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	<title>Geografitti - nicht nur Geografisches &#187; Der Leitartikel</title>
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	<description>Die Vermessung meiner Welt</description>
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		<title>Lex Google simuliert Politik</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Apr 2010 09:26:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ttm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Der Leitartikel]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Hamburger Justiz-Senator will im Bundesrat einen Gesetzentwurf  (PDF) einbringen, der das Bundesdatenschutzgesetz mit Blick auf Google Street-View, nun, sagen wir mal „präzisieren“ soll. Zusammenfassend könnte man sagen, dass die bisher freiwillig von Google akzeptierten Vereinbarungen mit den Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder dadurch rechtlich verbindlich werden. An die Stelle einer Selbstverpflichtung des Unternehmens tritt die gesetzliche Verpflichtung, Personen sowie Autokennzeichen unkenntlich zu machen und Häuser aus den Bild-Datenbanken zu entfernen, wenn der Besitzer oder mindestens ein Bewohner dies verlangt. Darüber hinaus soll die zuständige Aufsichtsbehörde (welche eigentlich?) un die Öffentlichkeit vor der Datenerhebung durch „Anzeige in örtlichen Tageszeitungen“ darüber sowie über ihr Widerspruchrecht informiert werden. Und ganz wichtig: Entfernung oder Überwindung blickschützender Vorrichtungen geht über den Begriff der „allgemeine Zugänglichkeit“ hinaus, ist also nicht erlaubt. Das zielt auf die von Google genutzte Aufnahmehöhe von rund 2,50 Meter, mit der man angeblich über mannshohe Zäune gucken kann.

Die ersten unmittelbaren Einwände zu dem Gesetz treffen allerdings nicht das Problem. Ausdrücklich sind laut Entwurf allein „systematische und georeferenzierte Abbildung oder Übermittlung fotografischer oder filmischer Straßenansichten“ gemeint. Eine echte Lex-Google wenn man so will.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Hamburger Justiz-Senator will im Bundesrat einen <a href="http://www.hamburg.de/contentblob/2228896/data/2010-04-27-jb-google-street-view-gesetzesantrag-bundesdatenschutzgesetz.pdf" target="_blank">Gesetzentwurf</a> (PDF) einbringen, der das Bundesdatenschutzgesetz mit Blick auf Google Street-View, nun, sagen wir mal „präzisieren“ soll. Zusammenfassend könnte man sagen, dass die bisher freiwillig von Google akzeptierten Vereinbarungen mit den Datenschutzbeauftragten des Bundes und der Länder dadurch rechtlich verbindlich werden. An die Stelle einer Selbstverpflichtung des Unternehmens tritt die gesetzliche Verpflichtung, Personen sowie Autokennzeichen unkenntlich zu machen und Häuser aus den Bild-Datenbanken zu entfernen, wenn der Besitzer oder mindestens ein Bewohner dies verlangt. Darüber hinaus soll die zuständige Aufsichtsbehörde (welche eigentlich?) un die Öffentlichkeit vor der Datenerhebung durch „Anzeige in örtlichen Tageszeitungen“ darüber sowie über ihr Widerspruchrecht informiert werden. Und ganz wichtig: Entfernung oder Überwindung blickschützender Vorrichtungen geht über den Begriff der „allgemeine Zugänglichkeit“ hinaus, ist also nicht erlaubt. Das zielt auf die von Google genutzte Aufnahmehöhe von rund 2,50 Meter, mit der man angeblich über mannshohe Zäune gucken kann.</p>
