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	<title>Geografitti - nicht nur Geografisches &#187; Der Leitartikel</title>
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	<description>Die Vermessung meiner Welt</description>
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		<title>Angebot 008: Lizenz zum Nutzen</title>
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		<pubDate>Thu, 27 Oct 2011 16:12:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ttm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Der Leitartikel]]></category>
		<category><![CDATA[Geoinformation]]></category>
		<category><![CDATA[Mess(e)wesen]]></category>
		<category><![CDATA[Moralapostel]]></category>
		<category><![CDATA[Politisches]]></category>

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		<description><![CDATA[oder: Intergeo 2011, Nachspann Teil 2 Man kennt das. Es ist zu einem Thema zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von allen. Dieses Bonmot war meine spontane Assoziation als ich von der Gründung einer Fachgruppe „Wertschöpfung öffentlicher Geodaten in der Wirtschaft” las, die der Anwenderverband für integrierte Rauminformationen und Technologien (AIR) e.V. (ehemals NAVISAT e.V.) [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>oder: Intergeo 2011, Nachspann Teil 2<br />
</strong></p>
<p>Man kennt das. Es ist zu einem Thema zwar schon alles gesagt, aber noch nicht von allen. Dieses Bonmot war meine spontane Assoziation als ich von der Gründung einer Fachgruppe „Wertschöpfung öffentlicher Geodaten in der Wirtschaft” las, die der Anwenderverband für integrierte Rauminformationen und Technologien (AIR) e.V. (ehemals NAVISAT e.V.) gerade <a title="AIR e.V" href="http://www.air-verband.de/aktuelles/news/article/53/air-ev-gruendet-die-fachgrupp.html" target="_blank">aus der Taufe hebt</a>. Unternehmen und Behördenvertreter sollen darin &#8220;die gemeinsamen Schnittmengen erarbeiten&#8221; (weißer Schimmel, ick hör Dir trapsen), Probleme bei der Nutzung (von amtlichen Geodaten)  benennen sowie &#8220;dauerhaft Lösungsansätze für die Wertschöpfungskette Verwaltung &#8211; Wirtschaft &#8211; Kunde finden.&#8221; Und dann heißt es noch:</p>
<blockquote><p>&#8220;Der Interministerielle Ausschuss GDI.NRW (IMA GDI.NRW) begrüßt den Ansatz des Anwenderverbandes für integrierte Rauminformationen und Technologien (AIR) e.V., im Rahmen dieser Fachgruppe Akteure der öffentlichen Verwaltung, insbesondere aus dem Wirtschafts- und Innenministerium, sowie Industrie- und Wirtschaftsvertreter zusammenzubringen, um Bestrebungen zu forcieren, die verfügbaren amtlichen Geodaten (Geobasis- und Geofachdaten) in Wert zu setzen. Insbesondere setzt sich auch das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium dafür ein, neue Wege in der breiten Nutzung solcher Datenbestände zu entwickeln. Im Dialog von Datenbereitstellern, -veredlern und -nutzern gilt es, Lösungen für Nordrhein-Westfalen zu erarbeiten, die den Zugang zu amtlichen Geodaten dauerhaft und marktadäquat herstellen, um neue Geschäftsmodelle zu ermöglichen.&#8221;</p></blockquote>
<p>Wer immer sich das ausgedacht hat, dürfte die letzten Jahre nicht in Deutschland verbracht haben. Oder sich zumindest in einem Teil des Landes aufgehalten haben, der wenig Kontakt zur Außenwelt hatte, also möglicherweise seine Zeit in der behaglichen Amtsstube irgendeiner Vermessungsverwaltung zugebracht haben. Ich sag mal: Wenn eine Behörde den &#8220;Zugang zu amtlichen Geodaten dauerhaft und marktadäquat herstellen&#8221; möchte, braucht sie dafür keinen neuen Arbeitskreis, sondern ein OpenData Konzept. Okay, das schüttelt man nicht aus dem Ärmel und über das &#8220;wie&#8221; müsste möglicherweise diskutiert werden, aber auch das ist ja schon reichlich gemacht worden.</p>
<p>Nur eben nicht von jedem</p>
<p>Tatsächlich gab es nicht nur Diskussionen, sondern es existieren konkrete Ergebnisse. Gerade auf der jüngsten Intergeo hat die GIW-Kommission ihr <a title="Modellvorhaben GeoLizenz" href="https://www.geolizenz.org/" target="_blank">Modell einer &#8220;GeoLizenz&#8221;</a> vorgestellt. Ein nach eigenen Angaben &#8220;einfaches, bundesweit einheitliches und Verwaltungseinheiten übergreifenden Standard-Lizenzmodell für Geoinformationen.&#8221; Darin sind zahlreiche Überlegungen und Konzepte der„OpenData“-Philosophie, sowie Erfahrungen mit existierenden Lizenzmodellen aus dem nationalen und internationalen Bereich bereits berücksichtigt. Die Geolizenz lehnt sich an das <a title="Creative Commons" href="http://de.creativecommons.org/was-ist-cc/" target="_blank">Creative-Commons-Modell</a> an und bietet acht Varianten, in denen jeweils</p>
<ul>
<li>kommerzielle Nutzung</li>
<li>Weiterverarbeitung</li>
<li>und Nutzung in öffentlichen Netzwerken</li>
</ul>
<p>erlaubt oder untersagt werden. Berücksichtigt man jeder denkbare Ja/Nein Variante zu diesen drei Punkten, kommen am Ende eben acht Lizenz-Versionen heraus. Das Ganze  ist nach langjähriger Diskussion als zweijähriges offizielles Modellvorhaben des Interministeriellen Ausschusses für Geoinformation des Bundes (<a title="IMAGI" href="http://www.imagi.de/start.html" target="_blank">IMAGI</a>) sozusagen mit amtlichem Segen jetzt gestartet.</p>
