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    Alleinstellungen    

    17

    März
    2010

    Mal wieder das Privileg genossen, Michael Goodchild zu lauschen, der heute als Keynote-Speaker der Geoinformatik 2010 in Kiel auftrat. Der mit dem Lauréat Prix International de Géographie Vautrin Lud – eine Art Geo-Nobelpreis – ausgezeichnete Wissenschaftler aus Kalifornien schafft es als einer der wenigen in dieser ganzen GIS-Mischpoke, immer noch mal einen neuen Gedanken zu formulieren. Heute war dies sein Hinweis auf noch vollkommen fehlende Standards der GIS-Funktionen.

    Das ist als Beobachtung so trivial wie genial. Ja klar, kein GIS – ob nun webbasiert oder Desktop – funktioniert wie ein anderes. Und das meint nicht nur das grafische Interface. Es gibt einfach keine Übereinkunft welche Funktionen es überhaupt geben sollte und wie diese technisch umzusetzen wären. Jeder Hersteller verfolgt dabei völlig losgelöst vom Wettbewerb sein eigenes Konzept. Ja, dieses jeweilige Konzept wird auch noch als Alleinstellungsmerkmal offensiv vermarktet: Unser GIS ist anders, als das der Konkurrenz. Das ist so offensichtlich, dass zumindest ich noch nie darüber als Problem nachgedacht habe. Aber natürlich ist das prinzipiell Unsinn und ebenso natürlich verhindert so etwas breitere Marktdurchdringungen und ist zumindest eine plausible Erklärung, warum das Geschäft etwa mit dem Thema mobiler Navigation nahezu vollständig an ESRI und Co. vorbei gelaufen ist. Ein Wettlauf um falsch verstandene Alleinstellungsmerkmale.

    Was die klassischen GIS-Hersteller tun ist ungefähr so, als würde jeder Autobauer nicht nur die Bedienungselemnete seiner Fahrzeuge unterschiedlich anordnen, sondern auch den Fahrer mal rechts, mal links, mal vorne, mal mittig, mal hinten platzieren. Auch gäbe es kein halbwegs einheitliches Motorkonzept, dass bei allen Unterschieden im Detail jedem zumindest den problemlosen Tankstellenbesuch ermöglicht. Von Standards wie vier Räder mal ganz zu Schweigen.  So setzt sich kein Verkehrsmittel durch. Und GIS-Motoren sind da weitaus individueller, um es mal vornehm zu umschreiben.

    Goodchild hat in seinen knapp 45 Minuten noch eine Reihe anderer Aspekte angesprochen, über die ich noch etwas nachdenken muss, aber allein dieser kleine, sehr grundsätzliche Gedanke des GIS-Pioniers zeigt zumindest seine Alleinstellung.

    Als Forscher hat er diese Notwendigkeit richtig verstanden.

    Update 20. März:

    Habe dazu noch Post von Prof. Alexander Zipf aus Heidelberg erhalten, die ich niemandem vorenthalten möchte:

    übrigens anbei ein paar Hinweise zu unseren ersten Arbeiten über die fehlende Standardisierung der GIS-Funktionalität:

    • Göbel, R., Zipf, A. (2008): How to define 3D Geoprocessing Operations for the OGC Web Processing Service. (WPS)? Towards a Classification of 3D Operations. (PDF)  International Workshop on Computational Geoinformatics. (CompGeo 2008). The 2008 International Conference on Computational Science and Its Applications (ICCSA 2008). Perugia. Italy.
    • Walenciak, G, Zipf, A. (2010): Designing a Web Processing Service Application Profile for Spatial Analysis in Business Marketing. AGILE Conference 2010. Portugal.
    • Lanig S. and A. Zipf (2010): Proposal for a Web Processing Services (WPS) Application Profile for 3D Processing Analysis. GEOProcessing 2010 – The Second International Conference on Advanced Geographic Information Systems, Applications, and Services. Netherlands Antilles.

    7 Kommentare über Alleinstellungen

    1. marco sagt:

      Das hört sich aber wieder alles sehr nach “nur” Analyse an. Möglichweise aber ein erste Schritt….