<p>Die ersten unmittelbaren <a href="http://wiegold.wordpress.com/2010/04/27/wir-nennen-es-datenschutz-2/" target="_blank">Einwände</a> zu dem Gesetz treffen allerdings nicht das Problem. Ausdrücklich sind laut Entwurf allein „systematische und georeferenzierte Abbildung oder Übermittlung fotografischer oder filmischer Straßenansichten“ gemeint. Eine echte Lex-Google, wenn man so will. Juristen dürfen sich freuen: Ob ein solches Gesetz auch die systematische Nutzung von sehr unsystematisch gesammelten Flickr-Fotos erlaubt, wie sie Microsoft mit Photosynth erlaubt (zum Beispiel die <a href="http://photosynth.net/view.aspx?cid=f9ff8c9f-1f17-424c-9a40-fbecc3fedc5d" target="_blank">Bremer Innenstadt</a>), ist bestimmt ein Rechtsstreit wert. Und wie steht es mit der systematischen, fragebogen-gestützten Sichtung und Bewertung von rund 19 Millionen Wohnhäusern dieses Landes durch die <a href="http://www.schober.de/site/index.php?id=141" target="_blank">Schober Information Group</a>?  Das Unternehmen stellt zwar keine georeferenzierten Fotografien ins Netz, verkauft aber georeferenzierte Information über Zustand und Bauart der Häuser. Interessantes Detail: Diese Daten sind nicht einmal Daten, die unter das Bundesdatenschutzgesetz fallen, weil es formal keine personenebezogenen Daten sind. Wieso sollen die Google-Fotos es sein? Man sikeht, hier wird mit zweierlei Maß gemessen und das hat wenig mit der Sachlage und viel mit dem politischen Tauschwert zu tun, den Google-Bashing derzeit besitzt.</p>
<p>In der Sache ginge es tatsächlich um die Bewertung, wann ein Datum personengebunden wird und damit unter das Bundesdatenschutzgesetz fällt und wann nicht. Dazu gibt es derzeit zwei unterschiedliche Rechtsauffassungen und noch kein höchstrichterliches Urteil. Diese Rechtsauffassungen im Detail darzustellen, könnte juristisch etwas ausufern, deswegen nur soviel: Eine enge Auslegung hält auch jene Daten für personenbezogen, bei denen die Möglichkeit besteht, sie durch Verknüpfung mit Adressdaten auf eine Person zu beziehen. Eine großzügigerer Auslegung sagt, erst das verknüpfte und eindeutig einer Person zuzuordnende Datum fällt unter die Regeln des Datenschutzgesetzes. Für weitere Komplikationen sorgen dabei Begriffe wie „eindeutig zuzuordnen“ (Adresse ist nicht gleich Person!) sowie der Umstand das selbst bei Daten, die unter das Bundesdatenschutzgesetz fallen immer noch eine Rechtsabwägung möglich ist, bei denen ein allgemeines Nutzungsinteresse das Interesse des Einzelnen an seinen Daten überwiegen kann. Das macht viele Einzelfallentscheidungen notwendig, die jeweil sehr genau die Sachlage betrachten. Will man den Datenschutz wirklich strenger handhaben, ist es mit einer öffentlichkeitswirksamen Lex Google jedenfalls nicht getan. Das ist mit Verlaub Politiksimulation oder auch die übliche Schaufensterpolitik.</p>
<p>Insgesamt ist es ohnehin ein merkwürdiger Tanz, den die handelnden Personen im Bereich Datenschutz da gerade aufführen. Da gibt es einerseits zahlreiche Baustellen, in denen Bundesregierung und Europäische Union eifrig daran basteln, möglichst viele Daten zu sammeln und weiterzugeben, (SWIFT-Abkommen, Vorratsdatenspeicherung, ELENA, Online-Durchsuchung etc.) gepaart mit dem Versuch Zugangsbeschränkungen zu etablieren (Diskussion um Leistungsschutzrechte, Netzsperren, Urheberrecht, Three Strikes etc.). Andererseits registriert der Staat allmählich die Existenz privater Datensammler von SchülerVZ über Facebook bis Google und versucht sich als oberster Datenschützer zu etablieren.</p>