<p>Das heißt, es ist kein theoretisches Konzept, sondern tatsächlich bereits nutzbar. Alle geodatenhaltenden Behörden aus Bund, Ländern und Kommunen sind eingeladen, ihre Datenbestände und Datendienste in einem vergleichsweise einfachen elektronsichen Verfahren mit der Geolizenz auszustatten. Ein webbasierter Fragebogen fragt ab, was der Datenhalter gestatten oder nicht gestatten will und spruckt am Ende die passende Lizenz aus. Das heißt, selbst traditionell mauernde Behören können mit der Lizenz arbeiten, weil sich immer noch alles verbieten lässt, <strong>aber</strong>: es gibt eben auch erstmals eine juristisch abgesicherte Möglichkeit, eine offene Lizenz zu wählen.</p>
<p>Jede weitere Diskussion in jedem weiteren Arbeitskreis ist Zeitverschwendung, wenn sie hinter diesem Ergebnis zurück bleibt. Das gilt ganz nebenbei auch für den AdV, deren künftiger Vorsitzender auf der Intergeo die Diskssion scheinbar nochmal von vorn aufrollen wollte. Das Ziel künftiger Arbeitsgruppen kann nur sein, Teilnehmer für dieses Modellvorhaben zu gewinnen. Da bleibt genug zu tun, wie die GIW-Kommission selbst einräumt:</p>
<blockquote><p>&#8220;Zunächst müssen die mitwirkenden Behörden eine politische Entscheidung herbeiführen, dass eine Beteiligung möglich ist. Schließlich existieren in den Häusern bereits Lizenzbedingungen und Preismodelle. In dem Modellvorhaben soll aber nun ein bundesweit einheitliches Modell erprobt werden. Für die Dauer des Vorhabens müssen bestehende Regelungen daher ganz bewusst ausgesetzt werden. Im nächsten Schritt muss die Bereitschaft bestehen, an Informationsveranstaltungen teilzunehmen, in denen das Vorgehen erläutert wird und später Erfahrungsaustausche und Evaluierungen vorgenommen werden können. Darüber hinaus muss die Bereitschaft bestehen, geringfügige Anpassungen des eigenen Internetangebotes vorzunehmen, damit der internetgestützte Lizenzierungsprozess funktionieren kann. All diese Aktivitäten werden von einem Projektleiter des Modellvorhabens koordiniert. Investitionskosten entstehen den Mitwirkenden Behörden nicht.&#8221;</p></blockquote>
<p>Das ist der Stand der Diskussion. Wer immer in Politik und Verwaltung über amtliche Geodaten verfügt, hat jetzt Gelegenheit seine Arbeitskreise/Fachgruppen/Expertkommissionen zu verlassen, das Lizenzierungsverfahren zu beginnen und damit endlich Farbe zu bekennen.</p>
<p>Das tun Politker und Beamte übrigens auch, wenn sie einfach weiterhin bekannte Standpunkte und Bedenken mitteilen.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Intergeo 2010 &#8211; Mit Verzögerung</title>
		<link>http://www.geografitti.de/2010/10/26/intergeo-2010-mit-verzogerung/</link>
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		<pubDate>Tue, 26 Oct 2010 18:42:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ttm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Der Leitartikel]]></category>

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		<description><![CDATA[Dass nur Insider und Experten die Intergeo bevölkern ist nicht das Problem der Kongressmesse. Sorgen sollte man sich aber darüber machen, dass diese Experten und Insider seit  Jahren die immer gleichen Diskussionen führen.

<p style="text-align: center;"><a href="http://www.geografitti.de/wp-content/uploads/2010/10/adv_intergeo2010.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1653" title="adv_intergeo2010" src="http://www.geografitti.de/wp-content/uploads/2010/10/adv_intergeo2010.jpg" alt="" width="567" height="264" /></a></p>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center;"><a href="http://www.geografitti.de/wp-content/uploads/2010/10/adv_intergeo2010.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-1653" title="adv_intergeo2010" src="http://www.geografitti.de/wp-content/uploads/2010/10/adv_intergeo2010.jpg" alt="" width="567" height="264" /></a></p>
<p>Selten habe ich mich so schwer getan, ein Resümee der Intergeo zu  ziehen. Fast drei Wochen sind seit dem Ende der Kongressmesse ins Land  gegangen und noch immer fällt mir die Bilanz schwer. Persönlich war es  meine elfte Intergeo, das heißt ich habe seit 1999 mit Ausnahme von  Berlin in jedem Herbst den jährlichen DVW-Wanderzirkus besucht.  Vielleicht tue ich mich auch deshalb so schwer: Die diesjährige Intergeo  war eigentlich so, wie die im Vorjahr..und die davor und naja, auch die  davor.</p>
<p>Das kann man natürlich nur als Außenstehender so nonchalant  dahinschreiben, als jemand, der dem Diktat des  mehr-Besucher-mehr-Aussteller-mehr-Fläche-mehr-Internationalität des  Veranstalters nicht unterworfen ist und auch bei keiner Firma arbeitet,  die als Aussteller die selbstverständlich nochmals gestiegene Qualität  der Fachgespräche zu betonen hat. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt sind  das ja auch alles keine Neuigkeiten oder auch nur erwähnenswerte  Veränderungen. Das ewige Schneller-höher-weiter, das jährlich  wiederkehrenden Messen und Kongressen häufig innewohnt &#8211; kommerziellen  allemal – ist ein unvermeidliches Ritual und Stillstand gilt schließlich  immer noch als Rückschritt.</p>
<p>Dabei darf man reichlich Stillstand vermuten, wenn einem die aktuelle  Messe genauso vorkommt, wie die im Vorjahr und im Jahr davor und  überhaupt in allen Vorjahren. Damit meine ich nicht die alljährlich  hervorgekramte Kritik, die Intergeo sei traditionell ein Familientreffen  der bereits Bekehrten. Denn das wird ja immer wieder von der  Veranstaltung verlangt: Neue Märkte ansprechen, neue Anwendergruppen ins  Boot zu holen, das Thema Geoinformation einer breiten Masse bekannt zu  machen. Ich halte das für dummes Zeug und einen Anspruch, an dem man nur  scheitern kann: Zum Ärzte-, Juristen- oder Marketingkongress fahren  schließlich auch nur jeweils Ärzte, Juristen und Marketingler, obwohl  natürlich weite Teile der Bevölkerung zumindest zweitweise krank sind,  gelegentlich einen Anwalt kosultieren oder täglich eine Vielzahl von  Marketingbotschaften verarbeiten sollen.</p>
