Ende vorigen Jahres haben die Geschäftsführer von Infas Geodaten in einigen Veröffentlichungen den Untergang des Abendlandes prognostiziert die künftigen Datenschutzbestimmungen als branchenschädigend und verfehlt gebrandmarkt. Mit den vorgebrachten Argumenten habe ich mich gleich mehrmals (hier und hier) ausführlich befasst.
Im Kern störte sich Infas an den neuen so genannten Opt-In Regelungen, das heißt, personalisierte Werbepost darf nur noch an Personen geschickt werden, die zuvor aktiv und schriftlich ihre Zustimmung dazu erklärt haben. Vor dem ersten Januar diesen Jahres galt diese Zustimmung als erteilt, wenn sie nicht aktiv und schriftlich verweigert wurde. Mal abgesehen davon, dass relativ großzügige Übergangsregelungen den sofortigen Untergang des Abendlandes Zusammenbruch der werbetreibenden Wirtschaft mindestens hinauszögern, hatte ich seinerzeit schon auf die Kreativität der Branche hingewiesen, die sich da fürs eigene Überleben was einfallen lassen wird.
Tatsächlich gehört Infas Geodaten nun selbst zu den ersten Kreativen und hat gemeinsam mit Trebbau Koop den so genannten Opt-In Locator vorgestellt. Auf Basis von Einzelhäusern für jeden Standort und für jedes Gebiet errechnet und lokalisiert dieser Opt-In-Locator die Opt-In-Wahrscheinlichkeit eines Gebietes, macht also mit Hilfe von Geodaten, Aussagen darüber, wie wahrscheinlich es ist, von einer bestimmten Adresse die aktive Erlaubnis zu erhalten, sie künftig mit Werbepost überschwemmen zu dürfen.
“Profitieren auch Sie ab sofort von der präzisen Identifikation von Opt-Ins und reduzieren Sie Ihre Kosten für die Einholung von Einwilligungen erheblich. Je nach Markt und Zielgruppe ist eine Reduzierung der Generierungskosten von bis zu 50% möglich”, verspricht die Ankündigung.
Schön auch, das in dieser ganzen Werbung seriöserweise nur noch von Wahrscheinlichkeiten die Rede ist.
Geht doch.
Hmtja…Wer Werbung will, hat natürlich kein Problem. Aber wer nach all der Radio/TV/Plakat/Zeitschriften-Werbung wenigstens im eigenen Briefkasten seine Ruhe haben will, sollte die Möglichkeit haben, sich Werbung grundsätzlich zu verbitten, insbesondere persönlich adressierte, die so tut, als sei sie ein (wichtiger) Brief. Ich persönlich betrachte Werbepost als Eingriff in meine Intimsphäre.
Hallo, also ich heirate dieses Jahr am 16.5. und bin gerade dabei, für 100 Gäste Getränke zu kaufen. Im Moment bin ich froh, über Angebote zum Thema Spirituosen informiert zu werden. Von daher kann ich nur sagen, Werbung als solches empfinde ich nicht als Müll sondern finde es richtig, wenn sich die Werbewirtschaft gedanken darüber macht, so zielgerichtet wie möglich zu werben. Unterm Strich haben wir auch etwas davon, mit weniger Werbung mehr Information zu erhalten, oder?
die Katze beißt sich in den Schwanz während sie das Pferd von hinten aufzäumt …
die Verordnungsbürokraten könnten mal nachdenken, ob die Werbewirtschaft nicht verpflichtet werden sollte, den Reklamemüll zurückzunehmen wie es mit jeder Art Verpackungen ab 1.4.09 zur Pflicht wird
vielleicht kann infas aber auch den Opt-In-Locator der Altpapierbranche anbieten …