Einer der entscheidenden Streitpunkte bei der Gefangennahme von 15 britischen Soldaten im..tja..Iran (wäre rechtens) oder Irak (wäre nicht rechtens) kreist genau um die Frage: Wo waren die Soldaten eigentich genau? Auf irakischem Boden (besser: Gewässer), sagt die britische Regierung oder innerhalb iranischen Hoheitsgebiets (sagt Iran)? Die gute Nachricht dabei: Offenbar gibt es keinen Streit um den Grenzverlauf, sonder nur um die Frag, auf welcher Seite die Soldaten unterwegs waren. Jetzt hat die britische Regierung laut einem Bericht von Telepolis, der sich auf eine britische Pressekonferenz stützt, GPS-Daten aus dem Einsatz veröffentlicht, die belegen sollen, dass die Briten auf irakischer Seite operierten und somit zu Unrecht verhaftet wurden. Das wirklich Orginelle dabei: Auch die iranische Seite stützt sich bei ihren Behauptungen auf Positionmessungen mittels GPS.
Offenbar haben die Mullahs keine grundsätzlichen Probleme, das Satellitensystem der Ungläubigen zu nutzen, allenfalls im Detail hapert es offenbar. Da seit geraumer Zeit keine GPS-Systeme in den Iran eingeführt werden dürfen, könnten die Messungen natürlich deshalb etwas ungenauer ausfallen. Andererseits: Die Fotos der Briten zeigen als Messgerät einen Garmin eTrex, den man in jedem Outdoor-Shop kaufen kann. So viel zur militärischen Nutzung von GPS.
Aber wahrscheinlich ist das alles egal: Die Abweichung, um die Briten und Iraner hierbei streiten liegt bei 1,7 nautischen Meilen. Da ist der eTrex erfahrungsgemäß etwas genauer und die iranischen Angaben wahrscheinlich eher politisch begründet als vermessungstechnisch. Sollten die iranischen GPS-Geräte allerdings tatsächlich so eine Abweichung produzieren, brauchen wir uns um etwaige Raketen der Mullahs nicht wirklich sorgen machen. Selbst wenn diese irgendwann mal eine Reichweite bis Europa entwickeln, bestehen offenbar gute Chancen, dass die Dinger weiträumig daneben fliegen. Auf einige Tausend Meilen hochgerechnet wirkt sich eine Kursabweichung von ein paar Metern nämlich recht fatal aus.
Das ist übrigens auch einer der Gründe, warum das geplante amerikanische Raketenabwehrsystem, auf das Polen und Tschechen so scharf sind, nicht funktioniert. Man könnte diese Sachlage auf folgende Formel bringen: Die Amerikaner wollen mit einem System, das nicht funktioniert, Raketen mit Atomsprengköpfen abschießen, die es noch nicht gibt.
Fremder Senf