Sneak around the corner…

28. Januar 2009 | Von ttm | Rubrik: Formatradio

Gestern erneut einen Konzert-Abend mit zahlreichen Dejavüs (?) besucht: Katharina Franck im Kölner Yard-Club. Katharina Wer? Genau! Die Dame hatte vor über 20 Jahren einen Mörderhit als Sängerin und kreativer Kopf der Gruppe Rainbirds: „Blueprint“ heißt das Stück, das heute auf keinem achtzigerer Jahre-Sampler fehlen darf.

Jaja, die achtziger. Da machte ich gemeinsam mit zahlreichen jungen Damen mit asymetrischer Frisur sowie jungen Herren in Karottenjeans und Dauerwelle Abitur und hatte den Job des Alternativen mit FoKoHila-Schnitt, Wollpulli und Lederweste übernommen. Aber Latin Quarter und die Rainbirds waren so etwas wie der gemeinsame Nenner.

Spätestens in de neunzigern wurde es dann etwas stiller um die Rainbirds, die nach diversen Umbesetzungen aber stetig musizierten, Platten herausbrachten und als Live-Band noch funktionierten und mittlere Hallen füllten, als die Tonträger schon nicht mehr so gefragt waren.

Auch das ist nun wohl für die Sängerin als Solo-Künstlerin vorbei. Der Yard-Club in Köln ist als Ableger der Kantine nicht groß, aber war mit rund 70 Leuten vielleicht zur Hälfte gefüllt. Ich habe allerdings in ganz Köln auch nur ein einziges Plakat für das Konzert gesehen. Anlass der aktuellen Clubtour ist eine im Dezember erschienene neue CD von Katharina Franck. Bereits 2006 hatte sie mit  „First Take, second Skin“ nach langer Pause ein Solo-Album vorgelegt, das in Sound und Stimme relativ nahtlos an Francks Rainbirds-Zeiten anschloss. Das wird mit dem neuen „Standing on the verge of an autobiography“ konsequent fortgesetzt.

Insofern war das gestrige Konzert einerseits eine Reise zurück in die achtziger (vor allem mit Blick aufs Publikum) andererseits aber auch wieder nicht, denn mit ihrer aktuellen Band erweist sich Francks folkig-rockiger Gittarenpop als ziemlich zeitlos. Dazu kommt eine unverändert markante Stimme, die dem Gesamtwerk einen individuellen Stempel aufdrückt. Das ist unterm Strich so emanzipiert und eigen, dass sich Franck es sogar leisten kann eine nahezu unverändert arrangierte Version von „Blueprint“ darzubieten, ohne dass man wirklich sentimental wird. Der Hit fügt sich einfach bruchlos ins Konzertgefüge ein.

Wie sich allerdings fünf hochkarätige Musiker, die zwischendurch mit Akkordeon, Glockenspiel, einem alten Rhodes E-Piano, einer Hammond XB2 -Orgel sowie Vibraphon wunderbar altmodisch Musik machen, bei diesem unverdient niedrigen Zuschauerzuspruch rechnen, ist mir schleierhaft. Franck hat größere Hallen verdient. Aber natürlich habe ich das Konzert in dieser eher intimen Atmosphäre genossen.

P.S.: Nachricht an die alte/neue Heimat: Am 30. Januar 20:30 Uhr in Bremen in der Stauerei.

P.P.S.: Gerade noch eine Kritik zum Tourauftakt in Hamburg gefunden. Treffend.

Ein Kommentar
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  1. Schade, dass ich das verpasst habe. Die Rainbirds damals in der Göttinger Uni – das war die erste Konzertkritik, die ich überhaupt geschrieben habe.

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