<p>Dass nur Insider und Experten die Intergeo bevölkern ist also  gewissermaßen normal und kein Beleg für Stillstand. Sorgen sollte man  sich aber darüber machen, dass diese Experten und Insider seit mehreren  Jahren prinzipiell die immer gleichen Gespräche miteinander führen. Wie  lange geht es schon um die leichtere Verfügbarkeit amtlicher Daten? Und  seit wann redet man eigentlich über Geodateninfrastrukturen? Ich gebe ja  zu, inzwischen so sehr selber Insider geworden zu sein, dass auch ich  dazu neige, minimale Neuheiten als sensationell und großartig zu werten.  Weil sie das im Detail auch sind. Aber gelegentlich sollte man mal aufs  große Ganze schauen. Und wenn nicht auf der Intergeo, wo denn dann?</p>
<p>Aufgefallen ist mir das während eines Vortrags im OSGeo-Park. Dort  wurde das Konzept einer GDI vorgestellt, die sich nicht in erster Linie  technisch definiert, sondern den Prinzipien von Social-Media Angeboten  folgt. Das Ausgangsproblem wurde knackig auf den Punkt gebracht: Die  Definition einer GDI Ist älter, als die Möglichkeiten des Web 2.0.</p>
<p>Hat man das erstmal gefressen, ergibt sich der Rest eigentlich von allein.</p>
<p>Die Konsequenzen daraus kann man eigentlich kaum überschätzen.  Jenseits alles buzzwordings stehen die Begriffe Web 2.0 und Social Media  für die großen Umwälzungen der letzten Jahre. Das Mitmachweb hat an  vielen Stellen damit begonnen, die grundsätzlichen gesellschaftlichen  Koordinaten zu verschieben, die Zeitungs- und Medienlandschaft  nachhaltig umzupflügen, die Politik zu beeinflussen. Es gibt letztlich  darauf basierende Initiativen wie das <a href="http://opendata-network.org/">Open Data Network</a> einerseits und eine umfassende Datenschutzdiskussion andererseits. Wie  öffentlich sind amtliche Daten, wie öffentlich das Netz? Geodaten sind  ein essentieller Bestandteil dieser Entwicklung, wie nicht nur die  Aufregung um StreetView gezeigt hat. Just in den Tagen der Intergeo hat  Facebook seine Funktion Places gestartet, die theoretisch 500 Millionen  Menschen zu wandelnden Datensensoren macht.</p>
<p>Vor diesem aktuellen Hintergrund lud der Intergeo-Kongress unter  anderem zur Diskussion „Think Tank &#8211; Gemeinsam für Geoinformation 2015“ &#8211;  und verlor dabei kaum ein Wort über derartige Entwicklungen.  Stattdessen versprach zum Beispiel Klaus Kummer, Präsident des  Landesamtes für Vermessung und Geoinformation Sachsen-Anhalt das, was er  in einer von mir geleiteten Diskussionsrunde unter dem programmatischen  Titel „Freie Geodaten für jedermann“ schon vor über drei Jahren erzählt  hat: Das der Zugang zu den Geodaten doch schon besser geworden sei und  künftig noch einfacher werde. Nur dass im Januar 2007 im Gegensatz zu  heute „open data“ noch keine Rolle spielte und auch noch keine 50  Millionen iPhones verkauft waren, denn sie wurden erst rund ein Jahr  nach der damaligen Talkrunde auf einen Mobilfunkmarkt gebracht, der sich  dadurch ziemlich umgekrempelt hat.</p>
<p>Doch am Vortragsprogramm, in den Diskussison, den Keynotes, der  Pressekonferenz auf der Intergeo ist das alles ziemlich spurlos vorbei  gegangen. Dabei sollte man meinen, dass hier der Ort ist, solche  Entwicklungen zu diskutieren oder doch wenigstens zur Kenntnis zu  nehmen. Nochmal zugespitzt: Das Internet verschiebt gerade die  Grundkonstanten der Kommunikation, es ändert alle bislang als sicher  geltenden Regeln darüber, wie Information erzeugt und weitergegeben wird  – und die Experten der Geoinformatik auf dem weltweit größten  Branchenevent reden nicht einmal darüber. Da sind sogar die Kongresse  der Zeitungsverleger weiter, die zumindest die Entwicklung zur Kenntnis  nehmen und so etwas wie <span style="text-decoration: line-through;">Artenschutzrechte</span> Leistungsschutzrechte verlangen.</p>
<p>Auf dem ersten Wo-Kongress im vorigen Jahr habe ich eine <a href="http://www.geoinformatik2010.de/public/abstracts/wagner.pdf" target="_blank">Keynote</a> (PDF) gehört, die das Thema „Geoinformatik und der Rest der (Web-)Welt“  zumindest gestreift hat. Roland M. Wagner, Professer an der Beuth  Hochschule für Technik in Berlin hat die Entwicklungen in der  „GIS-Szene“ zwar vornehmlich unter technischen Gesichtspunkten, aber  immerhin überhaupt mal in die Gesamtentwicklung der Informationstechnik  eingebettet. Seine These: Die Geoinformatik greift die Entwicklungen des  IT-Mainstreams zumeist mit mehrjähriger Verzögerung auf – bis zu zehn  Jahre später.</p>
<p>Das war auf der Intergeo 2010 gut sichtbar.</p>
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		<item>
		<title>Gebäudedatenbank statt Fotosammlung</title>
		<link>http://www.geografitti.de/2010/08/13/gebaudedatenbank-statt-fotosammlung/</link>
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		<pubDate>Fri, 13 Aug 2010 10:40:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ttm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Der Leitartikel]]></category>

