Toll Collect Vertrag ist öffentlich

26. November 2009 | Von ttm | Rubrik: Geogeschäfte

Wikileaks hat einen größeren Teil des Vertrages zwischen dem Toll Collect Konsortium, das sind vor allem Daimler (seinerzteit DaimlerChrysler) und die Deutsche Telekom, und dem Bundesamt für Güterverkehr veröffentlicht. Die Dokumente umfassen einen fast vollständigen Betreibervertrag des Toll Collect Konsortiums, den Kooperationsvertrag zwischen Toll Collect und AGES International sowie den Vertrag mit dem Gutachterbüro Dr.-Ing. Schwerthoff. Insgesamt stehen mit allen Vertraganhängen rund 10.000 von 17.000 Seiten Vertragswerk zum Download und damit zur allegmeinen Auswertung zur Verfügung.

Der Stern und Heise haben sich des Themas bereits angenommen und haben zunächst mal die aus den Vertragswerk abuzleitenden, relativ attraktiven Renditeversprechen in den Vordergrund gestellt. In der Tat liefern die Dokumente lesenswerte Zahlen zu Umfang und Kosten des Systems und zwar sehr detaillier.  Nur ein Beispiel sei mal herausgepickt: Die so genannten “Zahlstellenterminals”, die sich an zahlreichen Autobahnraststätten finden.

Davon gibt es laut Vertrag 3883 Geräte in Innenräumen für einen Stückpreis von 11.706 Euro inklusive Montage und 123 Outdoor-Geräte, die mit 22.254 Euro Stückpreis ungefähr doppelt so teuer sind. Bei den laufenden Konsten geht man von 70 bis 80 Neugeräten jedes Jahr aus (Indoor), die defekte Zahlstellen ersetzen müssen, sowie rund 900 Euro Wartungskosten je Gerät. Zählt das eigentlicht jemand nach? Fünf bis zehn Geräte weniger aufgestellt und für die Mautbtreiber bleiben rund 100.000 Euro mehr im Portemonnnai. Interesant auch die 400 Euro Extra-Kosten je Gerät für die Beschilderung, unterm Strich allein dafür 1,35 Millionen Euro. Welche Schilder sind denn da gemeint? Die Hinweisschilder in den Raststätten, dass es sich nicht um einen EC-Automaten handelt?

Spanndend auch die veranschlagten Energiekosten von 1000 bis 3000 Euro pro Jahr und Gerät, jedenfalls verglichen mit der durchschnittlichen Stromrechnung eines Drei-Personenhaushaltes. Und für wen sind die 2000 Euro Mietkosten, die jedes Jahr für so ein Gerät in der Kalkulation stehen? Man sollte mal bei einem Raststättenpächter nachfragen, was er so für den Mautterminal bekommt…

Umterm Strich gehen die Maut-Betreiber jedenfalls von 4,2 Millionen Euro Energiekosten und etwa 7 bis 8 Millionen Euro Mietkosten jährlich aus. Dazu kommen noch die Kommunikationskosten von zehn Cent je Buchung, die sich je nach Zahl der Buchungen auf eine Summe von 2 bis 3 Millionen jedes Jahr summieren. Macht bei knapper Rechnung wenigsten 13 Millionen pro Jahr bzw. nicht ganz 3500 Euro pro Automat bzw. knapp 4000 mit Schildern plus Wartungskosten (die bei einelnen Gerätetypen auch mal über 8000 Euro im Jahr betragen sollen) plus Anschaffungskosten. Wurde eigentlich schon erwähnt, dass die Betreiber im sechsten Betriebsjahr (das müsste eigentlich jetzt sein) von einer Runderneuerung, sprich Neuanschaffung nahezu aller Automaten ausgehen?

Also, ich sehe da Arbeit für den ein oder anderen Rechnungsprüfer….

Schreiben Sie doch einen Kommentar

*
To prove you're a person (not a spam script), type the security word shown in the picture. Click on the picture to hear an audio file of the word.
Click to hear an audio file of the anti-spam word