Ching ching wichtig wichtig
23. April 2008 | Von ttm | Rubrik: Am WegesrandEin bisschen geht es mir wie Groucho Marx. Der Club der mich als Mitglied aufnimmt, ist mir irgendwie suspekt. Heute rutschte eine Werbe-Email für die Manager-Lounge durch den Spam-Filter. Man will mich als Mitglied eines exklusiven Netzwerkes für Führungskräfte gewinnen. Was soll ich denn da? Ich führe mich gerade mal selber. Kann jedenfalls so fürchterlich exklusiv nicht sein, wenn die an mir interessiert sind. Eine Werbung, die sich selber ad absurdum führt.
Ich bin zudem schon bei Xing. Ching, ching. Da darf jeder rein, da muss ich mir keine Gedanken machen, ob ich da hngehöre. Allerdings ist dieses Netzerk nun wieder voll von Gestalten, die einen mühsamen Weg vom auberginefarbenen Jacket zur Nadelstreife hiner sich gebracht haben und repräsentative Visitenkarten mit Prägedruck immer noch als äußersten Ausweis eigener Bedeutung betrachten. So Wichtig-Menschen mit wichtigen Gesichtern und englischen Berufsbezeichnungen, die auf ihren Porträts wichtig gucken. Ching, ching.
Die andere Variante ist verkrampftes Understatement mit leidlich lustigen Angaben zur Person und wirren Interessen wie “Emotionslenkung durch Zeit- und Bildmanipulation” oder “Leguanhalsbänder sammeln”. Das sind so die Momente, in denen ich mich frage, was ich da eigentlich will. Weil das Gefühl falsch zu sein aber ohnehin mein emotionaler Grundzustand ist, betrachte ich Xing einfach als weiteres Übungsterrain für fortgeschrittenen Zynismus. Geht ganz gut.
Wirklich wichtige Leute haben übrigens keine Visitenkarten, die kennt man so. Die haben auch kein Handy, die lassen telefonieren. Und vermutlich würden sie auch niemals irgendeinem Netzwerk kostenpflichtig beitreten. Aber Vorsicht beim Umkehrschluss: Nicht jeder ohne Visitenkarte und Handy ist wichtig.