Durch einen Beitrag im kartentisch bin ich auf das Büro für Städtereisen aufmerksam geworden. Es firmiert im Internet unter NeueRaeume und verspricht Städtereisen ganz anderer Art. Die angebotenen Rad- und Wandertouren nehmen jenen Teil der Städte ins Visier, die sich in keiner Hochglanzbroschüre befinden und für die der französische Antroposoph Marc Auré den Begriff des Nicht-Ortes (Non-lieux) prägte.
Das Büro für Städtereisen erhebt nun diese austauschbar erscheinenden Nicht-Orte an den Stadträndern zwischen Möbelhäusern, Gewerbegebieten , Randsiedlungen und Industriebrachen nicht nur in den Rang besichtigungswerter Stätten, sondern definiert sie sogar als die “wahrhaftigen Orte unserer Ballungsgebiete.” Der Webauftritt lädt in seiner an das Sujet angepassten Nüchternheit zum schmökern und Bilder schauen ein.
Die Tourbeschreibungen zum Beispiel für “Paris ohne Eifelturm”, drei Tage zu Fuß und mit dem Rad durch die so genannten Banlieuxs knüpfen literarisch nahtlos an Humboldts Reisetagebücher an:
“Kaum ein anderer Flecken Europas ist so dicht bebaut und dabei so heterogen wie Paris zwischen seinen Autobahnringen. Einfamilienhäuschen, die auf acht Saunatücher passen, stehen neben 30-geschossigen sozialen Wohnungsbauten. Daneben die Brache eines ausgedienten Kreidesteinbruchs. An seinen Hängen eine illegal gebaute Siedlung portugiesischer Einwanderer. Unter glasfaserverstärkten Polyesterdächern dösen Motorroller. Auf einem umgewidmeten Fußballplatz spielen Frauen und Männer Pétanque. Mit etwas Glück finden wir hier ein Nachtlager und bekommen gegrillten Fisch.”
Auch die Herausforderungen der Expeditionen sind offenbar von humboldtschem Niveau.
Fremder Senf