Es gibt Projekte im Umfeld der Geoinformationswelt, über die Außenstehende vermutlich zuerst den Kopf schütteln, um dann unangenehme Fragen nach Sinn und Kosten der Angelegenheit zu formulieren. LUCAS könnte so ein Projekt sein. Das ist eines dieser in der Europäischen Union so beliebten Akronyme und steht für “Land Use and Cover Area Survey”. Verantwortlich dafür ist EuroStat, die europäische Statistikbehörde. Die will konsolidierte und homogene Daten zur Landnutzung und Landbedeckung aus allen 27 Mitgliedsstaaten, um gesicherte Vergleiche anstellen zu können, wenn es zum Beispiel um Anteile von Waldflächen, landwirtschaftlicher Nutzfläche oder gar unberührter Natur geht. Man muss sich dazu vielleicht kurz vergegenwärtigen, dass die amtliche Statistik in den einzelnen EU-Ländern so etwas weder mit den selben, vergleichbaren Parametern erfasst, noch diese Daten überhaupt überall oder gar flächendeckend vorhanden wären. EuroStat hat deswegen dieses eigene Vermessungsprojekt LUCAS angestoßen.
Allerdings wollen die europäischen Statistiker keine flächendeckende Erfassung, sonden eine “statistische Flächenstichprobenerhebung zur Landnutzung/Landbedeckung”, wie es in den amtlichen Ausschreibungen heißt. Deshalb hat die Behörde über ganz Europa ein regelmäßiges Netz von Punkten gelegt, an denen die Landnutzung genau erfasst wird. Daraus sollen sich Flächenanteile später berechnen lassen.
Europa ist groß, da kommen schon rund 230.000 Punkte zusammen. Und jetzt kommt der Kopfschüttelfaktor: Jeder einzelne Punkt wurde tatsächlich von einem mit GPS-Gerät und Erfassungsbogen bewaffneten Fachmann besucht und bewertet. Und zwar erstmals 2001. Und nach fünf Jahren gab es 2006 den zweiten Besuch und aktuell sind gerade einige EU-Neuzugänge dran und 2010 gehts wieder von vorn los, um zu gucken, was sich verändert hat. Es gibt eine etwas versteckte Website des Projekts, die alle Detailinformationen dazu auflistet.
Es gab zwischenzeitlich auch einige schöne Bildersammlungen im Netz, die die praktischen Schwiergkeiten vor Ort illustrieren. Man kann sich das wirklich ein bißchen wie Geocaching im europäischen Auftrag vorstellen, wenn auch ohne Cachebox am Ende. Aber es gilt, eine vorgegebene Koordinate möglichst punktgenau zu finden, zu markieren und ihre exakte Landnutzung zu dokumentieren. Da die Punkte einem regelmäßigen Muster folgen und keine Rücksicht auf die Topographie nehmen, sind Kuhweiden, schlammige Ackerflächen und schwer überwindbare Flussläufe für die Geocacher Datenerfasser also tägliches Brot. Am schönsten fabd ich allerdings ein Bild aus Deutschland, wo der korrekte EuroStat-Zuträger sein Markierungsfähnchen auf der Spitze eines Misthaufens drapiert. Landbedeckung: Scheiße.
Aber Koordinate ist Koordinate.
Fremder Senf