Huhu, Panik…ein “Sicherheitsexperte” warnt im Interview bei Stern-Online vor der “GPS-Bombe”. Nun reicht eine kurze Recherche aus, um bei Telepolis etwas Hintergrund zu diesem Experten zu finden. Kennt man diesen Hintergrund, hat man zugleich auch eine Erklärung für das bedeutungsschwangere Geschwurbel über eine bislang unbeachtete neue Gefahr. Bevor man bei stern.de ausführlich nachliest – wörtliches Zitat – “wo die GPS-Technologie per Internet bereits gelandet ist”, stellen wir die Kirche aber wieder ins Dorf.
Eigentlich geht es nur um die gute alte Brief- oder auch Paketbombe. Die muss allerdings nicht beim Öffnen explodieren, sondern kann auch ferngezündet werden. So etwas funktioniert grundsätzlich mit einem Mobiltelefon. So weit, so bekannt, so schlecht.
Jetzt gibt es auch Mobiltelefone mit GPS und tja, mit etwas Manipulation der Software kann man das Telefon dazu bringen, den Zündungsimpuls nicht an ein Signal oder eine Uhrzeit zu knüpfen, sondern an eine Koordinate, damit das Paket “exakt in dem Moment explodiert, in dem das Fahrzeug des Kurierdienstes die Zielkoordinaten für den gewünschten Anschlagsort erreicht hat”, wie es stern.de formuliert. Anleitungen zu dieser Manipulation finden sich im Netz. Gefährlich, gefährlich.
Um diesen eher trivialen Zusamenhang deutlich zu machen, braucht das Interview allerdings rund 10.000 Zeichen, in denen auch gleich noch mal alles zusammen gerührt wird, was nicht nur christsoziale Innenpolitiker alles über das böse, böse Internet zu wissen glauben.
Mal abgesehen davon, dass dieses Szenario voraussetzt, das genutzte Telefon im Paket, im Lieferwagen schafft es tatsächlich, durchgehend ein GPS-Signal zu empfangen: Wo ist die wirklich neue Bedrohung? Wenn statt eine Kühlschrankes, eine Bombe transportiert wird, ist die Frage, über welchen Machanismus sie am Ziel zur Explosion gebracht wird, eher zweitrangig.
Allenfalls hat jemand geschäftsfördernd eine neue Bedrohung definiert. Wenigstens ist der Experte konsequent, wenn er mögliche Schutzmaßnahmen umreißt: Er gehe davon aus, dass eine Paketannahme ohne die Vorlage eines Personalausweises nicht mehr möglich sein wird, wenn ein solcher Anschlag erst mal passiert ist.
Hmja, vermutlich meint er Paketaufgabe mit Personalausweis, sonst bringts ja nicht viel, aber abgesehen davon: Für welche lächerlich niedrige Wahrscheinlichkeit eines solchen Anschlages wird hier mal wieder ein weiterer Eingriff in die Grundrechte gefordert?
Hier wird mal wieder deutlich, was manche selbsternannten Sicherheitsexperten in Koordinaten für Risiken sehen. Wer hätte früher das Landesvermessungsamt dafür haftbar gemacht, weil ein Einbrecher mit einer TK25 ein Grundstück für seinen Einbruch ermittelt hat. Dabei kam die “böse” Grundlage Karte (analoge Geoinformation) doch vom LVermA…..
Heute kann aber jeder in den neuen Techniken Risiken propagieren. Bei einem analogen Festnetzanschluss wäre das nicht passiert…..
dann warten wir jetzt mal, wie lange es wohl dauert, bis der Herr Gesichtserkennung in Kamerasoftware entdeckt …
oder den Autopilot für Modellhubschrauber …