Intergeo München
11. Oktober 2006 | Von ttm | Rubrik: SelbstgesprächeNach fünf Minuten habe ich die Nase schon wieder gestrichen voll von dieser Stadt. Schlimmer als Köln. Meine Erfahrungen mit München sind in erster Linie negativer Natur und dies bezieht sich in vor allem auf die Menschen dieser Stadt, die einfach sooo anders sind.
Gestern trat mir das Unheil in Form eines Gosch-Verkäufers am Münchener Hauptbahnhof gegenüber. Während der Rest des Republik es schafft, Krabbenbrötchen sinnvollerweise nicht komplett aufzuschneiden, damit die Krabben wenigsten an einer Seite halt finden, wurde mir hier ein quasi unessbares Brötchen überreicht, weil die Krabben lustig an zwei Seiten herausfallen konnten. Nun gut, man wird einwänden können, dass Krabben in München nicht gerade Teil regionaler Küche sind, aber seitedem die Dinger in Algerien gepult werden, ist es auch wurscht, wo man Krabbenbrötchen bestellt.
Natürlich ist es ungerecht, eine Stadt wegen einer unfähigen Fischbude in Bausch und Bogen zu verdammen, aber findet man eine Stadt nicht auch schön, weil der erste Café perfekt war und gerade die Sonne schien? Es sind die kleinen Dinge, die darüber entscheiden, ob man sich wohl fühlt. Es sind Erlebnisse wie ein Besuch im Biergarten vor zehn Jahren, bei dem einem eine patzige Kellnerin die Stühle unterm Hintern wegreißt, weil man sie sich von einem anderen Tisch geholt hat, die das Bild einer Stadt prägen können. In diesem Sinne fand ich Rom toll und Paris scheußlich, in diesem Sinne hasse ich Köln und München und finde Berlin fantastisch.
Und in diesem Sinne ist die Intergeo auch wie immer: Ein Familientreffen der Branche, die sich gegenseitig ihrer Existenz versichert. Das ganze Jahr über sitzen die Geodäten und Geo-Experten mehr oder weniger allein in ihren Büros, werkeln vor sich hin und brauchen diese Messe, um im wahrsten Sinne des Wortes Selbst-Bewußtsein zu tanken.
Daneben wird gelästert über die vielen Studenten auf der Messe, mit denen ja kein Geschäft zu machen sei und viele Aussteller versichern unter vier Augen verschwörerisch, eigentlich brauche man die Messe nicht und im nächsten Jahr sei man wahrscheinlich eher nicht mehr dabei und bereits in diesem Jahr habe man den Stand verkleinert, aber man müsse halt Flagge zeigen.
Komisch nur, daß die Messeleitung Jahr für Jahr munter Flächenwachstum verkündet. Diesmal sind es 30.000 Quadratmeter in drei Hallen und zur Erföffnung lief mit Klaus Töpfer und Edmund Stoiber erkennbar Politprominenz auf, was auch nicht der Normalfall ist. Nunja, das Gelästere über die Intergeo im kleinen Kreis ist vermutlich Teil der Branchen-Folklore und im nächten Jahr sind doch alle wieder da.
Ich auch.