<p>Das kann man auch so interpretieren, dass der Staat weiterhin das Monopol im Daten sammeln behalten möchte und die private Konkurrenz entweder über den Datenschutz aushebeln oder aber sich die Zugriffsrechte an den Daten sichern will, falls das mit dem Datenschutz nicht klappt.  Es steht jeden frei, diesen Gedanken zu einer veritable Verschwörungstheorie auszubauen. Ich vermute dahinter allerdings keinen perfiden Plan, sondern schlicht planloses und tendenziell inkompetentes politisches Handeln, das in seiner Häufung dann zu diesem Ergebnis führt. Für ein Unglück müssen ja immer zahlreiche Faktoren in einer blöden Verkettung zusammen kommen. Das ist in der Politik nicht anders.</p>
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		<title>PolyGIS 2010: Technologie oder Marketing?</title>
		<link>http://www.geografitti.de/2009/09/22/polygis-2010-technologie-oder-marketing/</link>
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		<pubDate>Tue, 22 Sep 2009 20:59:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ttm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Der Leitartikel]]></category>

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		<description><![CDATA[Es gibt ein GIS-Produkt in Deutschland, dass eine etwas merkwürdige Besitzstruktur aufweist: PolyGIS. Denn nicht irgendeine PolyGIS GmbH, sondern gleich zwei  Unternehmen sind mit diesem Geoinformationssystem auf dem Markt: Das Software-Büro Lothar Bubel GmbH - kurz SWBB – aus dem Saarland und die Ingenieurgesellschaft für angewandte Computertechnik mbH Leipzig, kurz IAC. Beide Unternehmen haben unterschiedliche Rechte an der Software, SWBB gehört gewissermaßen die Technik, IAC besitzt die Namensrechte und hatte bislang eindeutig den schlagkräftigeren Vertrieb. Wie es ab 1997 zu dieser sächsisch-saarländischen Kooperation kam ist eine Geschichte für sich, aber zumindest ist das Ergebnis eine ziemliche Erfolgsgeschichte: Über 1200 Kommunen in ganz Deutschland nutzen PolyGIS.

Es ist gewissermaßen das GIS des kleinen Mannes oder wie es ein Wettbewerber mal ausdrückte. „Die PolyGIS-Leute haben Städte und Gemeinden als Kunden, deren Namen nicht mal auf unserer Vertriebskarte stehen.“ Bei den kommunalen Anwendungen ist PolyGIS jedenfalls die unangefochtene Nummer eins, was unter anderem darin begründet ist, dass die Software inzwischen rund 40 fertige Fachanwendungen kennt, die alle mit mehr oder weniger der gleichen Desktop-Oberfläche arbeiten. Kennt man eine, kennt man quasi alle. In kleinen Kommunen, wo der einzelne Sachbearbeiter von der Friedhofsverwaltung über die Grünflächen bis zum Kanalkataster schon mal mehrere Fachgebiete nebeneinander beackert ist das ein gutes Verkaufsargument.

Allerdings ist die Zusammenarbeit der beiden Partner schon in der Vergangenheit nicht immer spannungsfrei gewesen.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es gibt ein GIS-Produkt in Deutschland, dass eine etwas merkwürdige Besitzstruktur aufweist: PolyGIS. Denn nicht irgendeine PolyGIS GmbH, sondern gleich zwei  Unternehmen sind mit diesem Geoinformationssystem auf dem Markt: Das Software-Büro Lothar Bubel GmbH &#8211; kurz <a href="http://www.swbb.de" target="_blank">SWBB</a> – aus dem Saarland und die Ingenieurgesellschaft für angewandte Computertechnik mbH Leipzig, kurz <a href="http://www.iac-leipzig.de" target="_blank">IAC</a>. Beide Unternehmen haben unterschiedliche Rechte an der Software, SWBB gehört gewissermaßen die Technik, IAC besitzt die Namensrechte und hatte bislang eindeutig den schlagkräftigeren Vertrieb. Wie es ab 1997 zu dieser sächsisch-saarländischen Kooperation kam ist eine Geschichte für sich, aber zumindest ist das Ergebnis eine ziemliche Erfolgsgeschichte: Über 1200 Kommunen in ganz Deutschland nutzen PolyGIS.</p>