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		<description><![CDATA[Während sich die Diskussion über den Datenschutz an Googles StreetView entzündet, blieben die Aktivitäten vieler anderer Unternehmen öffentlich unbeachtet. Dabei werden an anderer Stelle viel mehr Daten zu Häusern und Gebäuden systematisch gesammelt und kommerziell genutzt . Das ist auch völlig legal. Warum also der Wirbel um StreetView, das im Grunde viel weniger leistet, als lange existierende umfangreichere und besser auswertbare Gebäudedatenbanken in ebenfalls privater Hand?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><!-- 		@page { margin: 2cm } 		P { margin-bottom: 0.21cm } -->In regelmäßigen Abständen schickt das Unternehmen seine Abgesandten durch Deutschlands Straßen. Haus für Haus erfassen diese das Land. Sie registrieren jedes Gebäude und können später genau sehen ob es sich um ein Reihenhaus oder einen Wohnblock handelt. Auch ob ein Garten vor dem Haus ersichtlich ist, wie klein oder groß dieser ist, als privat gelten kann oder eine Gemeinschaftsanlage darstellt, wird erfasst. Natürlich ist aus den gesammelten Aufzeichnungen auch die Qualität der Wohnlage zu entnehmen, der Grad der individuellen Gestaltung des Gebäudes sowie der Pflegezustand der Immobilie, soweit dies alles eben von der Straße aus ersichtlich ist. Und wo man die Häuser schon mal vor sich sieht, schätzt das erfahrene Auge auch gleich ihr Alter. Rund 19,6 Millionen Gebäude sind so persönlich in Augenschein genommen worden und bestimmt auch das Haus, in dem Sie wohnen. Denn das seien „nahezu 100 Prozent“ des Gebäudebestandes in Deutschland, wie sich das Unternehmen selbst rühmt.</p>
<p>Das Ergebnis ist eine der gefragtesten Datenbanken dieses Landes, denn natürlich finden solchermaßen systematisch gesammelte Informationen aus nahezu jeder Straße Deutschlands ihre Interessenten. Das sind zum Beispiel Banken, die wissen wollen, wie der potenzielle Kreditnehmer so wohnt, das sind Versandhändler, die ihre Gartenkataloge natürlich vor allem an Leute mit Gärten schicken wollen oder Bausparkassen, deren Kunden nicht schon ihr Häuschen im Grünen haben. Auch viele Filialunternehmen sind ganz wild darauf, mögliche Standorte ihrer Niederlassungen aufgrund des Umfeldes zu bewerten. Und die Daten finden natürlich auch ihre Berücksichtigung, wenn es darum geht die Kaufkraft einer Region zuverlässig zu schätzen. Die Abnehmer bezahlen recht ordentlich für das Recht, diese gesammelten Gebäudeinformationen zu nutzen. Das Geschäft rentiert sich für das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von rund 140 Millionen Euro.</p>
<p>Die Firma, die all diese Informationen so systematisch sammelt, heißt allerdings nicht Google sondern Schober Information Group. Die machen das auch nicht seit Neuestem, sondern schon seit mehreren Jahrzehnten. Ihre Mitarbeiter fotografieren die Häuser auch nicht, sondern füllen einen Fragebogen aus (siehe Bild). Der ist so gestaltet, dass die Informationen sofort operational erfasst werden, entsprechende IT-gestützte Auswertungssysteme also problemlos beliebige Recherchen nach Gebäuden durchführen können, die vorgegebene Kriterien erfüllen. Und ganz entscheidend: Natürlich lässt sich jedem Gebäude in der Datenbank eine Adresse zuordnen. Es fehlen aus Gründen des Datenschutzes nur Namen und Anzahl der Bewohner. Genau wie Google hat auch Schober die Hausbesitzer nie um Erlaubnis gefragt, räumt aber dafür auch kein Widerspruchsrecht ein. Schon gar nicht online. Nicht mal vier Wochen lang.</p>
<p style="text-align: left;"><a href="http://www.geografitti.de/wp-content/uploads/2010/08/erfassung.jpg"><img class="size-full wp-image-1616 aligncenter" style="border: 1px solid black; margin-top: 2px; margin-bottom: 2px;" title="erfassung" src="http://www.geografitti.de/wp-content/uploads/2010/08/erfassung.jpg" alt="" width="531" height="348" /></a></p>
<p style="text-align: left;">Das alles ist selbstverständlich legal. Hier werden schließlich keine persönlichen Daten erfasst sondern Gebäude und deswegen jucken die Aktivitäten von Schober ja auch niemanden.</p>
<p>Google StreetView fotografiert die Gebäude und ihre Umgebung systematisch. Zufällig dabei erfasste Personen werden unkenntlich gemacht. Google bewertet nicht den Zustand der Gebäude, des Gartens und niemand kann (bislang) in StreetView systematische Auswertungen vornehmen, um alle Gebäude einer Stadt zu sehen, die – sagen wir mal – in guter Wohnlage nach 1996 entstanden sind und durch einen besonders gepflegten Zustand sowie großen Garten glänzen.</p>
<p>In den Schober-Daten kann man das tun. Natürlich nicht jeder, denn Schober stellt seine Daten  tragischerweise nicht kostenlos ins Netz, sondern verlangt privates Geld für diese im öffentlichen Raum gesammelten Daten. Vielleicht sind sie deswegen nicht ganz so bekannt. Zudem betrachtet Schober die Gebäudedaten nicht isoliert, sondern bezieht zusätzlich statistische Daten von einer ganzen Reihe staatlicher Stellen, die sich mit der Gebäudedatenbank wunderbar kombinieren lassen. So entstehen Informationen ganz besondere Güte mit soziodemographische Daten wie Einwohnerzahlen, Alters- und regionalen Haushaltsstrukturen wie Einkommen, Konsumverhalten oder Ausländeranteil.</p>
