• Da steckt einer dahinter:

    "Geografitti" ist ein Blog rund um das Thema Geoinformation. Die Palette der Themen reicht von ALK über GPS bis Z-Achse. Eine ausgewogene Berichterstattung gibt es allerdings nicht. Geografitti ist subjektiv und allein Sache des Autors.
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    Andererseits ist der Autor durchaus empfänglich für finanzielle Zuwendungen und wird sein schreiberisches Talent sowie sein fachliches Knowhow dann gerne zu ihrem Vorteil nutzen. Es gibt bereits zahlreiche Unternehmen, Fachzeitschriften und Institutionen die sich (wegen oder auch trotz dieser Webseite) dazu entschließen konnten. Nähere Informationen dazu finden sie vor allem unter dem Menüpunkt "Textkoch".

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    Datenschutz und Galileo    

    9

    Oktober
    2008

    Gleich zweimal kurz hintereinander hat Thomas Knüwer in seinem Handelsblatt Blog “Indiskrition Ehrensache” die Bemühungen der Datenschützer als Tätigkeit weltfremder Großväter dargestellt, die irgendwie den Zug der Zeit verpasst haben. Dafür hat er sich diverse kritische Kommentare eingefangen, in denen (ohne mein Zutun!) auf meine Ergüsse zu diesem Thema als gutes Beispiel einer differenzierten Betrachtung verlinkt wurde. Danke für die Blumen. Am Ende konnte ich mir einen eigenen exklusiven Kommentar dennoch nicht verkneifen, wenngleich inhaltlich mit einer sattsam bekannten Argumentation ausgestattet, die auf die Begherlichkeiten hinweist, die gut gefüllte Datentöpfe gewöhnlich wecken. Aber offenbar ist das noch immer nicht überall angekommen, insbesondere nicht bei Herrn Knüwer. Oder er findet es nicht schlimm, kann ja auch sein.

    And now to something completely different.

    Das Handelsblatt selbst hat heute einen Kommentar zum immer noch geplanten Satellitennavigationssystem  Galileo veröffentlicht. Tenor: Zu spät, zu teuer. (Wie das unvermeidliche Fass ohne Boden den Redigiervorgang im Qualitätsjournalismus des Handelsblatts überlebt hat ist mir nebenbei gesagt, völlig schleierhaft.) Aber trotz des Titels ist mir der Standpunkt des Kommentators unklar geblieben. Er fordert eine klare Antwort, ob das Projekt angesichts drohender Mehrkosten (die zunächts mal nichts Anderes sind, als Preisforderungen der Industrie für den Aufbau) abgespeckt oder aufgegeben wird oder ob es die Sache Wert ist, gibt jedoch keinen Hinweis auf die eigene Meinung. Ich dachte immer, darum geht es in einem Kommentar. Aber die Tagesthemen machen ja allabendlich vor, wie man Sendeminuten für nichtssagende, aber dröhnend vorgetragene Kommentare verschwendet. Gestern hat Siegmund Gottlieb wieder so ein Paradestück abgeliefert. Alles aufgezählt was Horst Seehofer aus Gottliebs Sicht machen muss, nur die entscheidende Einschätzung, ob der Mann das schafft..Fehlanzeige. Aber ich schweife ab…

    Obwohl, so ähnlich macht der Handelsblattmensch das auch. Die möglichen Varainten aufzählen und dann keine davon auswählen.

    Aber ich helfe gern: Selbstverständlich wird Galileo jeden Cent wert sein, den man hineinsteckt, auch wenn es unterm Strich ein paar mehr werden sollten. Für das Geld, daß der Hypo Real Estate fehlt, könnte man übrigens zehn Galileos aufbauen und drei betreiben  -  hier steckt immer wieder der Hauptfehler, wenn es um Kostenangaben für das Projekt geht. Die einnen rechnen lediglich den Aufbau, die anderen auch noch die Betriebskosten der ersten zehn oder 20 Jahre mit und so kommen die unterschiedlichen Summen zusammen, die den Eindruck erwecken, das Ding wird immer teurer (“Fass ohne Boden”). Ich habe das ausführlich bereits vor über einem Jahr beschrieben, weil seinerzeit die Financial Times Äpfel und Birnen verglichen hat.