<p>Es ist gewissermaßen das GIS des kleinen Mannes oder wie es ein Wettbewerber mal ausdrückte. „Die PolyGIS-Leute haben Städte und Gemeinden als Kunden, deren Namen nicht mal auf unserer Vertriebskarte stehen.“ Bei den kommunalen Anwendungen ist PolyGIS jedenfalls die unangefochtene Nummer eins, was unter anderem darin begründet ist, dass die Software inzwischen rund 40 fertige Fachanwendungen kennt, die alle mit mehr oder weniger der gleichen Desktop-Oberfläche arbeiten. Kennt man eine, kennt man quasi alle. In kleinen Kommunen, wo der einzelne Sachbearbeiter von der Friedhofsverwaltung über die Grünflächen bis zum Kanalkataster schon mal mehrere Fachgebiete nebeneinander beackert ist das ein gutes Verkaufsargument.</p>
<p>Allerdings ist die Zusammenarbeit der beiden Partner schon in der Vergangenheit nicht immer spannungsfrei gewesen. Man könnte vereinfacht sagen, die Geschäftsführer mögen sich nicht. Aber das trifft es nicht ganz. Eigentlich leben sie auf verschiedenen Planeten, kulturell betrachtet. Aber keiner konnte ohne den anderen PolyGIS entwickeln und vertreiben.</p>
<p>Diese Vorgeschichte sollte man kennen, wenn Intergraph und IAC jetzt eine Entwicklungspartnerschaft für PolyGIS <a href="http://www.intergraph.com/global/de/pressreleases/2009/sgi21092009.aspx" target="_blank">verkünden</a>. Offenbar haben die bisherigen Partner ihre zerrüttete Zwangsehe beendet und wie es aussieht, geht das mit den üblichen Begleiterscheinungen einer unfriedlichen Scheidung einher. Denn die SWBB wurde von der Untreue des Partners kalt erwischt.</p>
<blockquote><p>Wir wurden in der Pressemitteilung der Intergraph EMEA am 21.09.2009 (PR SG&amp;I Nr. 17/2009) überraschend darüber informiert, dass unser Vertriebspartner, die IAC mbH, Leipzig, eine Partnerschaft mit einem unserer Mitbewerber, der Intergraph, eingegangen ist,</p></blockquote>
<p>heißt es auf deren <a href="http://www.swbb.de/index.php/93/?&amp;cHash=81b51eeb4b&amp;tx_ttnews[backPid]=72&amp;tx_ttnews[tt_news]=39" target="_blank">Webseite</a>. Das gibt Arbeit für die Scheidungsanwälte, nachgewiesenen Untreue sozusagen, denn die SWBB spricht noch von „unser Vertriebspartner“, woraus sich schlussfolgern lässt, dass die Partnerschaft zumindest auf dem Papier noch besteht.</p>
<p>Aber ganz unabhängig von allen noch folgenden juristischen Scharmützeln, wird das eine spannende Sache. Alles was PolyGIS heute technologisch darstellt, stammt von SWBB. Alles was PolyGIS als Marke und Image darstellt stammt mehr oder weniger von IAC. Damit hat de facto der Wettlauf begonnen, wer schneller den jeweils wegbrechenden Teil des bisherigen Partners ausgleicht. Wie zügig wird und kann SWBB eine neue Marke aufbauen? Wie schnell können IAC und Intergraph die vorhandene Kerntechtechnolgie von PolyGIS ersetzen? Und was ist für die Kunden wichtiger? Der Name? Die Technologie? Die gewohnten Vertriebsnasen? Das ist ein wirklich interessantes und zudem auch noch weitgehend öffentliches Experiment.</p>
<p>Momentan sieht es nach leichten Vorteilen für IAC aus. Zumindest gibt es von dieser Seite eine künftige Perspektive, die Intergraph heißt. Für den Sommer 2010 ist mit deren Hilfe ein runderneuertes PolyGIS versprochen. Ob die PolyGIS-Kunden allerdings Intergraph-Technik wollen, muss sich zeigen. Und kleine Bemerkung am Rande: Wenn man die versprochenen kommunalen WebGIS-Lösungen erst noch entwickeln muss, scheint Intergraph da noch nicht viel anbieten zu könnn.</p>