<p>Das kann man für Geschäftszwecke alles nutzen und das ist im Rahmen des bestehenden Datenschutzes auch weitgehend problemlos. Denn auch hier werden im Sinne der entsprechenden Gesetze keine personenbezogenen Daten verarbeitet. Und in diesem Sinne ist auch StreetView  problemlos, weil es in gewisser Hinsicht weit hinter all dem zurückbleibt, was seit Jahrzehnten schon geschieht. Der einzige Unterschied: Es sind Fotos und Google stellt seine Daten (derzeit) in einer bestimmten Form der medialen Aufbereitung kostenlos im Internet zur Verfügung.</p>
<p>Man könnte daher mit einigem Recht behaupten, dass Verhalten all jener Politiker, die jetzt gegen StreetView agitieren, zeigt ein gehöriges Maß an Unwissen- und/oder Verlogenheit. Medienwirksam zu erklären, man werde Widerspruch gegen die Sichtbarkeit seines privaten Domizils darin einlegen ist billig. Google räumt dieses Recht ja freiwillig ein, denn eine gesetzliche Grundlage dafür gibt es nicht. Sein Häuschen aus der Schober-Datenbank entfernen zu lassen, wäre deswegen  das weitaus spannendere Unterfangen.</p>
<p>Es geht aber auch gar nicht um den Datenschutz, um Google oder das Internet, sondern schlicht um politische Geländegewinne, wenngleich die Gesamt-Spielwiese der etablierten Parteipolitik durch solche Aktionen immer kleiner wird. Nicht Aufklärung und Diskurs bestimmen die Debatte sondern Hysterie und taktische Spielchen. Aber das ist ja im Grunde genommen auch keine Nachricht, im Sinne von Neuigkeit.</p>
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		</item>
		<item>
		<title>Lex Google simuliert Politik</title>
		<link>http://www.geografitti.de/2010/04/28/lex-google-simuliert-politik/</link>
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		<pubDate>Wed, 28 Apr 2010 09:26:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ttm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Der Leitartikel]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Hamburger Justiz-Senator will im Bundesrat einen Gesetzentwurf  (PDF) einbringen, der das Bundesdatenschutzgesetz mit Blick auf Google Street-View, nun, sagen wir mal „präzisieren“ soll. Zusammenfassend könnte man sagen, dass die bisher freiwillig von Google akzeptierten Vereinbarungen mit den Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder dadurch rechtlich verbindlich werden. An die Stelle einer Selbstverpflichtung des Unternehmens tritt die gesetzliche Verpflichtung, Personen sowie Autokennzeichen unkenntlich zu machen und Häuser aus den Bild-Datenbanken zu entfernen, wenn der Besitzer oder mindestens ein Bewohner dies verlangt. Darüber hinaus soll die zuständige Aufsichtsbehörde (welche eigentlich?) un die Öffentlichkeit vor der Datenerhebung durch „Anzeige in örtlichen Tageszeitungen“ darüber sowie über ihr Widerspruchrecht informiert werden. Und ganz wichtig: Entfernung oder Überwindung blickschützender Vorrichtungen geht über den Begriff der „allgemeine Zugänglichkeit“ hinaus, ist also nicht erlaubt. Das zielt auf die von Google genutzte Aufnahmehöhe von rund 2,50 Meter, mit der man angeblich über mannshohe Zäune gucken kann.

Die ersten unmittelbaren Einwände zu dem Gesetz treffen allerdings nicht das Problem. Ausdrücklich sind laut Entwurf allein „systematische und georeferenzierte Abbildung oder Übermittlung fotografischer oder filmischer Straßenansichten“ gemeint. Eine echte Lex-Google wenn man so will.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Hamburger Justiz-Senator will im Bundesrat einen <a href="http://www.hamburg.de/contentblob/2228896/data/2010-04-27-jb-google-street-view-gesetzesantrag-bundesdatenschutzgesetz.pdf" target="_blank">Gesetzentwurf</a> (PDF) einbringen, der das Bundesdatenschutzgesetz mit Blick auf Google Street-View, nun, sagen wir mal „präzisieren“ soll. Zusammenfassend könnte man sagen, dass die bisher freiwillig von Google akzeptierten Vereinbarungen mit den Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder dadurch rechtlich verbindlich werden. An die Stelle einer Selbstverpflichtung des Unternehmens tritt die gesetzliche Verpflichtung, Personen sowie Autokennzeichen unkenntlich zu machen und Häuser aus den Bild-Datenbanken zu entfernen, wenn der Besitzer oder mindestens ein Bewohner dies verlangt. Darüber hinaus soll die zuständige Aufsichtsbehörde (welche eigentlich?) un die Öffentlichkeit vor der Datenerhebung durch „Anzeige in örtlichen Tageszeitungen“ darüber sowie über ihr Widerspruchrecht informiert werden. Und ganz wichtig: Entfernung oder Überwindung blickschützender Vorrichtungen geht über den Begriff der „allgemeine Zugänglichkeit“ hinaus, ist also nicht erlaubt. Das zielt auf die von Google genutzte Aufnahmehöhe von rund 2,50 Meter, mit der man angeblich über mannshohe Zäune gucken kann.</p>
<p>Die ersten unmittelbaren <a href="http://wiegold.wordpress.com/2010/04/27/wir-nennen-es-datenschutz-2/" target="_blank">Einwände</a> zu dem Gesetz treffen allerdings nicht das Problem. Ausdrücklich sind laut Entwurf allein „systematische und georeferenzierte Abbildung oder Übermittlung fotografischer oder filmischer Straßenansichten“ gemeint. Eine echte Lex-Google, wenn man so will. Juristen dürfen sich freuen: Ob ein solches Gesetz auch die systematische Nutzung von sehr unsystematisch gesammelten Flickr-Fotos erlaubt, wie sie Microsoft mit Photosynth erlaubt (zum Beispiel die <a href="http://photosynth.net/view.aspx?cid=f9ff8c9f-1f17-424c-9a40-fbecc3fedc5d" target="_blank">Bremer Innenstadt</a>), ist bestimmt ein Rechtsstreit wert. Und wie steht es mit der systematischen, fragebogen-gestützten Sichtung und Bewertung von rund 19 Millionen Wohnhäusern dieses Landes durch die <a href="http://www.schober.de/site/index.php?id=141" target="_blank">Schober Information Group</a>?  Das Unternehmen stellt zwar keine georeferenzierten Fotografien ins Netz, verkauft aber georeferenzierte Information über Zustand und Bauart der Häuser. Interessantes Detail: Diese Daten sind nicht einmal Daten, die unter das Bundesdatenschutzgesetz fallen, weil es formal keine personenebezogenen Daten sind. Wieso sollen die Google-Fotos es sein? Man sikeht, hier wird mit zweierlei Maß gemessen und das hat wenig mit der Sachlage und viel mit dem politischen Tauschwert zu tun, den Google-Bashing derzeit besitzt.</p>
