Etwas zu pointiert
20. Oktober 2009 | Von ttm | Rubrik: GeogeschäfteEs gibt Anbieter im Bereich Geomarketing, da möchte man verzweifeln. Und ich kann gar nicht so recht beschreiben warum. Sie haben aus meiner Sicht eine extrem verdruckste Art, mit der Öffentlichkeit umzugehen. Als plage sie permanent ein schlechte Gewissen. Am liebtsen wäre ihnen, es gäbe gar keine Öffentlichkeit. Nur sie und ihre Kunden. Das würde völlg genügen. Jetzt muss man natürlich diese Kunden erstmal finden, weswegen man nicht drum rum kommt, wenigstens ab und zu in der Öffentlickeit mit dem Thema Geomarketing zu erscheinen, aber doch lieber nicht zu öffentlich. Beliebt sind eher exklusive Fachzirkel, die man im günstigsten Fall auch noch vollständig kontrollieren kann. Solche Unternehmen verbuchen dann Kundentreffen als Öffentlichkeitsarbeit.
Ganz unbeliebt sind jedenfalls Zeitschriftenartikel. Die kann am Ende jeder lesen und man kann leider nicht mehr kontrollieren, was der Leser sich daraufhin denkt. Eine unnangenehme Vorstellung für diese Unternehmen. Deswegen wird kein noch so putziger Versuch unterlassen, bis in die Wortwahl hinein zu kontrollieren, was in solchen Artikeln drin steht. Und da man erfolgrech die PR-Klippschule absolviert hat, löst ein Wort wie “Problem” grundsätzlich Alarm aus. “Problem” ist negativ und so ein Wörtchen könnte ganze Kaskaden weiterer negatver Assoziationen auslösen, weshalb unabhängig vom konkreten Kontext jedes Mal “Problem” durch “Herausforderung” ersetzt werden muss.
Und auch sonst sind eher wohlklingenden Begriffswolken beliebt, die nicht zu präzise beschreiben, dass man beim Geomarketing (jedenfalls meistens) einen Haufen statistischer Daten zusammenrührt, um Profile von Verbrauchern oder auch das (wahrscheinliche) Verbraucherprofil einzelner Menschen zu erhalten. Zugegeben, wer so etwas macht, weckt eher das Misstrauen der Zeitgenossen, als jemand, der sagen wir mal, Brötchen verkauft. Wer Geomarketinganbieter ist, müsste deshalb um Vertrauen werben, erklären, was und wie er etwas macht und sich so transparent geben, wie es nur eben geht.
Ich sag mal, irgendwo zwischen untem stehenden Satz, der vielleicht eine Spur zu pointiert formuliert ist (und der mir gerade aus einem Text gestrichen werden soll) und den üblichen PR-Worthülsen sollte man die Kommunikation aber schon ansiedeln.
Traditionell ist die Beschreibung des Raums eine Wissenschaft, die immer auch ein Stück weit Herrschaftstechnik bedeutet. Hiervon zeugen unzählige, selbstverständlich nicht öffentliche militärische Karten. Und auch Filialunternehmen haben kein besonderes Interesse daran, Kartenwerke mit standortbezogenen Umsatzzahlen zu veröffentlichen.
ein Trost jedenfalls, dass die Todesstrafe für die Weitergabe von Landkarten an benachbarte Fürstentümer oder Königreiche abgeschafft ist …