Frequenzjagd
31. März 2009 | Von ttm | Rubrik: Satelliten weisen den WegNach langer Pause mal wieder dazu gekommen, die News rund um GPS genauer zu prüfen. Da ist ja doch mehr dabei, als die 23. Meldung über eine neues GPS-fähiges Handy. Zum Beispiel wurden die Webseiten PlebsTV und Absolut GPS völlig zu Recht für den Online Grimme Award vorgeschlagen. PLebsTV sammelt Berichte und News von seiner Usern und bereitet sie georefernziert als GoogleMaps MashUp auf. Absolut GPS hat sich seit 2003 zu einer umfassenden Datenbank für GPS-Tracks gemausert, mit offiziellen Touren von Tourismusanbietern genauso wie mit den privaten Mountainbikestrecken der User.
Die Financial Times Deutschland berichtet über harte Verhandlungenzwischen der EU und China über die Frequenzen für die jeweils geplanten Navigationssysteme Galileo und Compass. Ursprünglich war China ja an Galileo beteiligt, bevor man das Reich der Mitte aus Sicherheitsgründen faktisch wieder vor die Tür gesetzt hat. Jetzt ist es ein Wettlauf: Wer die Frequenz als erster nutzt, hat sie sich gesichert. Für die FTD hängte Galileo deshalb (mal wieder) “am seidenen Faden” – mit Blick auf China als größter Seidenexporteur der Welt wenigstens eine halbwegs orginelle Metapher zur Dramatisierung.
Die Stiftung Warenstest hat GPS-Outdoorgeräte getestet. Etwas albern über alle Preisklassen hinweg sieben Modelle von Garmin und drei von Magellan. Testergenisse zum nachlesen kosten zwei Euro. Glücklicherweise gibt es WDR5 und das Wissenschaftsmagazin Leonardo, da erhält man zwar nicht alle Ergebnisse aber die Quintessenz (PDF). Tatsächlich hat das teuerste Modell von Garmin gewonnen, vornehmlich weil es am meisten kann und auch gleich eine Karte mitliefert. Sehr orginell.
Und dann war da noch der erfolgreiche Start des 20. GPS-Satelliten der Baureihe IIR am 24. März. Eigentlich keine große Meldung, aber auch die USA haben ähnlich wie die Europäer gerade ein paar Probleme mit ihren Frequenzen für das Satellitennavigationssystem. Auf die aktuelle Baureihe IIR sollten nämlich ab Herbst 2009 die Starts der ersten so genannten IIF-Satelliten folgen, um das GPS wie geplant bis 2013 vollständig zu modernisieren. Damit war auch die Nutzung einer weiteren zivilen Frequenz verbunden, was erhebliche Qualitätsverbesserungen des Signals bedeutet. Das Problem: Wird auf dieser neuen Frequenz nicht bis Ende August aus dem All gefunkt, verfallen die Nutzungsrechte beziehungsweise wandern sie zur International Telecommunications Union (TLU – eine Arbeitsgruppe der UN) zurück.
Tragischerweise haben auch die USA Verzögerungen in ihrem Programm. Die neuen Satellten sind durch die ersten Belastungstest gefallen und werden vermutlich kaum bis August im All sein können. Der jetzt gestartete Satellit verfügt deshlab bereits über die Möglichkeit, die neue Frequenz zu bedienen, zumindest theoretisch. Gedacht war das als letztes Backup, falls es Anlaufschwierigkeiten der neuen Satelliten im All gibt. Dass diese Schwierigkeiten schon bei den Belastungstest auftauchen, hatte man nicht gedacht. Jetzt kommts drauf an: Schafft es der gerade gestartete Satellit auf der neuen Frequenz zu funken, ist für die USA alles okay.
Klappt das nicht, hat nicht nur die EU ein Frequenzproblem.