Olympiade im Lagezentrum
15. August 2008 | Von ttm | Rubrik: Geografen besichtigen die RealitätDas Schöne an Recherchen ist ja, dass man bisweilen das Privileg genießt, Orte zu besuchen, an die man nicht so ohne Weiteres gelangt. Gestern zum Beispiel das Gemeinsame Melde- und Lagezentrum von Bund und Ländern (GMLZ) im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenvorsorge in Bonn. Hier laufen bei “großflächigen Gefahrenlagen” wie das amtlich heißt, die Fäden zusammen, um aus vielen Detailinformationen das Gesamtbild einer Katastrophe zu malen. Das sind unter anderem die Lehren aus den Elbe-Hochwasser 2002, das sich leider nicht an die förderalen Zuständigkeiten hielt und ohne Rücksicht auf Landkreis- und Ländergrenze einfach überall hinfloss. Beim nächsten Hochwasser/Waldbrand/Seuchenausbruch etc. sollen deshalb hier die Informationen und Lagekarten erzeugt werden, die den Krisenstäben vor Ort den Blick über den Tellerand erlauben.
Weil Katastrophen dieser Größenordnung nicht an der Tagesordnung sind, kann man die multimedialen Möglichkeiten eines solchen Lagezentrums in krisenfreien Zeiten natürlich auch anders nutzen. Bei meinem Besuch gestern dominierte zum Beispiel die Olypmpiade den Kommandostand. Für den Fototermin ersetzte man die Übertragung aus Peking aber zügig durch die Unwetterwarnungen des Wetterdienstes.
Allerdings gabs die Wettermeldungen erst im zweiten Anlauf, beim ersten Abschalten der Olympiade erschienen auf der Leinwand aktuelle Informationen des Auswärtigen Amtes bezüglich der Kriegslage in Georgien. “Oh!”, meinte ein Mitarbeiter, “das dürfen sie jetzt nicht lesen.”

oops
Sind wir mit der Verwüstung amtlich schon so weit, dass wir ein Bundesamt für die niederen Tropen haben?
Oder sind es einfach nur public domain opensourcetippfehler?
Manchmal ist man ja so betriebsblind…