StreetView jetzt im Netz
30. Mai 2007 | Von ttm | Rubrik: Googles Kugel, Großer Bruder sieht DichWas heute noch, wie ein Märchen klingt, kann morgen schon Wirklichkeit sein.
Also, gestern noch über Google StreetView spekuliert, heute ist das Angebot im Netz, wie ein aufmerksamer Leser vermeldet. Es wurde aber tatsächlich erst nach meinem Eintrag freigeschaltet. Das gibt einem zumindest das beruhigende Gefühl, noch auf der Höhe der Zeit zu sein. Und wie richtig vermutet, nutzte man die Where 2.0 Konferenz zur Verkündung der Neuigkeit. Der Google Kartenblog verweist allerdings darauf, dass das Angebot für deutsche Benutzer nicht freigeschaltet und auch per Trick nicht zugänglich sei.
Dafür liefert er ein paar datenschutzrechtliche fragwürdige Ansichten aus dem Angebot, in dem einzelne Personen offenbar gut zu erkennen sind. Ich darf mal daran erinnern, dass ein ähnliches Vorhaben namens City-Server (doc), der inzwischen insolventen Hannoveraner (genauer: Garbsener) Firma TeleInfo AG (Teile der Konkursmasse sind heute bei der klickTel AG) Ende der 90er Jahre in deutschen Städten die hiesigen Datenschützer beschäftigte. Die seinerzeit entstandenen, georeferenzierten Daten der Straßenansichten lagern noch heute auf den Servern einiger Kommunen, die damals entsprechende Lizenzen erstanden (und vermutlich bei klickTel, aber das ist Spekulation). Es ist wirklich interessant, wie die damals geführte Datenschutzdiskussion heute genau nicht geführt wird. Mal schauen, wie das wird, wenn StreetView für Deutschland verfügbar sein sollte.
Mein Browser vermeldet bislang übrigens nur, dass mir die richtige Flashplayer-Version fehle, um das Angebot zu nutzen. Ich werde bei Gelegenheit heute mal die gewünschte Aktualisierung vornehmen, obwohl ich dachte ich sei da auf dem neusten Stand. Aber vielleicht bin ich zumindest bei diesem Aspekt tatsächlich nicht auf der Höhe der Zeit.
StreetView scheint durchaus gut zu funktionieren, auch wenn man leider nicht nach oben schauen kann. Den echten Genuss von NYC lernt mal also weiterhin nur vor Ort kennen.
Grüße aus dem Süden.
interessanter punkt!
vielleicht war man damals (vor 2001) noch sensibler mit privatsphäre und datenschutz im öffentlichen raum. heute, wo es in die richtung geht jeden quadratzentimeter mit video zu überwachen und am besten diese aufnahmen noch bis in alle ewigkeit zu speichern, sind diesbezügliche hemmschwellen wahrscheinlich schon sehr weit nach unten gewandert…
@Christian: Ja sicher, die Hemmschwellen sind gesunken, aber das darf doch nicht zu fatalistischen Argumentationen führen, wie sie etwa jüngst in einem Spiegel-Interview die deutsche Generalbundesanwältin zum Vorwurf verstärkter staatlicher Überwachung geäußert hat. Zitat: “Wir werden doch schon jetzt überall erfasst: mit der Kreditkarte oder der Versicherungsnummer, etwa beim Arzt. Wir sind auf dem Weg zum gläsernen Menschen (..) Ich finde das auch nicht schön, aber wir leben in einer Welt, in der Technik so viele Erfassungsmöglichkeiten hat, das prinzipiell fast alles über jeden nachvollziehbar ist.” Tja, Frau Generalbundesanwältin, ich antworte mal so: “Es wird doch jetzt schon überall geklaut, am Bahnhof oder im Kaufhaus. Wir sind auf dem Weg zur Verbrechergesellschaft. Ich finde das auch nicht schön, aber wir leben nun mal in einer Welt, in der das Warenangebot so viele Verlockungen hat, das prinzipiell jeder bei jedem etwas klaut.”
Der Einstieg über die Maps Hilfe funktioniert hier, der Schockwellenreiter empfiehlt “einfach &gl=us anhängen”.
nein, darf es nicht und ich denke auch dass in der geobranche schön langsam das wort ethik in das vokabular aufgenommen werden sollte.
denn
GIS + gesichts- oder kfz-kennzeichenerkennung + georeferenzierten videocams = automatisiertes tracking der bürger (mal ganz abgesehen davon wenn man noch ein paar andere datensätze dranhängt)
sicher läßt sich momentan mit diesen technologien gutes geld verdienen, nur frage ich mich zu welchem preis…