Wo Menschen tätig sind, passieren Fehler: Manche überweisen 600 Millionen Euro an bankrotte Bankinstitute, andere verheddern sich in den Feinheiten des deutschen Vereinsrechts, zum Beispiel der Deutsche Dachverband für Geoinformationen (DDGI). Durch einen Formfehler bei den Wahlen zum DDGI-Vorstand ist der Ende Mai nicht mehr zur Wiederwahl angetretene langjährige DDGI-Präsident Bodo Bernsdorf de jure jetzt doch noch/wieder im Amt. Sein Nachfolger Udo Stichling wird damit zum designierten Nachfolger. Die Vorstandswahlen sollen jetzt am 1. Dezember wiederholt werden.
Zweifellos eine etwas peinliche Angelegenheit, die zu unterhaltsamer Polemik einlädt, aber wie sagt der Ami: Shit happens. Und im Gegensatz zu 600-Millionen Euro Überweisungen auch ausbügelbar, wählt man eben den Vorstand nochmal.
Nur dass sich an den äußeren Bedingungen der Wahl jetzt etwas geändert hat. Bernsdorf hat im Frühjahr auf seine Wiederwahl verzichtet, weil zu diesem Zeitpunkt die Zukunft seines damaligen Unternehmens CeGi GmbH offen war (siehe Geografitti vom 27. Mai). Das hat sich inzwischen geklärt: Die CeGi ist auf Beschluss der Gesellschafter seit Ende Mai aufgelöst. Bernsdorf hat sich mit einer CfGi GbR selbstständig gemacht, die seit kurzem als CfGI GmbH firmiert und freut sich dem Vernehmen nach über funktionierende Geschäfte. Insofern könnte er jetzt auch zur wieder zur Wahl antreten, was er ohne das bevorstehende Ende der CeGi im Mai zweifellos gemacht hätte. Neben dem Ehrenamt sind daran schließlich auch ökonomische Fragen geknüpft, etwa die Finanzierung der Geschäftsstelle, die bislang noch bei der CfGi angesiedelt ist. Oder die vielfältigen, geschäftlich sicher nicht vollkommen unnützen Kontakte, die so eine Verbandstätigkeit mit sich bringt.
Das wird aber wohl alles nicht passieren. Bernsdorf dürfte einfach nicht der Charakter sein, der solche Formfehler zu Lasten Dritter ausnutzt. Und unter den jetzigen Vorraussetzungen eines bereits gefundenen und seit einigen Monaten auch de facto amtierenden Präsidenten wäre seine Widerwahl zudem eher unsicher. Auch da gilt: Shit happens.
Eine kleine, praktische Folge hat der Vorfall dann aber doch: Die von Bernsdorf als DDGI-Präsident begonnenen Bemühungen um eine Zusammenarbeit des DDGI mit dem Unternehmensverband Bitkom soll auf der anstehenden Intergeo in einen offiziellen “Letter of Intent” der Beteiligten münden. Damit will der DDGI dem auch an dieser Stelle geäußerten Vorwurf begegnen, das Geoinformationsthema zu einseitig aus Sicht der Behörden zu betrachten.
Und diesen nach seinem Maßstäben sichtbaren Erfolg seiner Arbeit als DDGI-Vorstand darf Bodo Bernsdorf als amtierender Präsident gemeinsam mit seinem designierten Nachfolger Udo Stichling unterschreiben.
Aus Steuergeldern gesponserte Netzwerke. Super.
Naja, wenn freie Berater Kontakte zu Unternehmen pflegen nennt sich das Netzwerk, wenn Behörden und öffentliche Stellen das tun, heißt es gleich Seilschaft. Am Ende machen immer Menschen Geschäfte miteinander, die darauf angewiesen sind, sich zu kennen und sich zu vertrauen.
Genau. Diese vielfältigen Kontakte aus dem Ehrenamt des DDGI für eine Firma nutzen. Das ist halt NRW Sozialismus. Bezahlte Akquise. Gute das das zu Ende ist. Die freien Berater in Deutschland sind froh.Vielleicht sollte man mal rückwirkend nach dem Informationsfreiheitsgesetz in den ex CeGI reinschauen. Ist Bürgerrecht. Kann jeder machen.