    2. ttm sagt:

      Habe noch Post dazu von Prof. Alexander Zipf aus Heidelberg erhalten, die ich nicht vorenthalten möchte:

      übrigens anbei ein paar Hinweise zu unseren ersten Arbeiten über die fehlende Standardisierung der GIS-Funktionalität:

      Göbel, R., Zipf, A. (2008): How to define 3D Geoprocessing Operations for the OGC Web Processing Service. (WPS)? Towards a Classification of 3D Operations. International Workshop on Computational Geoinformatics. (CompGeo 2008). The 2008 International Conference on Computational Science and Its Applications (ICCSA 2008). Perugia. Italy.
      Walenciak, G, Zipf, A. (2010): Designing a Web Processing Service Application Profile for Spatial Analysis in Business Marketing. AGILE Conference 2010. Portugal.
      Lanig S. and A. Zipf (2010): Proposal for a Web Processing Services (WPS) Application Profile for 3D Processing Analysis. GEOProcessing 2010 – The Second International Conference on Advanced Geographic Information Systems, Applications, and Services. Netherlands Antilles.

    3. marco sagt:

      In der Zukunft werden kundenorientierte Prozesse immer wichtiger. Daher stelle ich mir eine Standardisierung von GIS-Funktionen sehr schwierig vor.

      Ist es nicht viel wichtiger das Design, die Architektur, die Implementierung und Einrichtung von GIS-Funktionen basierend auf aktuelle IT-Standards zu standardisieren und nicht die Funktion an sich?

      Das Main-Stream GIS passt nicht mehr zu immer komplexer werdenden Kunden. Man muss doch einfach mal die Augen aufmachen und sehen das heutige Kunde nicht mit einer Standardlösung bedient werden wollen/können. Die Basis ist wichtig, ausser Frage. Mittlerweile gibt es ja da einige Standardisierungen. Aber der Rest stellt doch den wirklichen Mehrwert für einen Kunden dar.

      Die Herausforderung heutiger und zukünftiger GIS-Implementierungen ist die Integration in einer Gesamt IT Infrastruktur und die Interaktion mit anderen Sub-Systemen. Momentan sind doch implementierte GIS-Lösungen weitestegend Insellösungen. Das betrifft die Wirtschaft aber auch staatlich/kommunale Lösungen.

    4. paul sagt:

      Wiglaf Droste würde sagen “GIS ist ein Irrtum der Evolution”.

      Wie lange haben die Handy-Hersteller gebraucht bis Netzteile den gleichen Anschluss haben?

      OK, da ist die Evolution schneller, aber es haben ja auch mehr Menschen ein Handy als ein GIS.

    5. Geoalphaman sagt:

      GIS ist seit über 10 Jahren nur noch feature fucking. Da lachen sich auf jeder INTERGEO abends die Vertriebler krumm, wie man mal wieder vermeintliche Alleinstellungen verkauft hat. Aber dafür braucht man keine Wissenschaftler. Lieferant weiß dass, und Kunde auch. Ist wie beim Verkauf von Gummibärchen oder Kondomen exakt die gleiche Richtung. Ist eigentlich ausgeforscht das Produkt, aber rot –gelb ist dann besser als grün-blau. Und den LBS Markt haben die IT-Winzlinge aus dem GIS Markt einfach arrogant überschätzt. Intelliwhere &co.

    6. ttm sagt:

      Interessant. Ich kann indes nicht beurteilen, inwieweit dadurch die angesprochenen Fragen gelöst werden könnten – bin kein Informatiker.

      Allerdings habe ich mich nochmal mit Dr. Goodchild unterhalten und er wies auf den durchaus richtigern Aspekt hin, das es weder formale institutionen noch informelle Netzwerke in der Branche gebe, mit denen eine wie auch immer geartete Übereinkunft über Funktionen und Architekturen vereinbart werden könnten. Es ist also nicht nur eine Frage der Technik, zumal hier von verschiedenen Fachleuten übereinstimmend von einer komplett fehlenden Aufmerksamkeit für derartige Fragen ausgegangen wird, sowohl bei den Unternehmen, wie auch bei den Entwicklern in den entsprechenden Geoinformatik-Instituten der (Fach-)Hochschulen. Deren Radarschirme zeigen vor allem alles an, auf dem GDI steht.

    7. KoenigDickbauch sagt:

      Na, da ist er aber nicht sehr bewandert in den Bemühungen. Da gibt es schon lange Bestrebungen diese Insellösungen auszumerzen. IFC for GIS. IFC findet In der Architekturwelt seit 15 Jahren immer größere Verbreitung. Klar das die GIS Leute da nachziehen müssen, denn irgendwo muss ja das Haus auch mal stehen. ;)

      http://www.iai-tech.org/projects/ifc_extension_projects/current/ic3/?searchterm=asset

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