Seit gestern weiß ich, dass das 3. Deutsche Geoforum des Deutschen Dachverbandes für Geoinformation (DDGI) in Berlin ausfällt und zwar mehr oder weniger mangels Masse. Eigentlich sollte ich da eine Diskussionsrunde zum Themenkomplex “Geodaten und Datenschutz” moderieren. Ein weiteres Hauptthema sollte das DDGI Qualitätsmodell zur Beschreibung von Geodaten sein. Das ist natürlich alles sehr speziell und der geplante Termin des Geoforums direkt vor dem 56. Kartographentag in Oldenburg ist sicher nicht der glücklichste gewesen und ich weiß natürlich auch nicht, was auf der gestrigen Vorstandssitzung des Verbandes intern überlegt und diskutiert wurde, und wie man hört ist es beim DDGI nicht anders als überall: Einige wenige tragen die Aktivitäten, der Großteil der Mitglieder ist eher passiv.
Aber vielleicht hat der DDGI ein grundsätzlicheres Problem.
In meiner Wahrnehmung beackert der Verband noch immer die gleiche Themenfelder, wie vor fünf Jahren. Es geht weiterhin grundsätzlich um die Entwicklung eines Geodatenmarktes und Lobbyarbeit für das, was der Verband als Geoinformationswirtschaft begreift. Letzteres sind naturgemäß zunächst mal die eigenen Mitglieder. Davon hantieren rund ein Drittel nahezu ausschließlich mit amtlichen Daten für amtliche Zwecke, sei es als Behörde oder Berufsverband der traditionellen Vermessung. Die übrigen Mitglieder sind zumeist Unternehmen, die vielfach von Aufträgen aus diesem Umfeld leben. Nur wenige DDGI Mitglieder verdienen ihr Geld wirklich außerhalb diese vermessunsgamtlich geprägten Szene. Geodatenmarkt und Geoinformationswirtschaft ist im Bewußtsein des DDGI daher noch immer eine Angelegenheit, die von den Aktivitäten der (Fach)-Behörden abhängt.
Die Realität des Jahres 2008 ist indes eine andere und ich habe hier bei verschiedenen Anlässen schon mehrmals skizziert, welch sinkende Bedeutung amtliche Geodaten mittlerweile haben und dass private Anbieter mehr und mehr Daten erheben, vermarkten und ihre Abnehmer finden, während sich die amtlichen Datenhüter zum Beispiel über so etwas wie Qualitätsmodelle zur Beschreibung von Geodaten unterhalten. Das können sie ja auch tun, nur ist das eben nicht mehr so relevant, dass eigens dafür ein Geoforum in Berlin besucht wird.
Meine zugegeben etwas steile These lautet also, dass der DDGI aufpassen muss, nicht genauso den Anschluss an die Realität zu verlieren, wie der Großteil der amtlichen Landesvermessung, die sich noch immer in der Schlüsselposition zur Entwicklung eines Geodatenmarktes wähnen. Das ist ein Irrtum. Der Markt ist längst da und seine treibenden Player heißen bei der Vermarktung Google und Microsoft und bei der Datenerhebung neben Tele Atlas und Navteq auch Intermap und Geocontent. Und globale Player wie Nokia werden sich auch noch ihren Anteil sichern.
Fremder Senf