<p>In der Sache ginge es tatsächlich um die Bewertung, wann ein Datum personengebunden wird und damit unter das Bundesdatenschutzgesetz fällt und wann nicht. Dazu gibt es derzeit zwei unterschiedliche Rechtsauffassungen und noch kein höchstrichterliches Urteil. Diese Rechtsauffassungen im Detail darzustellen, könnte juristisch etwas ausufern, deswegen nur soviel: Eine enge Auslegung hält auch jene Daten für personenbezogen, bei denen die Möglichkeit besteht, sie durch Verknüpfung mit Adressdaten auf eine Person zu beziehen. Eine großzügigerer Auslegung sagt, erst das verknüpfte und eindeutig einer Person zuzuordnende Datum fällt unter die Regeln des Datenschutzgesetzes. Für weitere Komplikationen sorgen dabei Begriffe wie „eindeutig zuzuordnen“ (Adresse ist nicht gleich Person!) sowie der Umstand das selbst bei Daten, die unter das Bundesdatenschutzgesetz fallen immer noch eine Rechtsabwägung möglich ist, bei denen ein allgemeines Nutzungsinteresse das Interesse des Einzelnen an seinen Daten überwiegen kann. Das macht viele Einzelfallentscheidungen notwendig, die jeweil sehr genau die Sachlage betrachten. Will man den Datenschutz wirklich strenger handhaben, ist es mit einer öffentlichkeitswirksamen Lex Google jedenfalls nicht getan. Das ist mit Verlaub Politiksimulation oder auch die übliche Schaufensterpolitik.</p>
<p>Insgesamt ist es ohnehin ein merkwürdiger Tanz, den die handelnden Personen im Bereich Datenschutz da gerade aufführen. Da gibt es einerseits zahlreiche Baustellen, in denen Bundesregierung und Europäische Union eifrig daran basteln, möglichst viele Daten zu sammeln und weiterzugeben, (SWIFT-Abkommen, Vorratsdatenspeicherung, ELENA, Online-Durchsuchung etc.) gepaart mit dem Versuch Zugangsbeschränkungen zu etablieren (Diskussion um Leistungsschutzrechte, Netzsperren, Urheberrecht, Three Strikes etc.). Andererseits registriert der Staat allmählich die Existenz privater Datensammler von SchülerVZ über Facebook bis Google und versucht sich als oberster Datenschützer zu etablieren.</p>
<p>Das kann man auch so interpretieren, dass der Staat weiterhin das Monopol im Daten sammeln behalten möchte und die private Konkurrenz entweder über den Datenschutz aushebeln oder aber sich die Zugriffsrechte an den Daten sichern will, falls das mit dem Datenschutz nicht klappt.  Es steht jeden frei, diesen Gedanken zu einer veritable Verschwörungstheorie auszubauen. Ich vermute dahinter allerdings keinen perfiden Plan, sondern schlicht planloses und tendenziell inkompetentes politisches Handeln, das in seiner Häufung dann zu diesem Ergebnis führt. Für ein Unglück müssen ja immer zahlreiche Faktoren in einer blöden Verkettung zusammen kommen. Das ist in der Politik nicht anders.</p>
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		<title>PolyGIS 2010: Technologie oder Marketing?</title>
		<link>http://www.geografitti.de/2009/09/22/polygis-2010-technologie-oder-marketing/</link>
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		<pubDate>Tue, 22 Sep 2009 20:59:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ttm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Der Leitartikel]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt ein GIS-Produkt in Deutschland, dass eine etwas merkwürdige Besitzstruktur aufweist: PolyGIS. Denn nicht irgendeine PolyGIS GmbH, sondern gleich zwei  Unternehmen sind mit diesem Geoinformationssystem auf dem Markt: Das Software-Büro Lothar Bubel GmbH - kurz SWBB – aus dem Saarland und die Ingenieurgesellschaft für angewandte Computertechnik mbH Leipzig, kurz IAC. Beide Unternehmen haben unterschiedliche Rechte an der Software, SWBB gehört gewissermaßen die Technik, IAC besitzt die Namensrechte und hatte bislang eindeutig den schlagkräftigeren Vertrieb. Wie es ab 1997 zu dieser sächsisch-saarländischen Kooperation kam ist eine Geschichte für sich, aber zumindest ist das Ergebnis eine ziemliche Erfolgsgeschichte: Über 1200 Kommunen in ganz Deutschland nutzen PolyGIS.

Es ist gewissermaßen das GIS des kleinen Mannes oder wie es ein Wettbewerber mal ausdrückte. „Die PolyGIS-Leute haben Städte und Gemeinden als Kunden, deren Namen nicht mal auf unserer Vertriebskarte stehen.“ Bei den kommunalen Anwendungen ist PolyGIS jedenfalls die unangefochtene Nummer eins, was unter anderem darin begründet ist, dass die Software inzwischen rund 40 fertige Fachanwendungen kennt, die alle mit mehr oder weniger der gleichen Desktop-Oberfläche arbeiten. Kennt man eine, kennt man quasi alle. In kleinen Kommunen, wo der einzelne Sachbearbeiter von der Friedhofsverwaltung über die Grünflächen bis zum Kanalkataster schon mal mehrere Fachgebiete nebeneinander beackert ist das ein gutes Verkaufsargument.

