Galileo Neuausschreibung?

21. Mai 2007 | Von ttm | Rubrik: Geogeschäfte, Politisches, Satelliten weisen den Weg

Die Weltsicht manch verantwortlicher Manager wirkt bisweilen erschreckend schlicht. Okay, das unter politischem Druck geschmiedete Konsortium für den Job als Galileo-Konzessionär steh vor der Auflösung. Die europäische Kommission hat eingesehen, dass es damit nicht weitergeht, nachdem man in den Verhandlungen monatelang offensichtlich ergebnislos herungehanselt hat, weil sich die Herren auf Seiten der Industrie nicht wirklich einig waren.

Das heißt aber nicht, dass die Industrievertreter mit der jetzigen Situation nichts zu tun haben. Sie hätten zum Beispiel in einer viel früheren Phase die weiße Fahne schwenken können und mit einem klaren und öffentlichen “So nicht” ein langes und fruchtloses Gezerre um Haftungenrisiken verhindert. Nunja, Schnee von gestern.

Der Schnee von heute lautet nach einem Bericht der FTD, dass der Zusammenbruch des Konzessionärs-Konsortium aber bitte schön, nichts mit dem Galileo-Konsortium zum Aufbau des Systems zu tun hat. Auch wenn jetzt alles vom Steuerzahler finanziert wird, solle man soch bitte schön von einer Neuausschreibung der Aufträge absehen. Das würde die Sache nur weiter verzögern. Die Pointe der Geschichte ist, dass in beiden Konsortien zu weiten Teilen die gleichen Unternehmen beteiligt sind (z.B. EADS, Thales, Finmeccanica und Alcatel). Das scheibt die FTD übrigens nicht.

Also nochmal in Kurzfassung: Die Unternehmen sind auf der einen Seite daran beteiligt, die Verhandlungen um die Konzession bis zum endgültigen Abbruch vornehmlich durch Tatenlosigkeit zu verzögern, wollen aber auf der anderen Seite auf keinen Fall den Bau des System aus der Hand geben und drohen mit weiteren Verzögerungen. Auf dem Schulhof heißt so ein Verhalten heute “jemanden abziehen”.

Dabei gäbe es für die Neuausschreibung neben den verkorksten Konzessionärs-Verhandlungen auch andere sachliche Gründe, denn offenbar kriegen die Verantwortlichen den Bau des zweiten Versuchssatelliten Giove B ebenfalls nicht auf die Reihe, wie bereits im Januar das Magazin GPS-World schrieb (Geografitti berichtete). Angeblich gab es deswegen auch schon unverbindliche Anfragen für Giove B bei Surrey Satellite Technology, jener mittelständischen britischen Firma, die den ersten Versuchssatelliten Giove A vollkommen problemfrei konstruiert hat.

Ich habe in diesem Zusammenhang bereits auf einheimische Mittelständler verwiesen, die vermutlich auch bessere Leistungen abliefern, als jene Industriekonsortien, denen die EU bislang vertraut. Wann sich wohl endlich mal herumgesprochen hat, das schiere Größe nichts über Qualität und Leistungsfähigkeit aussagt?

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