In einem Interview bei Spiegel-Online gewährt ein PR-Experte erhellende Einblicke in die Weltsichten hiesiger Unternehmen, insbesondere ihr Blick auf die (feindliche) Journaille. Das Gefühl, mit Journalisten regelrecht Krieg zu führen ist mir jetzt noch nicht begegnet, aber eine grundsätzliche und misstrauische Abneigung gegenüber der schreibenden Zunft kenne ich in der Tat aus vielen Unternehmen.
Nun arbeite ich auf beiden Seiten des Schreibtisches, so dass ich (unterschiedlichen !) Unternehmen sowohl als Journalist, wie auch als PR-Dienstleister begegne. Meine frappierende Erfahrung in diesem Zusammenhang: Viele Marketing und PR-Verantwortliche machen dazwischen überhaupt keinen Unterschied. Mit großer Selbstverständlichkeit fordern sie vom Journalisten genau so wie von ihrem PR-Menschen das Recht, Texte über ihr Unternehmen vor der Veröffentlichung “freigeben” zu dürfen. Ist das beim PR-Auftrag eine normale Sache zwischen Dienstleister und Kunde, stellt das gegenüber einem Journalisten geradezu eine Unverschämtheit dar. Aber das wird nicht einmal bemerkt.
Auch viele (Quasi-)Behördenvertreter fallen aus allen Wolken, wenn man sie darauf hinweist, dass man nicht verpflichtet sei, irgendwelche Artikel über ihr Amt von Ihnen genehmigen zu lassen. “Sie können doch nicht irgendwas über uns veröffentlichen, dass wir nicht freigegeben haben”, hieß es schon mal wörtlich und mit ehrlich überraschter Empörung bei einem öffentlichen Energieversorger in Norddeutschland. Das war nicht “man kann es ja mal versuchen”, das war spürbar der alltäglich geübte Umgang mit offenbar bestens eingenorderter Lokalpresse.
Und ebenso frappierend: zumeist geht es dabei gar nicht um das große Politikum. Da bestehen Fachämter nachrücklich auf korrekten, aber leider unleserlich langen Namensbezeichnungen, da ist eine Darstellung des eigenen Tuns außerhalb der Fachterminologie schlicht nicht vorstellbar. Es ist vielfach nur lächerlich.
Als PR-Dienstleister kann man gegenüber solch beratungsresistenten Kunden pädagogische Strategien entwickeln, aber als Journalist zitiere ich in dann gerne meinen ersten Chefredakteur: “Wie wir ihren Laden nennen, müssen sie schon uns überlassen.”
Fremder Senf