Uuhah…wenn ich meinen jüngsten Eintrag so nachlese, könnte man mich glatt des Anti-Amerikanismus verdächtigen. Und das hieße ja auch, ich wäre ein bisschen blöd, weil ich dann unter Umständen tatsächlich glaube, dass “die Amerikaner” gefährlicher für den Weltfrieden sind, als “die Mullahs” im Iran. Jedenfalls habe ich so den Kommentar von Claus Christian Malzahn bei Spiegel Online verstanden. Eine interessante Meinung, wie ich finde, zumal ich mich an Diskussionen mit Herrn Malzahn erinnere, in denen er etwas anders argumentierte und den USA grundsätzlich jede Schlechtigkeit zutraute. Gut, das ist lange her und seinerzeit war er noch Mitglied bei der Sozialistischen Jugend Deutschlands (SJD) auch bekannt als “Die Falken”. Damals (1984) waren wir gemeinsam auf einem Sommer-Ferienlager dieser Truppe in Berlin und haben das letzte besetzte Haus West-Berlins gegen die “Bullen” verteidigt und der Claus (man war ja als Genosse per Du) ereiferte sich darüber, dass anstelle der Grünen ja auch eine echte links-sozialistische Partei das Thema Ökologie und Frieden hätte aufgreifen können und jetzt im Bundestag wäre. Es schien ihn damals zu ärgern, das dem nicht so war.
Er hat dann später bei der Taz gearbeitet, bevor er das Spiegelbüro in Berlin leitete, dann als Spiegel-Reporter in Afghanistan und “embedded Journalist” im Irak war und jetzt als Politik-Chef von Spiegel-Online fungiert. Auf diesem Weg sind ihm wohl die alten Ideale abhanden gekommen hat er viel dazugelernt und seine ehemals sehr linken Position geräumt. Das ist auch okay und nein, er braucht meine Absolution in dieser Sache natürlich nicht. Aber er erinnert mich an einen trockenen Alkoholiker, der sehr moralisch über Nicht-Abstinenzler urteilt. Es genügt, in einer Sache mal nicht einer Meinung mit der amtierenden amerikanischen Regierung zu sein und zack, ist man Anti-Amerikaner. Und wenn man meint, dass die Politik von Präsident Bush die Probleme im nahen Osten eher verschärft als gelöst habe, muss man sich allen erstens vorhalten lassen, man halte die Mullahs im Iran für gefährlicher als die USA. Dabei sind die momentanen iranischen Muskelspiele eigentlich nur möglich geworden, weil die USA eine vermittelnde Position im Nahen Osten aufgegeben haben, um es mal vorsichtig zu formulieren. Das ist für Israel viel gefährlicher, als durchgeknallte iranische Präsidenten.
Und natürlich ist das islamische Regime in Teheran abzulehnen und ja, ich hätte mir seinerzeit im Karikaturenstreit gewünscht, dass alle Zeitungen in Westeuropa in einer konzertierten Aktion die Karikaturen nachdrucken und nicht so wolkig über “Respekt vor anderen Kulturen” daherlabern und sicher schüttle ich über Gerichtsurteile den Kopf, die “Ehrenmördern” kulturelle Konzessionen machen. Und von Kopftüchern in Schulen halte ich schon mal gar nichts. Aber muss man das denn immerzu betonen, wenn man die US-Poltik trotzdem einfach nur zum Kotzen findet? Wo lebe ich eigentlich?
Fremder Senf