<p>Dagegen stellt SWBB auf der aktuellen Intergeo gerade eine vollständig webbasierte und diensteorientierte GIS-Lösung für Kommunen vor, verfügt also nach eigener Darstellung über genau das (PolyGIS)-Produkt, dass IAC und Intergraph fürs kommende Jahr versprechen. Wenn SWBB es halbwegs schlau anpackt, neige ich deshalb dazu, auf lange Sicht hier den nachhaltigeren Erfolg zu erwarten, auch wenn ich den Laden bislang vornehmlich als Entwicklerbude wahrgenommen habe, die ganz froh waren, sich um so etwas wie Marketing nicht kümmern zu müssen. Aber man kann sich täuschen und wenn ich es richtig sehe, gibt es acht bis zehn Monate Vorsprung bei der Produktentwicklung, sogar wenn IAC und Intergraph alle Versprechungen einlösen.</p>
<p>Irgendeine ansprechende Verpackung für ihre Software werden die Saarländer schon finden.<br />
<em></em></p>
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		<title>Geocaching &#8211; eine Polemik</title>
		<link>http://www.geografitti.de/2009/09/15/geocaching-eine-polemik/</link>
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		<pubDate>Tue, 15 Sep 2009 08:45:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>ttm</dc:creator>
				<category><![CDATA[Der Leitartikel]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://www.geografitti.de/2009/09/15/geocaching-eine-polemik/</guid>
		<description><![CDATA[Ich verfolge die Geocaching-Community ja nur noch am Rande. Das hat (auch) zeitliche Gründe, aber vor allen Dingen etwas mit – jetzt muss ich vorsichtig sein – den Cachern zu tun, oder sagen wir mal, mit den (also nicht allen, aber vielen) Geocachern, die ich bislang auf Geocaching-Events getroffen habe. Vielleicht könnte man in Anlehnung an Heiner Müller auch sagen: Zehn Geocacher sind dümmer als einer.

Das war schon bei meinem ersten Event-Cache vor fast fünf Jahren so. Ich dachte man trifft sich am Grill, plaudert ein bisschen übers gemeinsame Hobby, tauscht Erfahrungen und Tipps aus und macht es sich irgendwie gemütlich. Aber nix da: Alle rannten wie aufgescheuchte Hühner rum, nur um ja keine Log-Möglichkeit der eigens zum Event ausgelegten Caches zu verpassen. Also saß ich so ziemlich alleine am Treffpunkt und dachte, um was geht’s eigentlich: Sich treffen oder Log-Punkte jagen?

Seitdem habe ich Event-Caches gemieden, bis auf den ein oder anderen Stammtisch ab und an, bei dem klar war, da wird keine Dose gesucht. Endgültig den Rest gab mir – nach langer Pause - der jüngste Mega-Event in Bremen mit rund 2000 Geocachern. Ich konnte es nicht fassen, all diese selbstgebastelten T-Shirts, Abzeichen, Wichtig-Namensschilder (VIP !!) und Wimpel. Es gab sogar eine Art Konferenz-Empfang mit Ausgabe der Tagungsunterlagen oder so ähnlich. Und mein Gefühl sagt mir: Das meinten die nicht ironisch, wie Geocacher überhaupt im Rudel ziemlich humorlos sind. Endgültig unerträglich machte es allerdings diese spürbare Sucht der versammelten Gemeinde nach offizieller Anerkennung. Wozu eigentlich?]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Ich verfolge die Geocaching-Community ja nur noch am Rande. Das hat (auch) zeitliche Gründe, aber vor allen Dingen etwas mit – jetzt muss ich vorsichtig sein – den Cachern zu tun, oder sagen wir mal, mit den (also nicht allen, aber vielen) Geocachern, die ich bislang auf Geocaching-Events getroffen habe. Vielleicht könnte man in Anlehnung an Heiner Müller auch sagen: Zehn Geocacher sind dümmer als einer.