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    Angebot 008: Lizenz zum Nutzen    

    27

    Oktober
    2011

    oder: Intergeo 2011, Nachspann Teil 2

    Man kennt das. Es ist zu einem Thema zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von allen. Dieses Bonmot war meine spontane Assoziation als ich von der Gründung einer Fachgruppe „Wertschöpfung öffentlicher Geodaten in der Wirtschaft” las, die der Anwenderverband für integrierte Rauminformationen und Technologien (AIR) e.V. (ehemals NAVISAT e.V.) gerade aus der Taufe hebt. Unternehmen und Behördenvertreter sollen darin „die gemeinsamen Schnittmengen erarbeiten“ (weißer Schimmel, ick hör Dir trapsen), Probleme bei der Nutzung (von amtlichen Geodaten)  benennen sowie „dauerhaft Lösungsansätze für die Wertschöpfungskette Verwaltung – Wirtschaft – Kunde finden.“ Und dann heißt es noch:

    „Der Interministerielle Ausschuss GDI.NRW (IMA GDI.NRW) begrüßt den Ansatz des Anwenderverbandes für integrierte Rauminformationen und Technologien (AIR) e.V., im Rahmen dieser Fachgruppe Akteure der öffentlichen Verwaltung, insbesondere aus dem Wirtschafts- und Innenministerium, sowie Industrie- und Wirtschaftsvertreter zusammenzubringen, um Bestrebungen zu forcieren, die verfügbaren amtlichen Geodaten (Geobasis- und Geofachdaten) in Wert zu setzen. Insbesondere setzt sich auch das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium dafür ein, neue Wege in der breiten Nutzung solcher Datenbestände zu entwickeln. Im Dialog von Datenbereitstellern, -veredlern und -nutzern gilt es, Lösungen für Nordrhein-Westfalen zu erarbeiten, die den Zugang zu amtlichen Geodaten dauerhaft und marktadäquat herstellen, um neue Geschäftsmodelle zu ermöglichen.“

    Wer immer sich das ausgedacht hat, dürfte die letzten Jahre nicht in Deutschland verbracht haben. Oder sich zumindest in einem Teil des Landes aufgehalten haben, der wenig Kontakt zur Außenwelt hatte, also möglicherweise seine Zeit in der behaglichen Amtsstube irgendeiner Vermessungsverwaltung zugebracht haben. Ich sag mal: Wenn eine Behörde den „Zugang zu amtlichen Geodaten dauerhaft und marktadäquat herstellen“ möchte, braucht sie dafür keinen neuen Arbeitskreis, sondern ein OpenData Konzept. Okay, das schüttelt man nicht aus dem Ärmel und über das „wie“ müsste möglicherweise diskutiert werden, aber auch das ist ja schon reichlich gemacht worden.

    Nur eben nicht von jedem

    Tatsächlich gab es nicht nur Diskussionen, sondern es existieren konkrete Ergebnisse. Gerade auf der jüngsten Intergeo hat die GIW-Kommission ihr Modell einer „GeoLizenz“ vorgestellt. Ein nach eigenen Angaben „einfaches, bundesweit einheitliches und Verwaltungseinheiten übergreifenden Standard-Lizenzmodell für Geoinformationen.“ Darin sind zahlreiche Überlegungen und Konzepte der„OpenData“-Philosophie, sowie Erfahrungen mit existierenden Lizenzmodellen aus dem nationalen und internationalen Bereich bereits berücksichtigt. Die Geolizenz lehnt sich an das Creative-Commons-Modell an und bietet acht Varianten, in denen jeweils

    • kommerzielle Nutzung
    • Weiterverarbeitung
    • und Nutzung in öffentlichen Netzwerken

    erlaubt oder untersagt werden. Berücksichtigt man jeder denkbare Ja/Nein Variante zu diesen drei Punkten, kommen am Ende eben acht Lizenz-Versionen heraus. Das Ganze  ist nach langjähriger Diskussion als zweijähriges offizielles Modellvorhaben des Interministeriellen Ausschusses für Geoinformation des Bundes (IMAGI) sozusagen mit amtlichem Segen jetzt gestartet.

