Die Europäische Kommission hat heute eine umfangreiche Mitteilung zu Galileo und EGNOS an das EU-Parlament sowie den Europarat übermittelt. Das gesamte Dokument gibt es hier als PDF. Es liefert endlich mal ein paar realistische Schätzungen der Gesamtkosten von Galileo für den Steuerzahler: Diese liegen zwischen 9 und 11 Milliarden Euro von jetzt bis zum Jahr 2030, zuzüglich der bislang ausgegebenen 2,5 Miliarden Euro. Macht also großzügig gerundet 14 Milliarden Euro insgesamt.
Kleines Rechenexempel zur Bewertung dieser Zahl: Ausgehend von einer Funktionsfähigkeit von Galileo ab Ende 2013 belaufen sich für 17 Betriebsjahre (nehmen wir das mal als Abschreibungsdauer) bis 2030 die Kosten auf etwa 825 Millionen Euro pro Jahr, das entspricht bei einer Einwohnerzahl der EU von 450 Millionen weniger als zwei Euro pro Jahr und Bürger.
Darüberhinaus enthält das Dokument einige Feststellungen, die man nur als Selbstkritik der Kommission werten kann und die man in dieser Klarheit in Erklärungen etwa der Bundesregierung gegenüber dem Parlament nicht finden dürfte, wenn die verantwortlichen Minister ein Projekt versemmeln.
Nur ein paar Beispiele:
“Die Europäischen GNSS-Programme Galileo und EGNOS haben im Hinblick auf den ursprünglichen Zeitplan eine Verzögerung von fünf Jahren angesammelt.”
“Der Verlauf der Galileo-Entwicklungsphase ist (…) mit beträchtlichen (…) Kostenüberschreitungen verbunden.”
“Die beträchtliche technologische Komplexität von EGNOS und Galileo ist wahrscheinlich unterschätzt worden.”
“Die derzeitige industrielle Struktur ist weder effizient noch imstande, zu Entscheidungen zu gelangen, größtenteils wegen der Tatsache, dass der Privatsektor auf der Grundlage unklarer Rollen, Verantwortlichkeiten und Arbeitsaufteilung des Programms handelt. Es ist deshalb unumgänglich, Einmischungen in die industrielle Struktur auf ein Mindestmass zu reduzieren, um normale Geschäftspraktiken in den Vordergrund treten zu lassen.”
“Zudem hat der Mangel an Klarheit der jeweiligen Rollen und Verantwortlichkeiten auf der öffentlichen Seite die Situation nicht leichter
gemacht.”
Fremder Senf