FTD tut wichtig
6. Juni 2007 | Von ttm | Rubrik: Doofe JournailleUnd wieder ein wunderbares Stückchen Qualitätsjournalismus. Die Financial Times Deutschland schreibt heute unter der Überschrift “Exklusiv: Galileo-Aufbau kostet 10 Mrd. Euro“:
“Der Aufbau und Betrieb des europäischen Navigationssatellitennetzes Galileo ist erheblich teurer, als bisher bekannt. Die EU-Kommission rechnet je nach Struktur des künftig gewählten Betreibermodells mit Gesamtkosten von 9 bis 12 Mrd. Euro im Zeitraum 2007 bis 2030.”
Als Quelle dieser Meldung wird einer Mitteilung der EU-Kommission an das europäische Parlament genannt, “die der FTD vorliegt.” Andere Medien zitieren diese Schlagzeile bereits unhinterfragt.
Dazu nur folgendes: Ich verweise auf meinen Blogeintrag vom 16. Mai diesen Jahres in der erstens exakt diese Kosten bereits genannt sind (soviel zur Aktualität) und zweitens als Quelle die gleiche Mitteilung an das Parlament benutzt wird, die selbstverständlich nicht nur der FTD oder mir, sondern jedermann vorliegt, der sie sich aus dem Netz holt (soviel zur Exklusivität) und die ich auch vor drei Wochen schon verlinkt habe.
Und jetzt noch was zu der Aussage “erheblich teurer, als bisher bekannt.” Zu der Erkenntnis kommt man natürlich schnell, wenn man Äpfel mit Birnen vergleicht, und die in der Mitteilung getroffenen Aussagen zu den Gesamtkosten (inklusive Betriebskosten bis 2030) mit den bisherigen Statements zu den Kosten für den reinen Aufbau vergleicht, wie es etwa der ORF tut. Ein bißchen mehr Sorgfalt sollte man da von den Kollegen schon erwarten.
Wie man diese Gesamtkosten mit Blick auf den Steuerzahler bewerten kann (nicht muß), habe ich übrigens auch schon Mitte Mai niedergelegt. Danach kostet das System jeden EU-Bürger ab geschätztem Betriebsstart 2013 bis 2030 zwei Euro pro Jahr. Geht es früher in Betrieb, wirds noch billiger. Aber so etwas gibt natürlich keine Schlagzeile.
[...] immer teurer (”Fass ohne Boden”). Ich habe das ausführlich bereits vor über einem Jahr beschrieben, weil seinerzeit die Financial Times Äpfel und Birnen verglichen [...]