Ich kann mich dem Reiz historischer Bauten, die heute moderne Forschungseinrichtungen beherbergen, nie entziehen. Es fasziniert mich stets, wenn in alten Villen und Herrenhäusern heute Informatiker an künstlicher Intelligenz herumschrauben. Noch gut hab ich daher zum Beispiel einen schon länger zurückliegenden Besuch im European Media Lab (EML) in Heidelberg in Erinnnerung. SAP-Gründer Klaus Tschira finanziert mit einer Stiftung zahlreiche Projekte dieses privaten Forschungsunternehmen.
Stiftung und EML residieren in der Villa Bosch, die sich der BASF-Vorstandvorsitzende Carl Bosch in den 20er Jahren genehmigte. Bosch stattete als fortschritttlicher Mann diese Villa mit allen technischen Errungenschaften seiner Zeit aus, unter anderem auch mit einem in die Wände integrierten Röhrensystem für eine damals sehr moderne Haus-Staubsaugeranlage. In jedem Zimmer gab es einen Anschlussstutzen für einen Staubsaugerschlauch sowie Schalter, um eine zentrale Sauganlage anzuwerfen. Allerdings konnte Bosch den späteren Nutzen seiner Staubsaueranlage nicht erahnen. Die Informatiker des EML freuten sich jedenfalls über all die tollen Kabelschächte, die in jeden Raum der großen Villa führten.
Gestern war war ich – nicht zum ersten Mal – Gast im Fraunhofer Institut für Intelligente Autonome Informationssysteme (IAIS) in Schloss Birlinghoven. Das ist jetzt nicht so historisch, wie es klingt. Aber die Baugeschichte ist trotzdem interessant und sorgt für ein Sammelsurium an Stilen und Materialien, wie die Fotos zeigen. Und das bildet alles zusammen einfach einen aparten Kontrast zu den Inhalten, mit denen sich die dortigen Fraunhofer-Forscher beschäftigen: Künstliche Intelligenz, autonom agierende Roboter oder Weiterentwicklungen im Data Mining.
Allerdings gibt es da noch einen Kontrast, der sich bei mir im Kopf abspielt. Wann immer ich so eine Forschungseinrichtung betrete, höre ich innerlich sofort den Satz von Prof. Dr. Honigtau Bunsenbrenner: “Hier, in den Muppetlabors, wo die Zukunft schon heute gemacht wird…”




Fremder Senf