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Das war schon bei meinem ersten Event-Cache vor fast fünf Jahren so. Ich dachte man trifft sich am Grill, plaudert ein bisschen übers gemeinsame Hobby, tauscht Erfahrungen und Tipps aus und macht es sich irgendwie gemütlich. Aber nix da: Alle rannten wie aufgescheuchte Hühner rum, nur um ja keine Log-Möglichkeit der eigens zum Event ausgelegten Caches zu verpassen. Also saß ich so ziemlich alleine am Treffpunkt und dachte, um was geht’s eigentlich: Sich treffen oder Log-Punkte jagen?</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Seitdem habe ich Event-Caches gemieden, bis auf den ein oder anderen Stammtisch ab und an, bei dem klar war, da wird keine Dose gesucht. Endgültig den Rest gab mir – nach langer Pause &#8211;  der jüngste Mega-Event in Bremen mit rund 2000 Geocachern. Ich konnte es nicht fassen, all diese selbstgebastelten T-Shirts, Abzeichen, Wichtig-Namensschilder (VIP !!) und Wimpel. Es gab sogar eine Art Konferenz-Empfang mit Ausgabe der Tagungsunterlagen oder so ähnlich. Und mein Gefühl sagt mir: Das meinten die nicht ironisch, wie Geocacher überhaupt im Rudel ziemlich humorlos sind. Endgültig unerträglich machte es allerdings diese spürbare Sucht der versammelten Gemeinde nach offizieller Anerkennung. Wozu eigentlich?</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Aus meiner Sicht ist Geocaching eine ziemlich einsame und vor allen Dingen nicht-öffentliche Veranstaltung. Man zieht allein oder mit Partner los, löst die gestellten Aufgaben, genießt  im Idealfall die schöne Umgebung, findet bestenfalls den Cache und trägt sich ins Logbuch ein. Das wars. Die realen Personen hinter den Spitznamen interessieren mich nicht. Ich finde es toll, dass jemand sich die Mühe macht, einen Cache zu legen und zu pflegen, aber muss ich ihn deswegen kennen lernen? Ich mache mir außerdem die Mühe, den Cache zu suchen und wenn ich dies nicht tun würde, wäre das Verstecken eine ziemlich sinnlose Sache. Man handelt unabhängig voneinander, aber auf Gegenseitigkeit, verbunden durch das Internet, nicht durch persönliche Verabredung. Das finde ich wirklich spannend.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Die Faszination des Geocachens liegt im meiner Wahrnehmung zu einem guten Teil in dieser Anonymität und Nicht-Öffentlichkeit der Sache. Im Kern betrachte ich Geocaching sogar als subversiv, anarchisch und politisch unkorrekt. Ich kläre mit keinem Oberförster ab, wo ich einen Cache lege. Ich lege ihn. Punkt. Wenn Oberförster meint, ihn entfernen zu müssen, auch gut. Pech gehabt. Nächster Cache.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">Wenn eine Plastikdose an einer Brücke heute Polizei-Großeinsätze aus lauter Terrorangst auslöst, dann ist nicht derjenige „Schuld“, der dort einen Cache gelegt hat, sondern der Vorgang illustriert allenfalls den hysterischen Zustand der Gesellschaft, von dem sich nicht wenige „vernünftige“ Geocacher anstecken lassen, die natürlich nicht verstehen, wie man an so einem neuralgischen Punkt einen Cache verstecken kann.</p>
<p style="margin-bottom: 0cm;">So gesehen, verstehe ich Geocaching sogar als gesellschaftlichen Protest. Habe ich als Bürger nicht die Freiheit, Plastikdosen abzulegen, wo ich möchte? Geocachen ist im Prinzip sinnlos und unvernünftig, aber ich habe das Recht darauf, sinnlose und unvernünftige Dinge zu tun. Wenn allerdings auf Geocaching-Events zumindest für mich spürbar wird, wie sich die verbissene Begeisterung fürs eigene Hobby noch mit der Angst ergänzt, damit irgendwie anzuecken, dann wird Geocaching zu einer ziemlich spießigen Angelegenheit. Gab es eigentlich schon eine Vereinsgründung dazu?</p>
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