationen (sprich: Antenne plus Rechner), die das Signal des Global Positioning Systems (GPS) empfangen. Die aus dem GPS-Empfang resultierende Koordinate der Station wird mit der bekannten, exakten Koordinate der Station verglichen und so ein Korrekturfaktor berechnet, mit dem das GPS-Signal der exakten Koordinate angepasst werden kann. Dieser Korrekturfaktor wird gegen Gebühr per Mobilfunk an interessierte Geodäten übermittelt, die damit ihre GPS-Vermessungen bis in den Zentimeterbereich hinein verbessern können. Das geht natürlich bei modernen GPS-Messstation mit integriertem GSM-Modul vollautomatisch und ist vor allem bei Vermessungen in freiem Gelände hilfreich, wo der nächste Referenzpunkt der Landesvermessungsämter (sieht man manchmal auf Bürgersteigen) weit weg ist.

    Das Ganze geht von der Überlegung aus, dass die unter anderem atmosphärisch bedingten Abweichungen des GPS-Signals im Umkreis einer Referenzstation genauso ausfällt, wie an der Referenstation selbst. Darum braucht es ein Netz solcher Stationen, damit ein Vermesser nirgends weiter als rund 50 Kilometer davon entfernt ist. Bei größerer Entfernung könnten die Verzerrungen des GPS anders ausfallen und der Korrekturfaktor wäre falsch. Ergänzend zu dem privaten Ascos-Netz unterhalten die Landevermessunsgämter ein gleichartiges öffentliches Netz (PDF) namens SaPos (Satelliten-Positionierungsdienst).

    Ursprünglich hat Ruhrgas das Netz für seine eigenen Vermesser errichtet, die entlang der Pipeline-Wege häufig in Wald und Feld mit hohem Personalaufwand exakte Vermessungen vornehmen mussten. Mit Ascos kann das ein Geodät allein erledigen. (Die Leute mit den Stangen fallen dann nämlich weg.) Dann kam die Ruhrgas auf die Idee, aus diesem Inhouse-Service ein Profitcenter zu machen und den Dienst zu vermarkten und jetzt ist die Sache recht groß geworden und wird mit der Begründung verkauft, nicht Teil des Kerngeschäfts zu sein.

    Aber für wen ist so ein Dienst Teil des Geschäfts, wenn es keinen Finanzinvestor gibt? Die Kandidaten können eigentlich nur Leica Geosystems, Trimble oder mein persönlicher Tipp Topcon heißen. Das sind die bekannten Hersteller professioneller Vermessungsgeräte, die einen solchen Dienst in Anspruch nehmen und die einen solchen Dienst auch benötigen, um einen erklecklichen Teil ihres bis zu 30.000 Euro je Gerät teuren Produktsortimets zu verkaufen. Trimble hat zum Beispiel den Aufbau entsprechender Netze in Dänemark und den Benelux-Ländern unterstützt und liefert aktuell in Polen die entsprechende Technologie. Topcon halte ich allerdings für den Favoriten, zum einen weil Ascos schon bislang eng mit dem japanischen Unternehmen zusammengearbeitet hat und zum zweiten weil Topcon seit knapp zwei Jahren eine klare Expansionspolitik fährt. Der europäische Marketingchef des Unternehmen Ulf Hermanski hat es mir gegenüber mal so formuliert: “Wir wollen die Nummer zwei auf dem Weltmarkt werden, hinter Leica Geosystems.” Die jüngste Übernahme des Konkurrenten Sokkia ist Beleg dieser Strategie und auch sonst haben die Topcon-Gesellschafter – 40 Prozent der Anteile hält als Hauptanteilseigner der Elektronik-Konzern Toshiba – genügend Kapital um so eine Expansion nachhaltig zu finanzieren. Nunja, wir werden es in ein paar Wochen wissen.


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