Allerdings ist die Zusammenarbeit der beiden Partner schon in der Vergangenheit nicht immer spannungsfrei gewesen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt ein GIS-Produkt in Deutschland, dass eine etwas merkwürdige Besitzstruktur aufweist: PolyGIS. Denn nicht irgendeine PolyGIS GmbH, sondern gleich zwei  Unternehmen sind mit diesem Geoinformationssystem auf dem Markt: Das Software-Büro Lothar Bubel GmbH &#8211; kurz <a href="http://www.swbb.de" target="_blank">SWBB</a> – aus dem Saarland und die Ingenieurgesellschaft für angewandte Computertechnik mbH Leipzig, kurz <a href="http://www.iac-leipzig.de" target="_blank">IAC</a>. Beide Unternehmen haben unterschiedliche Rechte an der Software, SWBB gehört gewissermaßen die Technik, IAC besitzt die Namensrechte und hatte bislang eindeutig den schlagkräftigeren Vertrieb. Wie es ab 1997 zu dieser sächsisch-saarländischen Kooperation kam ist eine Geschichte für sich, aber zumindest ist das Ergebnis eine ziemliche Erfolgsgeschichte: Über 1200 Kommunen in ganz Deutschland nutzen PolyGIS.</p>
<p>Es ist gewissermaßen das GIS des kleinen Mannes oder wie es ein Wettbewerber mal ausdrückte. „Die PolyGIS-Leute haben Städte und Gemeinden als Kunden, deren Namen nicht mal auf unserer Vertriebskarte stehen.“ Bei den kommunalen Anwendungen ist PolyGIS jedenfalls die unangefochtene Nummer eins, was unter anderem darin begründet ist, dass die Software inzwischen rund 40 fertige Fachanwendungen kennt, die alle mit mehr oder weniger der gleichen Desktop-Oberfläche arbeiten. Kennt man eine, kennt man quasi alle. In kleinen Kommunen, wo der einzelne Sachbearbeiter von der Friedhofsverwaltung über die Grünflächen bis zum Kanalkataster schon mal mehrere Fachgebiete nebeneinander beackert ist das ein gutes Verkaufsargument.</p>
<p>Allerdings ist die Zusammenarbeit der beiden Partner schon in der Vergangenheit nicht immer spannungsfrei gewesen. Man könnte vereinfacht sagen, die Geschäftsführer mögen sich nicht. Aber das trifft es nicht ganz. Eigentlich leben sie auf verschiedenen Planeten, kulturell betrachtet. Aber keiner konnte ohne den anderen PolyGIS entwickeln und vertreiben.</p>
<p>Diese Vorgeschichte sollte man kennen, wenn Intergraph und IAC jetzt eine Entwicklungspartnerschaft für PolyGIS <a href="http://www.intergraph.com/global/de/pressreleases/2009/sgi21092009.aspx" target="_blank">verkünden</a>. Offenbar haben die bisherigen Partner ihre zerrüttete Zwangsehe beendet und wie es aussieht, geht das mit den üblichen Begleiterscheinungen einer unfriedlichen Scheidung einher. Denn die SWBB wurde von der Untreue des Partners kalt erwischt.</p>
<blockquote><p>Wir wurden in der Pressemitteilung der Intergraph EMEA am 21.09.2009 (PR SG&amp;I Nr. 17/2009) überraschend darüber informiert, dass unser Vertriebspartner, die IAC mbH, Leipzig, eine Partnerschaft mit einem unserer Mitbewerber, der Intergraph, eingegangen ist,</p></blockquote>
<p>heißt es auf deren <a href="http://www.swbb.de/index.php/93/?&amp;cHash=81b51eeb4b&amp;tx_ttnews[backPid]=72&amp;tx_ttnews[tt_news]=39" target="_blank">Webseite</a>. Das gibt Arbeit für die Scheidungsanwälte, nachgewiesenen Untreue sozusagen, denn die SWBB spricht noch von „unser Vertriebspartner“, woraus sich schlussfolgern lässt, dass die Partnerschaft zumindest auf dem Papier noch besteht.</p>
<p>Aber ganz unabhängig von allen noch folgenden juristischen Scharmützeln, wird das eine spannende Sache. Alles was PolyGIS heute technologisch darstellt, stammt von SWBB. Alles was PolyGIS als Marke und Image darstellt stammt mehr oder weniger von IAC. Damit hat de facto der Wettlauf begonnen, wer schneller den jeweils wegbrechenden Teil des bisherigen Partners ausgleicht. Wie zügig wird und kann SWBB eine neue Marke aufbauen? Wie schnell können IAC und Intergraph die vorhandene Kerntechtechnolgie von PolyGIS ersetzen? Und was ist für die Kunden wichtiger? Der Name? Die Technologie? Die gewohnten Vertriebsnasen? Das ist ein wirklich interessantes und zudem auch noch weitgehend öffentliches Experiment.</p>
<p>Momentan sieht es nach leichten Vorteilen für IAC aus. Zumindest gibt es von dieser Seite eine künftige Perspektive, die Intergraph heißt. Für den Sommer 2010 ist mit deren Hilfe ein runderneuertes PolyGIS versprochen. Ob die PolyGIS-Kunden allerdings Intergraph-Technik wollen, muss sich zeigen. Und kleine Bemerkung am Rande: Wenn man die versprochenen kommunalen WebGIS-Lösungen erst noch entwickeln muss, scheint Intergraph da noch nicht viel anbieten zu könnn.</p>
<p>Dagegen stellt SWBB auf der aktuellen Intergeo gerade eine vollständig webbasierte und diensteorientierte GIS-Lösung für Kommunen vor, verfügt also nach eigener Darstellung über genau das (PolyGIS)-Produkt, dass IAC und Intergraph fürs kommende Jahr versprechen. Wenn SWBB es halbwegs schlau anpackt, neige ich deshalb dazu, auf lange Sicht hier den nachhaltigeren Erfolg zu erwarten, auch wenn ich den Laden bislang vornehmlich als Entwicklerbude wahrgenommen habe, die ganz froh waren, sich um so etwas wie Marketing nicht kümmern zu müssen. Aber man kann sich täuschen und wenn ich es richtig sehe, gibt es acht bis zehn Monate Vorsprung bei der Produktentwicklung, sogar wenn IAC und Intergraph alle Versprechungen einlösen.</p>
<p>Irgendeine ansprechende Verpackung für ihre Software werden die Saarländer schon finden.<br />
<em></em></p>
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		<title>Geocaching &#8211; eine Polemik</title>
		<link>http://www.geografitti.de/2009/09/15/geocaching-eine-polemik/</link>
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		<pubDate>Tue, 15 Sep 2009 08:45:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ttm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Der Leitartikel]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich verfolge die Geocaching-Community ja nur noch am Rande. Das hat (auch) zeitliche Gründe, aber vor allen Dingen etwas mit – jetzt muss ich vorsichtig sein – den Cachern zu tun, oder sagen wir mal, mit den (also nicht allen, aber vielen) Geocachern, die ich bislang auf Geocaching-Events getroffen habe. Vielleicht könnte man in Anlehnung an Heiner Müller auch sagen: Zehn Geocacher sind dümmer als einer.

