• Da steckt einer dahinter:

    "Geografitti" ist ein Blog rund um das Thema Geoinformation. Die Palette der Themen reicht von ALK über GPS bis Z-Achse. Eine ausgewogene Berichterstattung gibt es allerdings nicht. Geografitti ist subjektiv und allein Sache des Autors.
  • Der Textkoch

    Andererseits ist der Autor durchaus empfänglich für finanzielle Zuwendungen und wird sein schreiberisches Talent sowie sein fachliches Knowhow dann gerne zu ihrem Vorteil nutzen. Es gibt bereits zahlreiche Unternehmen, Fachzeitschriften und Institutionen die sich (wegen oder auch trotz dieser Webseite) dazu entschließen konnten. Nähere Informationen dazu finden sie vor allem unter dem Menüpunkt "Textkoch".

  • Info

    Gutes Beispiel – schlechtes Beispiel    

    7

    Oktober
    2011
    7 Oktober, 2011 von in Geogeschäfte Antworten

    Nochmal ein kurzer Blick in die praktische Realität beim Thema amtliche (Geo-)Daten und ihre Zugänglichkeit. Zwei Beispiele demonstrieren anschaulich, welch unterschiedliche Philosophien hinter Konzepten wie Open Data einserseits und einem eher traditionell hoheitlichen Amtsverständnis andererseits steckt – hoheitlich durchaus im Sinne von herrschend.

    Zunächst das gute Beispiel aus Linz, 190.000-Einwohner-Hauptstadt das Bundeslandes Oberösterreich. Hier hat der Stadtrat einstimmig den Beschluss gefasst, sämtliche amtliche Daten der Stadt unter eine Creative Common Lizenz allgemien und frei verfügbar zu machen. Dazu gehören zahlreiche amtliche Statistiken, sowie kommunale Geodaten, darunter hunderte  „Points of interest“ wie Bildungs- und Kultureinrichtungen, Sportanlagen, Kindergärten, Horte und Seniorenzentren. Auch ein digitales Höhenmodell sowie flächedeckende Orthofotos der Stadt sind Teil des Angebot, sogar die Echtzeitdaten zur Situation des ÖPNV gehörden dazu, also das Tracking von Bussen und Bahnen. Als „Tor“ zu diesen Inhalten hat Linz die seit Anfang Oktober 2011 zugängliche Plattform www.data.linz.gv.at aufgebaut. Die in offenen Formaten in maschinenlesbarer Form gespeicherten Informationen können Personen, Firmen und Institutionen unter Nennung des Urhebers Stadt Linz in eigene Angebote einbauen. Die Daten dürfen und sollen dabei auch kommerziell verwertet werden. „Wenn neue Unternehmen dadurch entstehen oder Unternehmen neue Produkte entwickeln, kann das nur im Interesse der Stadt sein – dann haben wir einen tollen Job gemacht“, wird dazu Gerald Kempinger, Geschäftsführer des stadteigenen EDV-Unternehmens IKT, in den Oberösterreichischen Nachrichten zitiert.

    Hervorzuheben ist aus meiner Sicht vor allem der Punkt der maschinenlesbaren Abgaben der Daten sowie die Lizenzierung auch für kommerzielle Zwecke. Das bedeutet nämlich, die Stadt bereitet die Daten weder auf, noch macht sie sich Gedanken über die Nutzung. Beides überlässt sie schlicht dem Nutzer, der eben auch ein interessiertes Unternehmen mit Gewinnabsicht sein darf. Der Download ist kostenlos. So geht das.

    Und so geht das eher nicht: Die Bezirksregierung Köln – in die das ehemalige Landesvermessungsamt NRW einst eingegliedert wurde – hat mit der Deutschen Post Direkt einen Vertrag über die Kombination amtlicher Hausnummerkoordinaten mit postalischen Adressen geschlossen. Aufgrund dieser Kooperation bietet die Deutsche Post Direkt ab sofort zwei ihrer Produkte im Adressmanagement zusätzlich mit hausgenauen Geodaten an: Datafactory Geocode enthält Geokoordinaten auf Postleitzahl-, Straßen- und Gebäudeebene sowie die geocodierten Flächen der Postleitzahlgebiete in Deutschland. Kurz zum Hintergrund: Die NRW Landesvermesser fungieren als Koordinationstelle für die Hauskoordinaten und sammeln diese von allen anderen Bundesländern ein, so dass es dazu einen zentralen Datenbestand gibt, der eben auch zentral von der Bezirksregierung, nunja, vermarktet wird.

    Der Datenbestand wird ganz schlicht verkauft. Nix Open Data oder maschinenlesbar, sondern einfach ein Geschäfte mit amtlichen Daten durch Vater Staat. Die genauen Modalitäten dieser jüngsten Kooperation mit der Post bleiben selbstverständlich unter Verschluss. Geschäftsgeheimnis natürlich. Es ist eben nicht die freie Abgabe an einen (kommerziellen) Nutzer, sondern nur ein Unternehmen in der Größenordnung der Deutschen Post dürfte sich die Lizenzierung der rund 20 Millionen Koordinaten leisten, für die im Grundtarif laut VermWertGebT 0,10 € je Koordinatenpaar anfallen. Unter Anwendung der Mengenrabatte (100 Prozent der Gebühr bis einschließlich dem 10 000. Objekt – 50 Prozent der Gebühr ab dem 10 001. bis einschließlich dem 100 000. Objekt
    - 25 Prozent der Gebühr ab dem 100 001. bis einschließlich dem 1 000 000. Objekt und  12,5 Prozent der Gebühr ab dem 1 000 001. Objekt) sind das bei 20 Millionen Gebäuden immer noch knapp 280.000 Euro. Ob die Post das bezahlt hat, wissen wir aber wie gesagt nicht, schließlich ist in der Mitteilung darüber von Kooperation die Rede, nicht von Kauf/Lizenzierung.


    3 Kommentare über Gutes Beispiel – schlechtes Beispiel

    1. Norbert sagt:

      Wenn Du mitgestallten willst: Am 19.11. wird es das Open Data Hack Day in Bremen geben. Wir sind auf dem Campus im Studienhaus ab 10 Uhr.

    2. Paul sagt:

      Da sag ich nur:
      Das kann man dort verhandeln wie auf dem Basar.

      Transparenz der Preise:
      Fehlanzeige seit Jahr und Tag.

    3. !i! sagt:

      Interessant, interessant :)

      Aber hey sich ärgern bringt ja nix, wir können ja alle bei http://www.openstreetmap.org mitmachen und so die Sache ad absurdum führen ;) Jeder der mag kann seine Hausnummer und Straße einfach bei http://www.osmbugs.org eintragen :P

    Kommentieren

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

    *


    *

    Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>

    Eigener Senf

    Switch to our mobile site