• Da steckt einer dahinter:

    "Geografitti" ist ein Blog rund um das Thema Geoinformation. Die Palette der Themen reicht von ALK über GPS bis Z-Achse. Eine ausgewogene Berichterstattung gibt es allerdings nicht. Geografitti ist subjektiv und allein Sache des Autors.
  • Der Textkoch

    Andererseits ist der Autor durchaus empfänglich für finanzielle Zuwendungen und wird sein schreiberisches Talent sowie sein fachliches Knowhow dann gerne zu ihrem Vorteil nutzen. Es gibt bereits zahlreiche Unternehmen, Fachzeitschriften und Institutionen die sich (wegen oder auch trotz dieser Webseite) dazu entschließen konnten. Nähere Informationen dazu finden sie vor allem unter dem Menüpunkt "Textkoch".

  • Info

    Warum es sich richtig gut anfühlt    

    3

    April
    2009

    „Und, habt ihr schon kalte Füße?“ – „Wie sieht es denn aus, wo ihr jetzt mal drüber geschlafen habt?“ – „Na, noch immer glücklich mit dem geplanten Umzug nach Bremen?“

    Scheinbar gibt es eine Verabredung unseres Freundes-, Familien-, Arbeitskollegen- und Bekanntenkreises in bereits getroffenen Entscheidungen gemeinsam noch etwas rumzustochern. Aber danke der besorgten Nachfrage, niemand hadert mit den gefassten Entschlüssen. Ganz im Gegenteil, das fühlt sich richtig gut an. Wäre im Übrigen für Rückzieher auch zu spät, nachdem bereits fünfstellige Beträge an Makler, Notar und Finanzamt geflossen sind.

    Wir sind außerdem mental und praktisch längst bei den Detailfragen nach Badezimmerarmaturen und Leuchtmitteln angekommen. Wer uns kennt weiß ja: Spätestens drei Wochen nach dem Umzug ist die Wohnung komplett, mit allem zipp und zapp. Da hängt jedes Bild, ist jeder Karton einsortiert, jedes Regal montiert. Spätestens nach weiteren drei Wochen wirkt das ganze so, als hätte man nie woanders gewohnt. Ich bin eben kein Fan von Provisorien, die Frau an meiner Seite ebenso wenig.

    Deswegen war dieser bisweilen geäußerte Vorschlag, doch erstmal eine Mietwohnung zu nehmen um dann vor Ort das Objekt der Träume zu finden, ein erschreckender Hinweis darauf, wie wenig uns (mich) der Vorschlagende kennt. Einziehen mit dem festen Vorsatz wieder auszuziehen überlasse ich Menschen, die nicht wissen, wie sie wohnen wollen. (Oder es zu genau wissen, was die Wohnungssuche auch nicht erleichtert….) Zufriedenheit oder gar Glück ist meines Erachtens ja auch kein Zustand, sondern eine Fähigkeit, ein Talent, wenn man so will. Nur deshalb kann man nach fünf Wohnungen sagen, die soll es sein und die davor hätte es auch sein können.

    Für mich das Entscheidende dabei ist der Faktor des Ankommens. Seit ich aus meinem Kinderzimmer ausgezogen bin, war ich nirgends angekommen. Alles war immer vorläufig. Die Zivistelle, die erste eigene Bude, die WG, das Studium, der erste Job, die nächste Wohnung, der zweite Job: Immer war der unausgesprochene Gedanke im Hinterkopf, das ist jetzt noch nicht endgültig, da kommt nach was Neues.  Das war auch gar nicht schlimm, das war gewünscht. Zukunft als verlängerte Gegenwart war viele Jahre eher eine Horrorvorstellung, das ganze Leben ein wunderbares Provisorium.

    So nach und nach ergaben sich dann die erstes Fixpunkte, Dinge die man unausgesprochen nicht mehr verändert wissen möchte, zum Beispiel die Frau an meiner Seite (..wobei es nicht schädlich ist, dass dann doch mal ab und zu auszusprechen..)  und noch ein paar Sachen. Seit der Selbstständigkeit fühle ich mich auch beruflich angekommen. Freier Journalist und PR-Berater ist sowieso ein Zustand dauernder Veränderung, ohne das ich dafür ständig die Stelle wechseln müsste. Genau die Mischung aus Weiterentwicklung und Kontinuität, die mir vorschwebt. Passt schon. Und es mag komisch klingen, aber seitdem fühle ich mich sicherer, als in der Angestelltenexistenz. Man kann sich zumindest einbilden, die eigene berufliche Situation in der Hand zu haben. (Umso verstörter nahm ich in den zurückliegenden Wochen zickende Bankberater zur Kenntnis, die Immobilienkredite immer noch mit „festen“ Arbeitsplätzen verknüpft sehen möchten, als ob es diese im Jahr 2009 noch gebe. Aber das ist eine andere Geschichte….)

    Ich war also mehr als zwei Jahrzehnte, nachdem die eigenen Kinderzimmertür das letzte mal zuklappte, emotional, beruflich und familiär mit Frau und Kind angekommen. Genau deswegen durfte die Wohnung und der “Lebensmittelpunkt” wie man so sagt, keinen vorläufigen Charakter mehr haben. Deswegen sollte, musste auch unbedingt gekauft werden (nicht nur, weil es grad günstig ist..), deswegen konnte auch jetzt gekauft werden. Anders als in den zurückliegenden Jahren des vorläufigen Lebens, wo ich Immobillienbesitz eben als genau das empfunden hätte: immobil und irgendwie belastend.

    Das heißt nicht, dass die Zukunft ab sofort nur noch als Verlängerung der Gegenwart denkbar wäre, aber es bedeutet, das mich diese Vorstellung nicht mehr erschreckt. Und deswegen ist das vorherrschende Gefühl, nie etwa Richtigeres gemacht zu haben, als diese Wohnung zu kaufen. Und wenn wenn ich da nur mit Füße nach vorn wieder raus komme, ist das auch okay.

    Vieleicht müssen andere nicht 42 werden, um diesen Punkt zu erreichen, aber ich habs eben nicht schneller geschafft.


    2 Kommentare über Warum es sich richtig gut anfühlt

    1. johannes sagt:

      Klasse! HB ist ja auf dem Weg nach HL :-)
      Freue mich drauf :-)
      Johannes

    2. Frau P sagt:

      Ich habe nie daran gezweifelt das Ihr nach der getroffenen Entscheidung noch wieder einen Rückzieher machen würdet.
      Schön zu lesen das der Umzuges genau das ist was ihr wollt!
      Wir freuen uns ganz doll :-) )))

    Kommentieren

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

    *


    *

    Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

    Eigener Senf

    Switch to our mobile site