Das war schon bei meinem ersten Event-Cache vor fast fünf Jahren so. Ich dachte man trifft sich am Grill, plaudert ein bisschen übers gemeinsame Hobby, tauscht Erfahrungen und Tipps aus und macht es sich irgendwie gemütlich. Aber nix da: Alle rannten wie aufgescheuchte Hühner rum, nur um ja keine Log-Möglichkeit der eigens zum Event ausgelegten Caches zu verpassen. Also saß ich so ziemlich alleine am Treffpunkt und dachte, um was geht’s eigentlich: Sich treffen oder Log-Punkte jagen?

Seitdem habe ich Event-Caches gemieden, bis auf den ein oder anderen Stammtisch ab und an, bei dem klar war, da wird keine Dose gesucht. Endgültig den Rest gab mir – nach langer Pause - der jüngste Mega-Event in Bremen mit rund 2000 Geocachern. Ich konnte es nicht fassen, all diese selbstgebastelten T-Shirts, Abzeichen, Wichtig-Namensschilder (VIP !!) und Wimpel. Es gab sogar eine Art Konferenz-Empfang mit Ausgabe der Tagungsunterlagen oder so ähnlich. Und mein Gefühl sagt mir: Das meinten die nicht ironisch, wie Geocacher überhaupt im Rudel ziemlich humorlos sind. Endgültig unerträglich machte es allerdings diese spürbare Sucht der versammelten Gemeinde nach offizieller Anerkennung. Wozu eigentlich?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich verfolge die Geocaching-Community ja nur noch am Rande. Das hat (auch) zeitliche Gründe, aber vor allen Dingen etwas mit – jetzt muss ich vorsichtig sein – den Cachern zu tun, oder sagen wir mal, mit den (also nicht allen, aber vielen) Geocachern, die ich bislang auf Geocaching-Events getroffen habe. Vielleicht könnte man in Anlehnung an Heiner Müller auch sagen: Zehn Geocacher sind dümmer als einer.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Das war schon bei meinem ersten Event-Cache vor fast fünf Jahren so. Ich dachte man trifft sich am Grill, plaudert ein bisschen übers gemeinsame Hobby, tauscht Erfahrungen und Tipps aus und macht es sich irgendwie gemütlich. Aber nix da: Alle rannten wie aufgescheuchte Hühner rum, nur um ja keine Log-Möglichkeit der eigens zum Event ausgelegten Caches zu verpassen. Also saß ich so ziemlich alleine am Treffpunkt und dachte, um was geht’s eigentlich: Sich treffen oder Log-Punkte jagen?</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Seitdem habe ich Event-Caches gemieden, bis auf den ein oder anderen Stammtisch ab und an, bei dem klar war, da wird keine Dose gesucht. Endgültig den Rest gab mir – nach langer Pause &#8211;  der jüngste Mega-Event in Bremen mit rund 2000 Geocachern. Ich konnte es nicht fassen, all diese selbstgebastelten T-Shirts, Abzeichen, Wichtig-Namensschilder (VIP !!) und Wimpel. Es gab sogar eine Art Konferenz-Empfang mit Ausgabe der Tagungsunterlagen oder so ähnlich. Und mein Gefühl sagt mir: Das meinten die nicht ironisch, wie Geocacher überhaupt im Rudel ziemlich humorlos sind. Endgültig unerträglich machte es allerdings diese spürbare Sucht der versammelten Gemeinde nach offizieller Anerkennung. Wozu eigentlich?</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Aus meiner Sicht ist Geocaching eine ziemlich einsame und vor allen Dingen nicht-öffentliche Veranstaltung. Man zieht allein oder mit Partner los, löst die gestellten Aufgaben, genießt  im Idealfall die schöne Umgebung, findet bestenfalls den Cache und trägt sich ins Logbuch ein. Das wars. Die realen Personen hinter den Spitznamen interessieren mich nicht. Ich finde es toll, dass jemand sich die Mühe macht, einen Cache zu legen und zu pflegen, aber muss ich ihn deswegen kennen lernen? Ich mache mir außerdem die Mühe, den Cache zu suchen und wenn ich dies nicht tun würde, wäre das Verstecken eine ziemlich sinnlose Sache. Man handelt unabhängig voneinander, aber auf Gegenseitigkeit, verbunden durch das Internet, nicht durch persönliche Verabredung. Das finde ich wirklich spannend.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Die Faszination des Geocachens liegt im meiner Wahrnehmung zu einem guten Teil in dieser Anonymität und Nicht-Öffentlichkeit der Sache. Im Kern betrachte ich Geocaching sogar als subversiv, anarchisch und politisch unkorrekt. Ich kläre mit keinem Oberförster ab, wo ich einen Cache lege. Ich lege ihn. Punkt. Wenn Oberförster meint, ihn entfernen zu müssen, auch gut. Pech gehabt. Nächster Cache.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Wenn eine Plastikdose an einer Brücke heute Polizei-Großeinsätze aus lauter Terrorangst auslöst, dann ist nicht derjenige „Schuld“, der dort einen Cache gelegt hat, sondern der Vorgang illustriert allenfalls den hysterischen Zustand der Gesellschaft, von dem sich nicht wenige „vernünftige“ Geocacher anstecken lassen, die natürlich nicht verstehen, wie man an so einem neuralgischen Punkt einen Cache verstecken kann.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">So gesehen, verstehe ich Geocaching sogar als gesellschaftlichen Protest. Habe ich als Bürger nicht die Freiheit, Plastikdosen abzulegen, wo ich möchte? Geocachen ist im Prinzip sinnlos und unvernünftig, aber ich habe das Recht darauf, sinnlose und unvernünftige Dinge zu tun. Wenn allerdings auf Geocaching-Events zumindest für mich spürbar wird, wie sich die verbissene Begeisterung fürs eigene Hobby noch mit der Angst ergänzt, damit irgendwie anzuecken, dann wird Geocaching zu einer ziemlich spießigen Angelegenheit. Gab es eigentlich schon eine Vereinsgründung dazu?</p>
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