• Da steckt einer dahinter:

    "Geografitti" ist ein Blog rund um das Thema Geoinformation. Die Palette der Themen reicht von ALK über GPS bis Z-Achse. Eine ausgewogene Berichterstattung gibt es allerdings nicht. Geografitti ist subjektiv und allein Sache des Autors.
  • Der Textkoch

    Andererseits ist der Autor durchaus empfänglich für finanzielle Zuwendungen und wird sein schreiberisches Talent sowie sein fachliches Knowhow dann gerne zu ihrem Vorteil nutzen. Es gibt bereits zahlreiche Unternehmen, Fachzeitschriften und Institutionen die sich (wegen oder auch trotz dieser Webseite) dazu entschließen konnten. Nähere Informationen dazu finden sie vor allem unter dem Menüpunkt "Textkoch".

  • Info

    Versuch der Enteignung    

    9

    März
    2010
    9 März, 2010 von in Allgemein, Doofe Journaille Antworten

    Ich weiß ja nicht, warum die Verlage so lautstark nach einem Leistungsschutzrecht krähen. Welche Leistung soll da eigentlich genau geschützt werden? Die permanente Enteigung der Autoren und Schreiber, die sich Verlage heutzutage leisten?  Nachfolgend mal ein Auszug aus einer so genannten „Freistellungserklärung“, die mir jüngst eine Agentur hat zukommen lassen. Das ist inhaltlich zunächst kein so ungewöhnlicher Versuch, aber Tonlage und Inhalt offenbaren diesmal eine ungeheure Dreistigkeit. Offenbar glaubt man dort ernsthaft, ich würde meiner kompletten Enteigung mangels Alternativen zustimmen, denn nichts anderes bedeutet die Übertragung der ausschließlichen Nutzungsrechte. Danach besitze ich keinerlei Rechte mehr an meinen Texten, weswegen es tatsächlich straf- und zivilrechtliche Auswirkungen haben könnte, würde ich meine eigenen Worte nach der E-Mail an die Agentur noch mal benutzen. Macht sich ja auch immer gut, beim ersten Kontakt gleich mit Strafandrohungen zu wedeln. So weit wird es zum Glück nicht kommen, weil ich so etwas natürlich nicht unterschreibe, zumal mir als Entschädigung eine individuelle Honorarkürzung von knapp 40 Prozenz in Aussicht gestellt wurde. Die können mich mal.

    Die Agentur ist berechtigt, ein Exposé oder ein sonstiges, zur weiteren Bearbeitung bestimmtes Werk des Vertragspartners ganz oder teilweise nach seiner Wahl durch den Vertragspartner oder Dritte zur Veröffentlichung ausarbeiten oder fertig stellen zu lassen. Der Vertragspartner ist verpflichtet, der Agentur ein vollständiges Exemplar des Werkes abzuliefern. Mit der Ablieferung geht das Eigentum an diesem Exemplar auf die Agentur über.

    (…) Der Vertragspartner räumt der Agentur hinsichtlich der von ihm erstellten Textbeiträge, einschließlich der von ihm beigefügten Bildvorlagen, Zeichnungen, Pläne, Karten, Skizzen und Tabellen (Unterlagen) das räumliche und inhaltliche unbeschränkte ausschließliche Recht zur Vervielfältigung und Verbreitung in zahlenmäßig unbegrenzter, einmaliger oder mehrfacher Auflage ein. Der Vertragspartners räumt der Agentur hinsichtlich seiner Textbeiträge nebst Unterlagen weiter die folgenden ausschlieÃßichen Nutzungsrechte räumlich und inhaltlich unbeschränkt ein.

    • das Abdruckrecht, also das Recht zur Vervielfältigung und Verbreitung des ganzen Textbeitrages oder von Teilen des Textbeitrages oder von Bearbeitungen des Textbeitrages als Vorabdruck, Nachabdruck, auch als Fortsetzungsabdruck in Zeitungen und Zeitschriften sowie in nicht periodischen Sammlungen von Werken und Beiträgen mehrerer Autoren;
    • das Datenbankrecht, also das Recht, den Textbeitrag oder Bearbeitungen des Textbeitrages einschließlich von Abstracts oder sonstiger Inhaltsangaben digitalisiert zu erfassen und auf allen bekannten Speichermedien gemeinsam mit anderen Werken und Beiträgen zu speichern, zu bearbeiten und mit einer Retrieval·Software zu versehen sowie auf beliebigen Datenträgern zu speichern, diese Datenträger in beliebiger Form zu vervielfältigen, zu verbreiten, zu vermieten oder zu verleihen sowie ferner den Textbeitrag oder Bearbeitungen des Beitrages im Wege der Datenübertragung (Download) auf die Rechner Dritter zu übertragen und Ausdrucke von Papierkopien durch diese Endnutzer zu gestatten;
    • das Multimediarecht, also das Recht, den Textbeitrag oder Bearbeitungen des Textbeitrages digitalisiert oder nicht digitalisiert zu erfassen, im Rahmen einer Multimediaproduktion mit anderen Werken und Beiträgen zu vereinen, auf allen bekannten Speichermedien zu speichern und diese Textbeiträge auch interaktiv auf elektronischem Wege nutzbar zu machen sowie das Multimedia-Produkt sowohl auf beliebigen Bild-, Ton- oder Datenträgern (z.B. Disketten, CD-ROM, CDI, MC, DAT, DCC, Videokassetten, Platten usw.) zu vervielfältigen, zu verbreiten, zu vermieten und zu verleihen, als auch einer Onlinenutzung (d.h. insbesondere das Verfügbarmachen für die Öffentlichkeit zum individuellen Abruf, zur Wiedergabe auf dem Bildschirm und zum Ausdruck beim Nutzer) zugänglich zu machen, insbesondere – auch hierauf nicht beschränkt – das Recht, den Textbeitrag mit Unterlagen ganz oder teilweise in anderen Medien des Verlages zu verwerten;
    • das Übersetzungs- und Bearbeitungsrecht, also das Recht, den Textbeitrag oder Bearbeitungen hiervon umzugestalten und auf sonstige Art und Weise zu bearbeiten, insbesondere zu kürzen, sowie in andere Sprachen zu übersetzen und in andere Darstellungsformen zu übertragen;
    • das Buchrecht, also das Recht zu Vervielfältigung und Verbreitung des Textbeitrags oder von Bearbeitungen des Textbeitrags in allen Buchformen;

    Diese Erklärung habe ich zur Kenntnis genommen und stimme ihr zu. Mir ist bewusst, dass ich bei Zuwiderhandlung gegen diese Erklärung mit ernsten Auswirkungen auf den Inhalt oder Bestand des Freien Mitarbeiterverhältnisses mit Schadenersatzansprüchen sowie ggf. mit strafrechtlichen Konsequenzen rechnen muss.

    (Ich könnte natürlich auch unterschreiben und hinterher dagegen klagen. Nach der jüngsten Vereinbarung zwischen dem Deutschen Journalisten Verband und dem Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger über die angemessene Vergütung freier Mitarbeiter an Tageszeitungen haben die Gerichte in solchen Streitfällen endlich eine Maßgabe, wie eine angemessene Vergütung und Rechteabtretung aussieht, auch wenn es sich hier nicht um eine Tageszeitung handelt, insofern wäre diese ganze Erklärung vermutlich null und nichtig weil sittenwidrig, aber ich hab nun wirklich besseres zu tun, als das juristisch zu klären.)


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