    Das heißt, es ist kein theoretisches Konzept, sondern tatsächlich bereits nutzbar. Alle geodatenhaltenden Behörden aus Bund, Ländern und Kommunen sind eingeladen, ihre Datenbestände und Datendienste in einem vergleichsweise einfachen elektronsichen Verfahren mit der Geolizenz auszustatten. Ein webbasierter Fragebogen fragt ab, was der Datenhalter gestatten oder nicht gestatten will und spruckt am Ende die passende Lizenz aus. Das heißt, selbst traditionell mauernde Behören können mit der Lizenz arbeiten, weil sich immer noch alles verbieten lässt, aber: es gibt eben auch erstmals eine juristisch abgesicherte Möglichkeit, eine offene Lizenz zu wählen.

    Jede weitere Diskussion in jedem weiteren Arbeitskreis ist Zeitverschwendung, wenn sie hinter diesem Ergebnis zurück bleibt. Das gilt ganz nebenbei auch für den AdV, deren künftiger Vorsitzender auf der Intergeo die Diskssion scheinbar nochmal von vorn aufrollen wollte. Das Ziel künftiger Arbeitsgruppen kann nur sein, Teilnehmer für dieses Modellvorhaben zu gewinnen. Da bleibt genug zu tun, wie die GIW-Kommission selbst einräumt:

    „Zunächst müssen die mitwirkenden Behörden eine politische Entscheidung herbeiführen, dass eine Beteiligung möglich ist. Schließlich existieren in den Häusern bereits Lizenzbedingungen und Preismodelle. In dem Modellvorhaben soll aber nun ein bundesweit einheitliches Modell erprobt werden. Für die Dauer des Vorhabens müssen bestehende Regelungen daher ganz bewusst ausgesetzt werden. Im nächsten Schritt muss die Bereitschaft bestehen, an Informationsveranstaltungen teilzunehmen, in denen das Vorgehen erläutert wird und später Erfahrungsaustausche und Evaluierungen vorgenommen werden können. Darüber hinaus muss die Bereitschaft bestehen, geringfügige Anpassungen des eigenen Internetangebotes vorzunehmen, damit der internetgestützte Lizenzierungsprozess funktionieren kann. All diese Aktivitäten werden von einem Projektleiter des Modellvorhabens koordiniert. Investitionskosten entstehen den Mitwirkenden Behörden nicht.“

    Das ist der Stand der Diskussion. Wer immer in Politik und Verwaltung über amtliche Geodaten verfügt, hat jetzt Gelegenheit seine Arbeitskreise/Fachgruppen/Expertkommissionen zu verlassen, das Lizenzierungsverfahren zu beginnen und damit endlich Farbe zu bekennen.

    Das tun Politker und Beamte übrigens auch, wenn sie einfach weiterhin bekannte Standpunkte und Bedenken mitteilen.

     


