Handys komplizierter als GPS?
6. August 2008 | Von ttm | Rubrik: Geogeschäfte, Satelliten weisen den WegDas ist vermutlich nicht sehr repräsentativ, aber bezeichnend: Seit 1. Juli haben mich 38 Pressemeldungen erreicht, die entweder ein neues Handy mit GPS-Funktion vorgestellt, angekündigt oder getestet haben. (Bei dieser Zählung habe ich alle Meldungen zum neuen iPhone übrigens nur als eine Einzige eingerechnet.) Im gleichen Zeitraum des Vorjahres erfüllten genau elf Meldungen die genannten Kriterien. Das ist eine Steigerung um den Faktor 3,5.
Wie gesagt, nicht repräsentativ, aber ich nehme es mal als Indiz dafür, dass Navigation und ortsbezogene Dienste so langsam vom eigens dafür entworfenen Personal Navigation Device (PND) – im Volksmund kurz Navi genannt – ins Handy wandern, bzw sich das Handy endgültig zum universalen Mobilgerät mausert, das den Weg weist, Musik spielt, Fotos liefert, im Internet surft, Mails empfängt und verschickt und achja, auch noch telefonieren gestattet.
Eher zufällig flatterte mir in diesem Zusammenhang eine Meldung des US-Unternehmens Portelligents ins Haus. Das hat sich darauf spezialisiert, elektronische Geräte kompett in seine Bestandteile zu zerlegen, alle Komponenten aufzulisten und Marktpreise für die Einzelteile der Geräte zu liefern. Daraus lassen sich Schlüsse über Gewinnmargen, Produktionsabläufe, Kundenbeziehungen und nicht zuletzt die Komplexität von Geräten ziehen (mehr Komponenten = komplizierter). Das Unternehmen hat beispielhaft und anonymisiert (konkrete Geräteanalysen kosten sehr konkretes Geld, denn die Jungs, die immer ihre Spielzeuge auseinander bauen, wollen schließlich auch leben) dPNDs und Handys mit GPS verglichen.
Erwartbares Ergebnis: Handeslübliche Navis kommen im Schnit mit 400 bis 500 Komponenten aus, Handys mit ihren zahlreichen Funktion enthalten 700 bis 900 Bauteile, deren Zusammenspiel und Produktionslogistik es zu bewältigen gilt. Das könnte möglicherweise erklären, warum es die Hersteller der Mobilfunkgeräte sind, die sich des Navithemas bemächtigen und nicht umgekehrt die GPS-Spezialisten: Handys sind scheinbar komplizierter als GPS-Geräte und die Handyhersteller haben mehr Erfahrung in der Hard- und Softwareintegration neuer Fuktionalitäten
Aktuell scheinnt das gerade Garmin zu bemerken, das den Verkaufsstart seines angekündigtes Nüviphones erstmal verschieben musste. In Sachen Mobilfunk ist Garmin wohl noch in der Lernkurve.