Die Karslruher PTV AG erhält in diesem Jahr den Big Brother Award in der Kategorie Technik. Die zweifelhafte Ehrung (über die bei PTV erwartungsemäß keine Meldung existiert) gilt dem Software-Baukasten Roadrunner als technologische Basis für so genannte Pay-as-you-drive Tarife in der KfZ-Versicherung. Die Idee wurde Anfang des Jahres anläßlich des Pilotversuches eines hierzulande tätigen Versicherers für Fahranfänger schon mal im Lawblog diskutiert. Nun kann man sich darüber streiten, warum PTV und nicht die Macher des Pilotversuches ausgezeichnet wurden. Bei den Stiftern des Preises heißt es dazu:
Seit der Einführung der LKW-Maut wissen wir, welche Begehrlichkeiten seitens des Staates existieren, möglichst umfangreichen Zugriff auf die Daten des Kontrollsystems und der Erhebungsgeräte in den Fahrzeugen zu erhalten. Es ist also eine Illusion, dass die durch die Black-Box gewonnenen Daten in der Hand des Fahrzeughalters und der Versicherung bleiben.(…) Wir möchten mit dem BigBrotherAward nicht warten, bis eine Versicherung einen Tarif mit Vollüberwachung auf den Markt bringt.
Damit wird auf ein gerne vergessenes Prinzip des Datenschutzes verwiesen: Die Datenvermeidung. Und hier beginnt auch nach meiner Auffassung die Verantwortung der Techniker. Der Preis geht also schon an den Richtigen. Und auch in der Kategorie Arbeitswelt mit dem Preis an des Pharmahersteller Novartis geht es – wenngleich am Rande – um die Nutzung von GPS-Routendaten zur Tourenoptimierung im Außendienst, was ebenfalls ein wichtiges Geschäftsfeld der PTV ist. Hier ist die Gefahr gegeben, dass die Tourdaten “nebenbei” einer lückenlosen Auswertung des persönlichen Verhaltens und der Aufenthaltsorte der Fahrer dienen.
Ganz unabhängig von der eher müßigen Frage, ob in den jeweiligen Fällen die Softwareexperten oder die späteren Anwender der Lösung den Preis verdienen, liegt der entscheidende Nutzen des Big Brother Award ja in der Sensibilisierung für diese Datenschutz-Aspekte. Berichte der Preisverleihung gibt es heute und in Wiederholungen bei ct’TV im Hessischen Rundfunk, auf RBB und bei Eins Plus. Passend zum Thema findet sich in der Sendung auch noch ein Testbericht über Navis der Spitzenklasse ab 400 Euro aufwärts.
Fremder Senf