    2 Kommentare über Angebot 008: Lizenz zum Nutzen

    1. Hallo zusammen – wieso eigentlich anonym? Ach ja, Internet und so. Aber Profile in Xing, Stay Friends und LinkedIN oder wo sonst noch ;-)) Ich liebe solche Plattformen…
      Aber zur Sache: Ist schön, dass man das so sieht. Kann man problemlos machen, bringt uns aber auch nicht weiter… O.k., ich lebe seit einiger Zeit in Westfalen. Vielleicht ist das ja ein Problem und man bekommt hier wirklich nicht alles mit. Aber die Frage ist doch auch in den Beiträgen schon wieder mal gestellt (das „wie“ eben und zwar möglichst genau…). Konkret: Was hat das denn alles gebracht? Und: Wer kennt denn jemanden, der im Unternehmensbereich öffentliche Daten in der Bandbreite so nutzt, dass er sein Geschäftsmodell wirklich darauf basieren lässt. Ich erinnere an die 85-Seiten-Studie der kommunalen Spitzenverbände. Auch da sind alle denkbaren Lizenzmodelle bis ins Kleinste beschrieben (Kapitel 1: „Warum so viele Worte?“…). Hat da mal jemand rein geschaut?? Wieso fragen sich öffentliche Datenanbieter – oder werden gerade von der Politik gefragt (!) – wozu ihre Angebote denn überhaupt noch aufrecht gehalten werden? Es gäbe doch Google und OSM. Und wieso kenne ich so viele Unternehmen, die die Daten eben doch nicht bekommen und nutzen können? Mag ja sein, dass ich (eigentlich „wir“… ist ja nicht alleine auf meinem Mist gewachsen) was verpasst habe, aber es ist bei Weitem nicht so, dass die unternehmerischen Anforderungen in den angedachten Lizenzmodellen umfänglich berücksichtigt wären. Ich kenne da jemanden, der hat mal versucht von einer Umweltbehörde (…schon wieder anonym…) einen Datensatz über die Standorte einiger Hochspannungsmasten zu bekommen. Er sollte 265.000 Euro für den Datensatz bezahlen, da die nicht in der Lage waren, das von ihm gewünschte Gebiet auszuschneiden (im GIS-Kurs nicht aufgepasst oder so…). Und ein WMS haben sie halt nicht. Am Ende hat’s für 500 Euro doch noch geklappt. Kleine Diskrepanz, oder? Und irgendwie keine Theorie. Ach ja, lizenztechnisch hat man das übrigens gar nicht abgesegnet… Oder anderes Beispiel: WiFö GmbH will Daten der Kommune haben. Bekommt sie aber nicht, weil sie ja nicht Kommune ist (hat nicht mal einen Intranet-Zugang) und googelt sich die Statistik zusammen. Oder großer Energieversorger (auch wieder anonym, Chef will aber lieber Atomkraftwerke bauen…) sucht Informationen zur Flächenkonkurrenz im Rahmen der Energiewende. Frage: Wie viel Mais soll denn in der Münsterländer Parklandschaft stehen oder wie viel Windräder verträgt denn der Tourismus im Sauerland (klar, muss mich nicht interessieren – ist ja alles immer noch Westfalen, aber die wollten das nun mal wissen…). Die haben nicht mal die konkreten Ansprechpartner gefunden. Über eine Lizenz haben die erst gar nicht philosophiert…

      Die Fachgruppe will – soll – auf den insbesondere von der GIW-K aufgesetzten Vorlagen und dem bislang Erreichten aufbauen und dann aber an exemplarischen Beispielen konkret werden. Eben das, was nun (naja, seit mindestens 10 Jahren) aussteht auch wirklich bewirken: Anbieter und Unternehmen in konkreten Einzelprojekten zusammen bringen. Es kommt kein Mensch auf die Idee, die alten Dinge wieder zu „käuen“. Selbst im landwirtschaftlich geprägten Westfalen nicht (für die Nicht-Biologen: Ruminantia bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Wiederk%C3%A4uer). Ach ja, wo wir schon dabei sind: Schimmel ist ortsfest und kann gar nicht trapsen 😉
      Also: Nur über die praktische Anwendung eines Lizenzmodells lässt sich überhaupt erkennen, wo ggf. Probleme auftauchen oder eben nicht. Wenn alles gut läuft, ist das ja toll und dann braucht man auch keine Fachgruppe mehr. Schönen Tag noch…

    2. Stefan Drießen sagt:

      So, und jetzt nicht Anonym. Ich kenne und begleite das Thema im Kopf seit 1998. Der DDGI war angetreten mit dem Thema „ freedom of data“. Da gibt es auch noch ganz alte Presstexte zu. Will aber keiner mehr was von wissen anscheinend oder die sind verlegt. Man hatte sich auf Al Gore berufen. Und diese ganzen GDI Initiativen in allen Ländern plus einer GDI Kommission und der ADV und und und. Und jetzt noch so ein Club mit diesen Forderungen, die allen bekannt sind und tausendfach gestellt sind? Es ist alles bekannt. Alles. Breit getretener Quark wird nicht stark. Aber die GIW Kommission kann einen Preis mit 10.000 € für Innovationen vergeben. Das sind Steuergelder. Ach ich habe die Nase voll von diesem Thema. Erbhöfe werden über die Politik erhalten. Stefan Drießen

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