Zwei Tage Arbeitssitzung eines EU-Projektes hinter mich gebracht. Es gab die ganze Bandbreite solcher Veranstaltungen: Kleinngruppenarbeit, SWOT-Analyse, Plenumsdiskussion und Branchengerüchte. Letztere wollen nachrecherchiert sein, bevor sie hier Verbreitung finden, aber angesichts von Mail-Antworten wie “offiziell weiß ich nichts und inoffiziell darf ich nichts wissen” sind wohl nur sehr indirekte Bestätigungen zu erwarten.
Abgesehen davon war es…ähm, lehrreich. Achsoja, es geht um das Projekt “Bridge2Geo” der Regionen Bonn und Salzburg. In beiden Regionen gibt es funktionierende Netzwerke (GIS-Cluster Salzburg und Geoinitiative Bonn) aus Unternehmen, Behörden und Forschungseinrichtungen, die sich allesamt mit Geoinformationen befassen. Deren Experten überlegen jetzt dank des Projekts im Rahmen der EU-Initiative “Regions of Knowledge” gemeinsam zum Beispiel, welche technologischen und ökonomischen Trends in den nächsten drei bis fünf Jahren für die Geobranche bedeutsam sind, und wie man diese Trends in den Regionen und den kleinen und mittelstänischen Unternehmen nutzen kann, um neue oder erweiterte Anwendungsfelder für Geoinformationen zu beackern, beispielswiese im Gesundheitswesen, im Handel, in der Energiewirtschaft oder im Tourismus.
Das ist theoretisch etwas wolkig, erwies sich in der konkreten Diskussion aber als sehr spannend. Nach rund zehn Jahre professioneller Marktbeobachtung denkt man sich ja so seinen Teil zu all den Themen von der “Nicht-Öffentlichkeit öffentlicher Daten”, wie es ein Teilnehmer der Sitzung so schön beschrieb, bis zur Überallspräsenz von digitalen Karten dank Google und Microsoft. Und da war es spannend, die Dynamik einer Gruppe von Experten auch aus Unternehmen zu erleben, die mal nicht unter kurzfristig-monetären Gesichtspunkten diskutierten und fein auf Außendarstellung bedacht waren, sondern gewissermaßen in einem geschützten Raum ungeschützt ihre Sicht auf den Markt in den Raum stellten und nach gemeinsamen Bewertungen suchten. Das habe ich so eigentlich noch nie erlebt, vor allem weil die eigenen Gedanken mal einen Resonanzboden fanden, der von voller Zustimmung bis zu heftigen Widersprich alle Facetten umfasste.
Unterm Strich entstanden so Diskussionen, die nicht im Austausch bekannter Standpunkte, Selbstdarstellung und allgemeiner Klagen über hinlänglich dargestellte Missstände endeten, sondern die wirklich Erkenntnisgewinne brachten. Im besten Sinne des EU-Programms, aus dem die Veranstaltung finanziert wird, haben die Experten wirklich voneinander gelernt.
Getagt wurde übrigens im World Conference Center Bonn, dem ehemaligen Bundestag, auch weil der eine so schöne Kulisse für Gruppenbilder abgibt…
Fortsetzung dann im Juli auf der AGIT.

He! Irgendwo muss sich die Teilnahme an so einem Projekt ja auch in exklusiven Wissensvorsprüngen niederschlagen…wenigsten bis zum (öffentlichen) Abschlussbericht.
Was war denn nun der Erkenntnisgewinn der erlauchten Gesellschaft? Das fehlt leider im Bericht.
Gruß,
M. Bachmann