    Ein ganz wunderbares Argument pro Galileo haben übrigens in jüngster Zeit US-Wissenschaftler geliefert, die das GPS-Signal gehackt haben, wie es in einigen Meldungen hieß. Tatsächlich wurde das Signal nicht gehackt – es ist in der zivilen Nutzung ohnehin unverschlüsselt – sondern durch eine so genannte Spoof-Attacke ausgetauscht, sprich: einem GPS-Empfänger wird ein falsches Signal als Echt vorgegaukelt und seine Positionsanziege so manipuliert. An dieser Sicherheitslücke wird sich wohl so schnell auch nichts ändern, wie in Technology Review nachzulesen. Von einem solchen System kann man eigentlich keine sicherheitskritischen Infrastrukturen wie Luft- oder Bahnverkehr abhängig machen. Das aber wird Galileo mit einem sicheren zivilen Signal und gleichzeitigen Informationen zur Zuverlässigkeite des zur Verfügung gestellten Signals leisten können.

    Und dazu mache ich stets ein Kostenbeispiel im Bahnverkehr auf: Wüsste man durch permantes (und sicheres, nicht manipulierbares) Satellitentracking jederzeit, wo sich welcher Zug exakt befindet, wäre es möglich, die Sicherheitsabstände zwischen zwei Zügen deutlich zu verringern. Derzeit kann die Bahn die Position eines Zuges nur in Gleisabschnitten (zwischen Signal x und Weiche y) angeben und muss deshalb aus Sicherheitsgründen zwischen zwei Zügen immer einen bis mehrere freie Gleisabschnitte gewährleisten. Mit Galileo könnten mehr Züge aufs Gleis und sich daher die Kapazität des europäischen Bahnnetzes um rund 25 Prozent erhöhen, ohne einen einzigen Meter neue Schienen zu verlegen. Vergleich man die Kosten von Galileo mit den Kosten eines Netzausbaus für die Bahn, der diesen Kapazitätsgewinn verspricht wird man schnell zu der Einsicht gelangen: Galileo ist auch mit 5,4 Milliarden Euro für den Aufbau eher billig.

    Aber ich fange beim Thema Galileo gewöhnlich an, mich zu wiederholen, so oft habe ich schon dargegelgt, warum die Investition sinnvoll ist. Damit schließt sich der Kreis zum Thema Datenschutz, auch da kann ich zu jedem Aspekt inzwischen auf fertige Blogeinträge verweisen, weswegen beide Themen in jüngster Zeit hier weniger Beachtung finden. Wichtig sind sie beide nach wie vor.


    Ein Kommentar über Datenschutz und Galileo

    1. atj sagt:

      Das mit dem Verlinken war ich (ich wechsel meine Kommentarnamen von Beitrag zu Beitrag) und Herr Knüwer hat zwar vor 2,5 Stunden selber einen Kommentar verfasst, aber seine Argumentation nicht verteidigt. Dabei ist er doch sonst nicht auf den Mund gefallen…

      Eine Anmerkung habe ich hier auch:
      “auch da kann ich zu jedem Aspekt inzwischen auf fertige Blogeinträge verweisen, weswegen beide Themen in jüngster Zeit hier weniger Beachtung finden. Wichtig sind sie beide nach wie vor.”
      Ich denke, wenn du die Themen wichtig findest und informieren möchtest, ist Nichtbehandlung nicht die optimale Strategie. Ständige Wiederholung ist zwar nicht schön, aber es hilft Neueinsteigern, Fachfremden und Informationssuchenden generell, wenn zu aktuellen Entwicklungen immer wieder auf spezielle alte Beiträge verlinkt wird, wo der eigene Standpunkt ausführlich erläutert wird.

      Gerade dieses einfache Verweisen ermöglicht auch kurzen Beiträgen sehr informativ zu sein und sichert den Schwerpunkt des Blogs ohne viel Aufwand (Stichwort Suchmaschine, über die auch ich hergekommen bin).

      Sensibilisiert dafür hat mich ein Anti-AKWler der ersten Stunde, der anlässlich der Diskussion vom “Ausstieg vom Ausstieg” von seinen Erfahrungen der Mobilisierung der Bevölkerung berichtet hat. Sein Standpunkt: Die meisten Menschen sind zu wenig informiert und werden sie (neutral) informiert, treffen sie auch vernünftige Entscheidungen. Die entsprechenden Informationen werden am besten verteilt durch das “Mitnehmen” jedes Einzelnen, wobei man fast immer bei Null anfangen muss.

      Ergo: Auf fertige Einträge zu verweisen ist effektiv und daher gutzuheißen.

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