• Da steckt einer dahinter:

    "Geografitti" ist ein Blog rund um das Thema Geoinformation. Die Palette der Themen reicht von ALK über GPS bis Z-Achse. Eine ausgewogene Berichterstattung gibt es allerdings nicht. Geografitti ist subjektiv und allein Sache des Autors.
  • Der Textkoch

    Andererseits ist der Autor durchaus empfänglich für finanzielle Zuwendungen und wird sein schreiberisches Talent sowie sein fachliches Knowhow dann gerne zu ihrem Vorteil nutzen. Es gibt bereits zahlreiche Unternehmen, Fachzeitschriften und Institutionen die sich (wegen oder auch trotz dieser Webseite) dazu entschließen konnten. Nähere Informationen dazu finden sie vor allem unter dem Menüpunkt "Textkoch".

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    Wohin mit den Experten?    

    13

    Juli
    2008

    Mit etwas Abstand komme ich jetzt nochmal auf die AGIT zurück, speziell auf den Eröffnungsvortrag von Michael F. Goodchild. Der bekannte Geograph der University of California in St. Barbara ist darin der wachsenden Bedeutung der „Volonteered Geographic Information“ nachgegangen, wie er es nennt, also der freiwillig bereit gestellten Geoinformation, wie sie sich in Projekten wie Openstreetmap oder in zahlreichen Google-Kartenmashups ausdrückt, mit denen auf Basis der dortigen Luftbilder/Karten neue, raumbezogene Daten erzeugt und zugleich verbreitet werden.

    Die zahlreichen Beispiele und die wichtigsten Grundgedanken Goodchilds aus diesem Vortrag kann man in einem seiner Aufsätze bequem nachlesen (PDF). Ich will hier vor allem seine Fragen, bezüglich der Grenzen dieser „Neogeoraphy“ aufgreifen. Goodchild nennt als entscheidendes Merkmal der jüngsten Entwicklung, dass die Grenzen zwischen Kartographie- Experten – ausgebildete Geographen, Vermesser, Kartographen etc – und Freiwilligen, die in ihrer Freizeit Informationen geotaggen, zunehmend verwischen. Openstreetmap sei das Paradebeispiel dieser Grenzauflösung. Freiwillige produzierten problemlos eine Landkarte, weil das notwendige kartographische Knowhow in die Software eingebettet ist. An dessen Stelle tritt das Knowhow des lokalen Experten, der seine Umgebung besser kennt, als der Kartenexperte. „Ist es nicht unlogisch, jemanden mit der Erfassung lokaler geographischer Daten zu beauftragen, der sich in dem gefragten Gebiet gar nicht auskennt?“, fragte Goodchild etwas überspitzt um deutlich zu machen, dass dies seit Jahrzehnten ein Effekt der Kartenerstellung durch „Profis“ ist.

    Die noch unbeantwortete Frage ist laut Goodchild, wo die Kompetenz der selbst ernannten Experten endet. Braucht es nicht zum Beispiel echte Geologen, um eine geologische Karte anzufertigen? Andererseits: Landwirte könnten ihre Erfahrungswerte zu Böden und Erträgen ihrer Ländereien kartieren und würde dies nicht auch eine geologische Karte ergeben, die zwar von Experten (für Landwirtschaft), aber nicht von Geologen erstellt sei?

    Ich persönlich meine, dass man ohne echte Experten nicht auskommen wird, um generisches Wissen zu erzeugen, dass aber jene Profis, die sich vornehmlich um anwendungsorientierte Kartographie bemühen von eben ihren Anwendern überrollt werden. Nicht sofort und nicht überall, aber überall dort, wo genügend Nachfrage besteht. Je nach Lesart ist das die Demokratisierung der Kartographie oder eben auch die totale Marktliberalisierung. Sicher scheint aber, dass Kartographen und Vermessern bis auf ein paar Nischen langfristig nicht mehr viel Betätigungsfeld übrig bleibt.


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